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15.11.2013

16:06 Uhr

Spielekonsole

Sony startet mit dem Playstation-4-Verkauf

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft beginnt der Wettkampf der neuen Spielekonsolen: Seit Freitag ist Sonys Playstation 4 in den USA im Handel, bald folgt Microsofts Xbox One. Wer das Rennen machen wird, ist offen.

Joey Chiu aus Brooklyn ist der erste Käufer der Playstation 4. Ihm folgten am Freitag Tausende. dpa

Joey Chiu aus Brooklyn ist der erste Käufer der Playstation 4. Ihm folgten am Freitag Tausende.

New YorkSony hat mit seiner neuen Spielekonsole Playstation 4 fast wie in alten Zeiten Tausende von Fans in den Metropolen der USA auf die Beine gebracht. Seit Freitag um Mitternacht ist die erste Konsole der neuen Generation dort im Handel. Sie kam eine Woche früher als Microsofts Xbox One auf den Markt und ist umgerechnet rund 100 Euro günstiger. Damit könnte sich Sony einen guten Vorsprung vor der Konkurrenz sichern, schätzen Beobachter.

In den USA strömten die Fans in viele Läden, die bereits um Mitternacht geöffnet hatten. Auch die Rocklegende Lou Reed bescherte der Konsole einen „perfekten Tag“: Für den Werbespot zum Marktstart wählte das japanische Unternehmen den Song „Perfect Day“ des Ende Oktober verstorbenen Musikers als Hintergrundmusik. Der nachgesungene Song unterlegt Kampf- und Crash-Szenen aus Spielen wie „Killzone“ oder „DriveClub“.

Nach mehr als sieben Jahren ohne Generationenwechsel bei den Konsolen gebe es eine große Nachfrage nach neuer Hardware, sagte Patrick Söderlund, Chef der Electronic Arts Studios. „Und mit den neuen Konsolen bricht auch eine neue Ära an Spielen an.“ Bisher habe jede Generation neuartige Spiele hervorgebracht. Electronic Arts bringt für beide Konsolen exklusive Titel heraus.

Die Reaktion auf erste Titel wie „Knack“ (Sony) und „Killzone: Shadow Fall“ (Guerilla Games), die zum Verkaufsstart exklusiv für die PS4 verfügbar sind, fiel auf Bewertungsplattformen allerdings noch verhalten aus. Da die PS4 wie auch die Xbox One erstmals mit einem klassischen PC-Prozessor (x86) ausgestattet ist, ist die Konsole für ältere Spiele nicht abwärtskompatibel, die verfügbaren Titel bleiben also zunächst recht übersichtlich. Spieleentwickler profitierten allerdings von der neuen Chip-Plattform, da Software einfacher und schneller für alle Plattformen entwickelt werden könne, sagte Söderlund.

Geschäftsmodelle der Spielebranche

Verkauf

Ein Entwickler arbeitet Monate oder Jahre an einem Spiel. Wenn es fertig ist, wird es zu einem festen Preis auf den Markt gebracht. Nach wie vor setzen viele Anbieter auf den klassischen Verkauf, ob Einzelkämpfer, die eine iPhone-App programmieren, oder große Studios mit Produktionen im Hollywood-Stil. Ob die Nutzer ins Geschäft gehen oder sich den Titel herunterladen, spielt dabei keine Rolle.

Abo-Modelle

Jede Stunde oder jeder Monat kostet – nach diesem Prinzip rechnen die Anbieter von Abo-Spielen ab. Wenn sie einen treuen Stamm von Spielern an sich binden können, schaffen sie einen stetigen Umsatzstrom. Dafür müssen sie allerdings auch ständig etwas Neues bieten, sonst sind die zahlenden Kunden weg. „World of Warcraft“ ist der Prototyp dieses Geschäftsmodells.

Free To Play

Das Spiel an sich ist gratis, aber die Extras kosten. Die Anbieter von Free-to-play-Spielen verdienen ihr Geld mit virtuellen Zauberstäben, Raumschiffen oder Rüstungen. Obwohl nur ein Bruchteil der Nutzer zahlt, kann das lukrativ sein. Da die Einstiegshürde niedrig ist, gewinnen die Anbieter viele Gelegenheitsspieler. Vorreiter sind Unternehmen wie Zynga und Bigpoint, doch auch viele Branchen-Dinos setzen inzwischen auf dieses Modell.

Werbung

Bandenwerbung im Fußballstadion, Aufkleber auf Rennwagen, gesponsorte Figuren: Computerspiele sind eine Plattform für Reklame. Der Anteil am Gesamtumsatz der Branche ist allerdings noch klein.

Crowdfunding

Wer keinen großen Geldgeber findet, fragt einfach viele Kleininvestoren. Beim Crowdfunding – der Schwarmfinanzierung – versorgen sich Unternehmen über Plattformen wie Kickstarter mit Kapital; Nutzer können kleine Beträge zur Verfügung stellen und bekommen im Gegenzug das fertige Produkt oder Extras.

Sony verschafft sich mit dem Marktstart am Freitag zumindest einen Vorsprung von einer Woche vor dem Rivalen Microsoft, der kommenden Freitag mit seiner Xbox One weltweit antritt. In Europa kommt die Playstation 4 am 29. November in den Handel. Für Sony hängt viel von einem Erfolg ab. Konsolen und Spiele sind eines der wichtigen Kerngeschäfte des Konzerns.

Erste Testberichte deutscher Fachmedien fielen indes gemischt aus: Wie „PC Games“ berichtet, lieferte die Konsole nach der Installation des erforderlichen Updates keine Bilder mehr. Es handele sich aber vermutlich um Einzelfälle, erklärte Sony-Manager Shuhei Yoshida in einem Blog-Beitrag. Sony gehe den Fällen nach.

Insgesamt 5 Millionen Konsolen will Sony nach eigenem Plan bis März absetzen. Dass Sonys Gewinn unmittelbar von der Playstation 4 profitieren könnte, halten Beobachter indes für unwahrscheinlich, denn das Geschäft mit Spielekonsolen ist ein Projekt, das auf mehrere Jahre angelegt ist. Traditionell wird die Hardware erst später profitabel, der Umsatz wird mit Spieletiteln gemacht.

Dennoch sehen manche Beobachter Sony auch mittelfristig auf der Gewinnerstraße: Zunächst dürfte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben, schätzt Piers Harding-Rolls, Analyst der Beratungsfirma IHS. Bis 2017 könnte Sony aber vor allem wegen der großen Markenbekanntheit seinen Rivalen Microsoft ausgestochen haben.

Sowohl Sony als auch Microsoft dürften aber von dem vergleichsweise schwachen Start von Nintendos Wii U profitieren, schätzt IHS. Viele Marktbeobachter gingen zudem davon aus, dass der anhaltende Trend etwa zum Spielen über Online-Plattformen vor allem Nintendo trifft, da das japanische Traditionshaus besonders viele Gelegenheitsspieler anziehe, berichtete das „Wall Street Journal“.

Von

dpa

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