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28.05.2016

13:21 Uhr

Spezialdienste

Telekom sieht sich nicht im Clinch mit der Netzneutralität

Im Netz werden qua EU-Beschluss alle Dienste gleich behandelt – manche sind allerdings gleicher als andere. Lebensrettende Anwendungen zum Beispiel. Oder auch Online-Spiele, wie die Telekom jetzt einwendet.

Das Unternehmen bekennt sich offiziell zur Netzneutralität – will Spezialdienste allerdings weiterausbauen. dpa

Deutsche Telekom

Das Unternehmen bekennt sich offiziell zur Netzneutralität – will Spezialdienste allerdings weiterausbauen.

Düsseldorf/KölnDie Telekom steht laut ihrem Deutschland-Chef grundsätzlich zur Netzneutralität – auch wenn sie Online-Spezialdienste weiter vorantreiben will. „Es ist gut, dass wir künftig beim Internetverkehr etwas differenzieren können, um manche sensible Dienste erst zu ermöglichen“, sagte Niek Jan van Damme der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Mit einem Zwei-Klassen-System hat das nichts zu tun.“ Ein freies und offenes Internet bedeute, dass möglichst viele neue Dienste entstehen könnten, für die aber auch die notwendigen technischen Voraussetzungen geschaffen werden müssten.

Bei sogenannten Spezialdiensten soll ein Teil des Datenverkehrs bevorzugt durchgeleitet werden. Im Oktober hatte das Europaparlament beschlossen, dass sich im Prinzip niemand in der EU eine Vorfahrt im Internet erkaufen darf - die Spezialdienste allerdings erlaubt. Netzaktivisten und Wirtschaftsverbände bezeichneten die Entscheidung als Aufweichung der Netzneutralität.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Während Brüssel mit Blick auf die Spezialdienste nur von lebensrettenden Anwendungen wie Telemedizin oder speziellen Telematik-Diensten sprach, nannte van Damme auch Online-Spiele, für die garantierte Übertragungsqualitäten sinnvoll seien. Damit schloss er an die Interpretation des Begriffs durch Telekom-Konzernchef Tim Höttges an, die im vorigen Jahr ebenfalls scharf kritisiert wurde.

Entscheidend für die Durchsetzung der neuen Dienste ist van Damme zufolge der neue Mobilfunkstandard 5G. Ihn soll es ab 2020 geben, der Standard soll Daten sicherer und mit weniger Verzögerung übertragen.

Von

dpa

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