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10.07.2013

10:38 Uhr

Sparprogramm angekündigt

Blackberry-Chef wirbt um Geduld seiner Aktionäre

Der Smartphone-Pionier Blackberry kämpft verbissen gegen die Bedeutungslosigkeit. Trotz schlechter Verkaufszahlen loben die Aktionäre auf der Hauptversammlung Vorstandschef Heins – und stimmen einer Namensänderung zu.

CEO Thorsten Heins mit dem  BlackBerry Z10. ap

CEO Thorsten Heins mit dem BlackBerry Z10.

WaterlooNach enttäuschenden Geschäftszahlen und einem Kurseinbruch wirbt Blackberry-Chef Thorsten Heins um Vertrauen bei den Anteilseignern. „Es braucht mehr als ein paar Quartale, bis wir dorthin gelangen, wo wir hin wollen“, sagte der aus Deutschland stammende Manager am Dienstag auf der Hauptversammlung im kanadischen Waterloo. Der Wettbewerb sei stark. „Es wird nicht einfach.“

Auf der Versammlung stimmten die Aktionäre zu, den Namen des Unternehmens von Research in Motion offiziell in Blackberry zu ändern. Der kanadische Konzern hatte bereits bei der Vorstellung seines neuen Betriebssystems Blackberry 10 entsprechende Pläne bekanntgegeben, brauchte aber für eine legale Namensänderung das Ja der Aktionäre.

Heins hatte zu Jahresbeginn neue Smartphones mit dem hoffnungsvollen Betriebssystem Blackberry 10 vorgestellt. Die Verkaufszahlen blieben aber hinter den Erwartungen zurück und es liefen neue Millionenverluste auf, woraufhin vor zwei Wochen die Aktie des Unternehmens massiv einbrach.

Von den anwesenden Aktionären bekam Heins nun lobende Worte und die Aktie stieg während der Versammlung um drei Prozent. Der ehemalige Siemens-Manager war vor einem guten Jahr angetreten, um das kanadische Unternehmen fit zu machen gegen Branchenriesen wie Apple mit seinem iPhone oder Samsung mit seinen Galaxy-Handys.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Heins richtet Blackberry vor allem auf Geschäftskunden aus, die eine hohe Sicherheit benötigen. Dafür sind Blackberrys bekannt. „Wir alle verfolgen die Nachrichten“, sagte der Firmenchef. Neben Handys kann er sich auch den Einsatz von Blackberry-Software in Autos oder Maschinen vorstellen. „Wir sind hundertprozentig offen für Partnerschaften.“

Der Marktanteil von Blackberry bei Smartphones hat sich nach Angaben der Marktforschungsfirma IDC binnen eines Jahres auf 3 Prozent halbiert. Besonders schlecht läuft es in den USA, dem Heimatmarkt von Apple. Heins reagierte auf die Entwicklung mit einem Sparprogramm, dem 5000 Stellen und ganze Werke zum Opfer fielen.

Er deutete nun weitere Einsparungen an, um Investitionen in neue Geräte und Software zu finanzieren. Das „Wall Street Journal“ berichtete am Mittwoch, vom Stellenabbau seien unter anderem das mittlere Management sowie der Verkaufsbereich betroffen. Zudem sei der für Verkäufe in den USA zuständige Vize-Präsident Richard Piasentin im vergangenen Monat entlassen worden, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

„Es gibt nicht nur einen oder zwei Gewinner in diesem Markt“, sprach Heins den Aktionären Mut zu, die teilweise viel Geld verloren haben. Gleichzeitig warnte er aber: „Es gibt keine Sicherheit, dass wir Erfolg haben werden, lassen Sie mich da klar sein.“ Die Verwaltungsratsvorsitzende Barbara Stymiest stärkte Heins den Rücken bei seinen Umbauplänen: „Wir stehen vollauf hinter dem Management.“

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