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15.03.2004

08:43 Uhr

Spekulationen um ein letztes Spitzengespräch von EU-Kommissar Monti und Steve Ballmer in dieser Woche

Microsoft-Verfahren auf der Zielgeraden

VonMichael Scheerer (Handelsblatt)

Die Zeit für eine friedliche Beilegung des Kartellstreits zwischen der EU-Kommission und dem US-Softwareanbieter Microsoft läuft ab. Die Brüsseler Behörde will nach fünfjährigen Ermittlungen am Mittwoch kommender Woche ihre Entscheidung verkünden.

BRÜSSEL. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti wirft dem Unternehmen aus Redmond im US-Saat Washington vor, seine Monopolstellung beim Betriebssystem Windows zu missbrauchen, um auf benachbarten und neuen Märkten wie den Musikabspielprogrammen und der Serversoftware sämtliche Konkurrenten auszustechen.

Im Umfeld der EU wurde am Wochenende nicht ausgeschlossen, dass führende Vertreter des Microsoft-Konzerns im Laufe dieser Woche nach Brüssel reisen könnten, um mit EU-Kommissar Mario Monti zu einem letzten Spitzengespräch zusammenzukommen. Weder Microsoft noch die Kommission wollen allerdings ein solches Treffen bestätigen.

Als wahrscheinlicher gilt, dass die Kommission gegen das Bill-Gates- Imperium am 24. März eine Kartellstrafe in dreistelliger Millionenhöhe verhängen wird. Der Entscheidungsentwurf, der mehrere hundert Seiten umfasst, liegt seit Wochen in Montis Schublade. Er enthält jedoch noch nicht die Höhe des Bußgeldes. Diese Zahlen werden erst wenige Tage vor der Entscheidung eingesetzt. Kommissionssprecherin Amelia Torres versichert, das Bußgeld sei „noch nicht ermittelt“. War zunächst von einer Summe zwischen 100 und 200 Mill. Euro die Rede gewesen, so kursiert seit einigen Tagen die Spekulation, Microsoft müsse sogar mit einem Bußgeld in Höhe von fast einer Milliarde Euro rechnen.

Gerüchte über schmerzhafte finanzielle Forderungen der Kommission gehören offenbar zur Drohkulisse, die Europas Kartellwächter gegen Microsoft aufgebaut haben. Monti will den US-Konzern zwingen, neben der Komplettversion von Windows innerhalb der EU auch eine abgespeckte Alternative anzubieten. Die Monti-Sprecherin versichert jedoch, dass Europas Verbraucher keine „Nackt-Version“ des gängigen Betriebssystems erhalten werden. Vielmehr müssten die PC-Hersteller dafür sorgen, dass neben dem MediaPlayer von Microsoft auch solche PC auf den Markt kommen, die Konkurrenz-Produkte wie den Realplayer enthalten.

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