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04.12.2014

15:36 Uhr

Spiegel in der Krise

Chefredakteur Büchner muss gehen

Quelle:Meedia.de

Lange schwelte der Konflikt beim Spiegel: Wie lange hält sich Chefredakteur Wolfgang Büchner, wer wird sein Nachfolger? Nun gibt es Gewissheit. Büchner geht sofort, die Nachfolger werden wohl später verpflichtet.

Er geht von Bord: Der Chefredakteur des Spiegel Wolfgang Büchner verlässt das Medium und erhält eine satte Abfindung. dpa

Er geht von Bord: Der Chefredakteur des Spiegel Wolfgang Büchner verlässt das Medium und erhält eine satte Abfindung.

Der gordische Knoten ist durchschlagen, die „bleierne Zeit“ vorbei: Der Machtkampf beim Spiegel ist endgültig entschieden. Am Morgen berichteten bereits der Branchendienst Turi2 und der NDR über die nun unmittelbar bevorstehende Ablösung von Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner. Später die Bestätigung des Verlags: Büchner räumt seinen Posten. Über die direkte Nachfolge machte der Verlag noch keine Angaben. Auch Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe (53) legt sein Amt nieder, bleibt aber noch bis zur Regelung seiner Nachfolge im Verlag.

Büchner führte seit September vergangenen Jahres die Redaktionen von Print und Online. Das Magazin werde bis auf weiteres von Büchners Stellvertretern Klaus Brinkbäumer und Clemens Höges geführt, teilte der Verlag mit. Bei „Spiegel Online“ bleiben Barbara Hans und Florian Harms stellvertretende Chefredakteure. Eine Inthronisierung blieb aus. Grund: Die Verträge sind noch nicht ausverhandelt.

Büchner verlässt das Haus mit sofortiger Wirkung, sein Vertrag wird zum Jahresende gegen eine üppige Abfindung aufgelöst. Damit endet der wohl am schlechtesten gemanagte Chefredakteurswechsel aller Zeiten. Bis Weihnachten, so heißt es im Verlag, hoffe man, die Verträge mit den Nachfolgern unter Dach und Fach zu haben. Die besondere Schwierigkeit liegt offenbar darin, dass der derzeitige Vize Klaus Brinkbäumer und Online-Chefredakteur Florian Harms nicht etwa gleichberechtigte Co-Chefredakteure – wie seinerzeit bei der Doppelspitze Müller-Blumencron/Mascolo – sein werden, sondern exakt zugeschnittene Aufgabenfelder und Kompetenzen erhalten sollen. Damit, so hofft die Mitarbeiter KG, würden Dauerstreitigkeiten vergangener Tage vermieden werden können.

Die Mitarbeiter KG war es auch, die die jetzt vollzogene Lösung ersonnen und durchgesetzt hat. Nach Informationen von „Meedia“ hatten die Gesellschafter (neben dem Mehrheitsgesellschafter Mitarbeiter KG auch Gruner + Jahr und die Erbengemeinschaft Augstein) in den vergangenen Wochen nochmals „den Markt gescannt“, doch nach der Absage Giovanni di Lorenzos habe sich – so ein Insider – einfach kein geeigneter externer Kandidat finden wollen.

Die nun getroffene Nachfolgeregelung ist deshalb ein Kompromiss. Viel Applaus werden die Gesellschafter für die Personallösung, die in erster Linie für Kontinuität steht, nicht erhalten. Gefragt sind, mit Blick auf die notwendige digitale Erneuerung, nun Selbstheilungskräfte.

Die größten deutschen Medienkonzerne (Umsatz 2013)

Platz 10 – Funke Mediengruppe

Umsatz: 1,2 Milliarden Euro*

Platz 9 – Verlagsgruppe Weltbild

Umsatz: 1,59 Milliarden Euro*

Platz 8 – Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Umsatz: 1,88 Milliarden Euro*

Platz 7 – ZDF

Umsatz: 2,01 Milliarden Euro

Platz 6 – Bauer Media Group

Umsatz: 2,4 Milliarden Euro

Platz 5 – Hubert Burda Media

Umsatz: 2,45 Milliarden Euro*

Platz 4 – ProSieben Sat.1

Umsatz: 2,61 Milliarden Euro

Platz 3 – Axel Springer

Umsatz: 2,8 Milliarden Euro

Platz 2 – ARD

Umsatz: 6,28 Milliarden Euro

Platz 1 – Bertelsmann

Umsatz: 16,36 Milliarden Euro

Quelle

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

*Für diese Konzerne lagen die Umsatzzahlen von 2013 bei der Publikation im Mai noch nicht vor. In diesen Fällen wurden die zuletzt veröffentlichten Umsatzzahlen als Grundlage genommen.

Geschäftsführer Ove Saffe, der in den vergangenen Monaten nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er die von Wolfgang Büchner ersonnene Strategie für die einzig richtige und erfolgversprechende hält, wird ebenfalls einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Da seine Nachfolge aber nicht im Geringsten geregelt ist, hat sich Saffe auf Drängen der Mitarbeiter KG bereit erklärt, die Geschäfte für eine Übergangsfrist weiterzuführen. Den Gesellschaftern bleiben nur wenige Monate, um einen neuen Top-Manager für den Spiegel zu finden – ein Unterfangen, das Eingeweihte als „überaus schwierig” einstufen.

Von

Kommentare (1)

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Herr Tom Schick

04.12.2014, 15:54 Uhr

Mir ist es eigentlich völlig egal wer sein Nachfolger wird. Ich nehme dieses unsägliche Propagandablatt erst wieder in die Hände, wenn sich der Inhalt von einseitig, parteiisch, propagandistisch, hin zu ausgewogen und kritisch gewandelt hat. Ich weiß allerdings auch, dass die politische Klasse das niemals zulassen wird. So kann der typisch deutsche Intellektuelle Spiegel-Leser, weiter sein Hirn ausgeschaltet lassen und sich von Spiegel alles in kleinen Häppchen vorkauen lassen natürlich politisch korrekt aufbereitet und mit „Hirn-aus-lassen“–Garantie!

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