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26.01.2008

10:12 Uhr

Spielekonsolen

Frische Truppen

VonAngela Köhler
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Vom Underdog zum Superstar: Mit der Spielekonsole Wii ist Nintendo auf dem Sprung zur Kultmarke. Ein Erfolg, der den Erfinder des Gameboys schlagartig in die Champions League der Bits -, Bytes- und Medienbranche katapultiert - und auf Augenhöhe zu Microsoft und Sony.

Bei der Bedienung geht Nintendos Spielekonsole Wii neue Wege – das zahlt sich aus. Foto: AP Quelle: ap

Bei der Bedienung geht Nintendos Spielekonsole Wii neue Wege – das zahlt sich aus. Foto: AP

Skispringen kann jeder, sagt Yasuhiro Minagawa und geht wippend in die Hocke. Er bleibt in der Stellung und rast die Schanze hinunter. An der roten Absprungmarkierung reißt er die Arme in die Höhe und spannt den Körper. Nach ein paar Sekunden setzt er etwas unsanft auf. Der Fernseher vor ihm zeigt "67 Meter" an. Minagawa ist enttäuscht: "Gestern bin ich weiter geflogen."

Minagawa würde sich niemals auf eine richtige Skischanze trauen. Er steht in Socken auf einer Art Brett. Die weiße Unterlage registriert jede noch so kleine Bewegung und Gewichtsverlagerung. Minagawa ist auch kein Weitenjäger, sondern Abteilungsleiter bei Nintendo, einem der hippsten Unternehmen der Unterhaltungselektronik, dem Hersteller der Spielekonsole Wii und Herausforderer von Sony und Microsoft.

Minagawa hat seine hellblaue Firmenuniform abgelegt und auch die Nintendo -Krawatte. Er klickt auf die Fernbedienung und startet einen zweiten Versuch. Doch diesmal verpasst er die Absprungmarkierung. Sein Abbild im Fernsehen, das sogenannte Proxy-Männchen, stürzt, kugelt seufzend durch den Schnee, rappelt sich auf und schüttelt traurig den Kopf.

Der virtuelle Freizeitskispringer Minagawa zählt zu den Auserlesenen, die seit Juli in der Zentrale von Nintendo in der alten japanischen Kaiserstadt Kyoto das jüngste Produkt seines Unternehmens testen: das Wii-fit-Brett. Das Gerät, das aussieht wie eine Personenwaage, eignet sich nicht nur zum imaginären Skispringen. Das mit ausgeklügelten Drucksensoren ausgestattete Teil hat vor allem das Zeug zum Alleskönner. Es soll das Gewicht oder das Fett im Körper überwachen, Haltungsfehler melden oder bei der Gymnastik helfen - kurz: die Gesundheit fördern. Vier Kilogramm hat der Endvierziger Minagawa damit bereits abgenommen.

Das neue Gerät, das es seit Anfang Dezember für umgerechnet 55 Euro zunächst nur in Japan zu kaufen gibt, ist mehr als nur eine Weiterentwicklung der Computerspielekonsole Wii, die Nintendo vor gut einem Jahr auf den Markt brachte. Die neue Version des ans Fernsehen gebundenen Gerätes erfüllt einen viel vornehmeren Zweck: Es soll Nintendo als Sprungbrett dienen, um vom Kreis der herkömmlichen Konsolen- und Computerspielehersteller in die Champions League der Bits -, Bytes- und Medienbranche zu gelangen. Mit Wii will Vorstandschef Satoru Iwata zeigen, dass es ein Unternehmen binnen weniger Jahre vom Underdog zum Superstar schaffen kann, wenn es nur radikal auf Innovationen setzt und sich von hergebrachter unternehmerischer Denke löst. Der Markt habe verstanden, sagt Iwata, dass Nintendo "nichts weniger als einen Paradigmenwechsel in der Welt der Videospiele" geschafft habe.

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