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05.04.2013

11:09 Uhr

Spielefirma Zynga

„Farmville“-Macher setzen auf Glücksspiele

VonChristof Kerkmann

Das Geschäft mit Social Games wie „Farmville“ läuft nicht mehr rund, deswegen setzt der Computerspiele-Anbieter Zynga jetzt auf Poker und Blackjack. Das Unternehmen hat bereits Las Vegas im Blick – zumindest virtuell.

Mit Facebook-Spielen wie „Farmville“ und dessen Nachfolger ist Zynga bekannt geworden. Doch die Firma wagt sich in neue Geschäftsfelder vor. dapd

Mit Facebook-Spielen wie „Farmville“ und dessen Nachfolger ist Zynga bekannt geworden. Doch die Firma wagt sich in neue Geschäftsfelder vor.

DüsseldorfZynga versucht sein Glück mit einem Online-Casino: Der kriselnde Computerspiele-Anbieter bietet seit dieser Woche Poker, Blackjack und Roulette mit echtem Geld an. Zunächst sind die Glücksspiele nur in Großbritannien verfügbar, Ziel sei es aber, diese auf verschiedenen Plattformen und in aller Welt anzubieten, teilte Zynga in seinem Blog mit. Seit einigen Monaten setzt das Unternehmen zudem verstärkt auf Spiele für Tablet-Computer. Beides soll helfen, die Abhängigkeit von Social Games wie etwa „Farmville“ – also Spielen, die an soziale Netzwerke andocken – zu verkleinern.

Das 2007 gegründete Unternehmen ist mit Facebook-Spielen groß geworden und profitierte dabei vom rasanten Wachstum des sozialen Netzwerks. Inzwischen zweifeln die Investoren aber daran, dass Zynga weiterhin so viele neue Nutzer anlocken, halten und zum Kauf virtueller Gegenstände bewegen kann – die bislang wichtigste Umsatzquelle.

Geschäftsmodelle der Spielebranche

Verkauf

Ein Entwickler arbeitet Monate oder Jahre an einem Spiel. Wenn es fertig ist, wird es zu einem festen Preis auf den Markt gebracht. Nach wie vor setzen viele Anbieter auf den klassischen Verkauf, ob Einzelkämpfer, die eine iPhone-App programmieren, oder große Studios mit Produktionen im Hollywood-Stil. Ob die Nutzer ins Geschäft gehen oder sich den Titel herunterladen, spielt dabei keine Rolle.

Abo-Modelle

Jede Stunde oder jeder Monat kostet – nach diesem Prinzip rechnen die Anbieter von Abo-Spielen ab. Wenn sie einen treuen Stamm von Spielern an sich binden können, schaffen sie einen stetigen Umsatzstrom. Dafür müssen sie allerdings auch ständig etwas Neues bieten, sonst sind die zahlenden Kunden weg. „World of Warcraft“ ist der Prototyp dieses Geschäftsmodells.

Free To Play

Das Spiel an sich ist gratis, aber die Extras kosten. Die Anbieter von Free-to-play-Spielen verdienen ihr Geld mit virtuellen Zauberstäben, Raumschiffen oder Rüstungen. Obwohl nur ein Bruchteil der Nutzer zahlt, kann das lukrativ sein. Da die Einstiegshürde niedrig ist, gewinnen die Anbieter viele Gelegenheitsspieler. Vorreiter sind Unternehmen wie Zynga und Bigpoint, doch auch viele Branchen-Dinos setzen inzwischen auf dieses Modell.

Werbung

Bandenwerbung im Fußballstadion, Aufkleber auf Rennwagen, gesponsorte Figuren: Computerspiele sind eine Plattform für Reklame. Der Anteil am Gesamtumsatz der Branche ist allerdings noch klein.

Crowdfunding

Wer keinen großen Geldgeber findet, fragt einfach viele Kleininvestoren. Beim Crowdfunding – der Schwarmfinanzierung – versorgen sich Unternehmen über Plattformen wie Kickstarter mit Kapital; Nutzer können kleine Beträge zur Verfügung stellen und bekommen im Gegenzug das fertige Produkt oder Extras.

Zudem leistete sich das Management um Gründer Mark Pincus mit der 180 Millionen Dollar teuren Übernahme der Firma OMGPOP mit ihrem Titel „Draw Something“ einen Fehlgriff – das Spiel im Stile von „Montagsmaler“ erwies sich als sehr kurzlebig. Und während der schwierigen Neuausrichtung liefen diverse Spitzenmanager davon. Der Aktienkurs des Börsenneulings sank von zwischenzeitlich 14,50 Dollar auf etwas über 2 Dollar. Derzeit steht er knapp unter der 4-Dollar-Marke.

Das Management stellte mehrere erfolglose Spiele ein, strich 150 Stellen, und richtete die Firma neu aus. Künftig stehe Zynga auf vier Säulen, sagte Steve Chiang, Chef der Spielentwicklung bei Zynga, im Gespräch mit Handelsblatt Online: Social Games wie „Farmville“ und „Cityville“, die immer noch ein großer Markt seien; Gelegenheitsspiele wie „Words with Friends“; etwas anspruchsvollere Spiele, sogenannte „midcore games“; und Glücksspiele. Mit der eigenen Spiele-Plattform zynga.com will die Firma sich zudem aus der Abhängigkeit von Facebook lösen.

In Großbritannien zieht Zynga sein Online-Casino gemeinsam mit dem Wettanbieter Bwin auf. Das US-Unternehmen darf auf noch größere Einsätze hoffen: „Wir machen kleine Schritte und erwarten, dass wir in der Zukunft in stärker regulierte Märkte gehen“, sagte Chiang. So erwägen mehrere US-Staaten die Legalisierung des Online-Glücksspiels. Vorreiter ist der Wüstenstaat Nevada mit der Casino-Hochburg Las Vegas. Hier hat sich Zynga bereits für eine vorläufige Lizenz beworben, frühestens im Frühjahr 2014 könnten die Glückspiele beginnen. Allerdings wollen auch Branchengrößen wie MGM und Caesars ins Online-Geschäft einsteigen.

Zudem investiert Zynga deutlich mehr in mobile Spiele: Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter ist mit der Entwicklung von Smartphone- und Tablet-Titeln beschäftigt, unter anderem wird „Farmville 2“ für die kleinen Bildschirme angepasst. Derzeit erreicht die Firma mit mobilen Spielen wie „Bubble Safari“ oder „What's the Phrase“ 72 Millionen Nutzer im Monat. Im vergangenen Quartal trugen sie 21 Prozent zum Umsatz bei.

Smartphones und Tablets seien „die ultimative Spiele-Plattform“, sagte Chiang. Allerdings habe sich die Firma an die unterschiedliche Spielweise anpassen müssen: „Die Spielzeiten sind kürzer, oft sind es nur fünf Minuten, die man auf den Bus wartet.“ Daher müssten die Titel schnell laden und die Spiele oder Aufgaben in kurzer Zeit zu bewältigen sein.

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