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08.10.2013

18:13 Uhr

Sparprogramm

Kahlschlag bei Alcatel-Lucent

Der angeschlagene französische Telekommunikationskonzern Alcatel-Lucent will 10.000 Stellen abbauen und so eine Milliarde Euro einsparen. Der Sparkurs wird für die Franzosen zur Existenzfrage.

In der Zentrale von Alcatel-Lucent in Colombes, nördlich von Paris, könnten bald einige Mitarbeiter ihren Job verlieren. ap

In der Zentrale von Alcatel-Lucent in Colombes, nördlich von Paris, könnten bald einige Mitarbeiter ihren Job verlieren.

ParisDer französische Telekommunikationsausrüster Alcatel-Lucent setzt erneut zum Kahlschlag an. Um sich aus den roten Zahlen zu arbeiten, streicht der Anbieter von Telefon- und Datennetzen weltweit 10.000 Jobs und damit fast jede siebte Stelle. In Deutschland sind 520 Mitarbeiter betroffen. Mit den Streichungen soll bis Ende 2015 eine Milliarde Euro eingespart werden, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. „Jeder weiß, dass das die letzte Chance ist“, sagte der neue Konzernchef Michel Combes der Tageszeitung „Le Monde“. Das Unternehmen sei in einer sehr ernsten Lage.

Alcatel will mit den Kürzungen die Wende schaffen: „Bei den Plänen geht es darum, dass das Unternehmen wieder Herr über sein Schicksal wird“, ergänzte Combes. Die Einschnitte dürften sein Unternehmen zunächst 1,2 Milliarden Euro kosten. Experten erwarten, dass für die Finanzierung ganze Sparten verkauft werden.

n der Region Europa, Nahost und Afrika sollen 4100 Jobs wegfallen, der Rest betrifft Asien und die amerikanischen Märkte. Noch am Dienstag sollte ein Treffen mit den Gewerkschaften stattfinden. In Deutschland beschäftigt Alcatel 3100 Menschen. Die geplante Streichung von 520 Jobs betrifft damit etwa ein Sechstel der Mitarbeiter.

Widerstand kündigte die französische Gewerkschaft CFDT an: „Wieder einmal zahlen die Mitarbeiter die Zeche. Wir werden den Plan bekämpfen und Vorschläge machen, um ihn zu ändern.“ In Frankreich, wo die Arbeitslosenquote über zehn Prozent liegt, sind wohl 900 Jobs betroffen.

Die Börse reagierte zunächst mit Kursgewinnen, die Aktien drehten dann aber ins Minus und verloren in Paris mehr als vier Prozent. Das Papier hat sich dieses Jahr in seinem Wert fast verdreifacht, weil Investoren hoffen, dass die Franzosen mit dem Ex-Vodafone -Manager Combes die Wende schaffen. „Der Konzern verbrennt viel Cash und kann sich nicht rentabel halten. Daher musste etwas passieren, damit er langfristig eine Zukunft hat“, sagte ein Pariser Analyst.

er Stellenabbau könnte auch Spekulationen über ein Zusammengehen mit Nokia anheizen. Zuletzt hatten sich Alcatel und die Finnen zu unverbindlichen Gesprächen getroffen, nachdem Siemens aus dem Gemeinschaftsunternehmen NSN mit Nokia ausgestiegen war. Manche Experten erwarten allerdings, dass ein Unternehmen, das gerade mitten im Umbruch ist, nicht attraktiv genug ist.

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