Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2012

06:26 Uhr

Sparmodelle

Wie Apple die Steuer umgeht

Mit einem Gewinn von 11,6 Milliarden Dollar konnte der US-Konzern Apple das Quartal abschließen. Doch dem US-Fiskus bringt das wenig. Mit legalen Steuersparmodellen kann der Technologiekonzern Milliarden einsparen.

Der Apple-Umsatz in China wächst. Reuters

Der Apple-Umsatz in China wächst.

Der US-Technologiekonzern Apple nutzt einem Medienbericht zufolge seine Tochterfirmen etwa in Irland oder den Niederlanden, um jedes Jahr legal Milliarden an Steuern zu sparen. Die „New York Times“ schilderte in einem am Sonntag erschienenen Bericht, welche Möglichkeiten vor allem international operierende Unternehmen wie Apple, Microsoft und Google haben, um ihre Steuern zu senken. 

Die 71 Technologiekonzerne im Index S&P 500, darunter Apple, Google, Yahoo und Dell, hätten in den vergangenen zwei Jahren im Durchschnitt ein Drittel weniger Steuern gezahlt als die übrigen S&P-500-Firmen, berichtete die „New York Times“. So habe Apple zwar seinen Hauptsitz in Kalifornien. Das Unternehmen unterhalte aber auch ein kleines Büro in Reno im Staat Nevada, um Gewinne zu verbuchen und Investitionen zu tätigen. In Nevada liege die Körperschaftssteuer bei null Prozent, in Kalifornien wären 8,84 Prozent fällig. 

Zuletzt hatte Apple das Quartal mit einem Umsatz von 39,2 Milliarden Dollar und einem Nettogewinn von 11,6 Milliarden Dollar abgeschlossen. iPhone und iPad verkaufen sich weiter prächtig.

Die USA spielen beim Verkauf schon längst nicht mehr die ausschlaggebende Rolle. Über 60 Prozent der iPhones werden außerhalb der USA aktiviert, in China ging das iPhone 4S an den Start. Der Gesamtumsatz von Apple in der Volksrepublik China im Quartal lag bei 7,9 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im ganzen Geschäftsjahr 2011 waren es noch 13,9 Milliarden. Ebenfalls heftig nachgefragt war das iPad, mit 11,8 Millionen Einheiten, einem Zuwachs von 151 Prozent zum Vorjahr.  Still und einsam stirbt nur der iPod vor sich hin: der Absatz von 7,7 Millionen Geräten hinterlässt ein Minus von 15 Prozent. 

An liquiden Mitteln haben sich mittlerweile rund 110 Milliarden Dollar aufgehäuft, 14 Milliarden Dollar Cash Flow waren im Quartal hinzugekommen.  Für das laufende Quartal erwartet Apple einen Umsatz von 34 Milliarden Dollar und einen Gewinn pro Aktie von 8,68 Dollar. Doch Steuern zahlt Apple weiterhin wenig.

Von

dapd

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.04.2012, 09:05 Uhr

12.5 % Körperschaftssteuer in Irland sind zwar auf den ersten Blick attraktiv, aber irgendwann müssen die Gewinne der Unternehmen auch an die Eigner - und das sind letztlich immer natürliche Personen - ausgeschüttet werden. Dividenden werden aber auch in Irland mit 20-25% besteuert, die Einkommenssteuer für natürliche Personen liegt auch in Irland liegt über 40% für hohe Einkommen.

Will sagen: So lange man als Apple-Eigner/-Aktionär nicht gerade in Dubai oder Singapur lebt, zahlt man schon ordentlich Steuern...

Geldwaesche-durch-Double-Irish

30.04.2012, 09:21 Uhr

Apple, Google, Microsoft, Pfizer usw. profitieren in den USA von einem Steuerkonstrukt, das so legal ist, wie es eine gekaufte Gesetzgebung nur sein kann. Ziel der Konstruktion ist es, die Gewinnbesteuerung zu umgehen.
Dazu werden Lizenzinhaber offshore installiert. Typischer Standort ist Irland. Von dort aus werden US-Kernunternehmen über die Verrechnung von Lizenzen und sportlich gepreisten "Leistungen" von steuerpflichtigen Gewinnen entlastet.
Die entstehenden Offshoregewinne bleiben in den USA steuerfrei, solange Sie offshore geparkt bleiben.
Um selbst die moderate Irlandbesteuerung zu umgehen, werden die Irlandgewinne von dort via Niederlande z.B. zu den Bermudas verschoben. (s. Double Irish / Dutch Sandwich).
Hierin liegt auch der Grund für die typische Verweigerung von echten Dividendenzahlungen durch die Steuernomaden :
Dividenden würden eine Rückführung der gewaschenen Gewinne in die USA notwendig machen. Aktuell arbeitet eine spendable Lobby daran, diese Re-Patriierung steuerlich freizukaufen .

Double-Irish-Dutch-Sandwich

30.04.2012, 09:58 Uhr

70% der Direktinvestitionen in Irland stammen von US-Unternehmen. Nun siedeln sich die Töchter von Microsoft, Pfizer oder Ely Lilly dort nicht an, weil Iren fleissiger Pillen drehen oder Programme schreiben.
Irlands Dienstleistung besteht vielmehr darin, durch Scheinaktivitäten und Lizenzakrobatik Konzerngewinne von den Mutterkonzernen wegzuverlagern - in Steuerparadiese wie den Caymans ( Facebook) oder den Bermudas ( Google ).
Irland nimmt dabei eine Zwischenstellung als Parkplatz ein, da dieser Übertrag auf direktem Weg regulatorisch unterbunden ist.
Die Konstruktion ist als "Double Irish" bekannt. Fährt das Geld zusätzlich einen Umweg über die Niederlande, spricht man von einem "Dutch Sandwich".
Der jährliche Schaden für den US-Fiskus übersteigt 60 Mrd USD - Google dagegen erfreute sich jüngst einer Steuerquote von 2,4%.
Das Modell ist so legal, wie es eine gekaufte Gesetzgebung nur sein kann.
Um diese Briefkastenökonomie herum entstand ein Ansiedlungsboom mit deftiger Immobilienblase - die nun in den Bilanzen derIrlandbanken detoniert.
Im Moment nennt man es "Eurorettung", wenn mit deutschem Steuergeld die maroden Dienstleister der Steuerschiebung gerettet werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×