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20.08.2011

17:35 Uhr

Spielemesse

Gamescom überfüllt: Kein Einlass mehr

Aus Sicherheitsgründen ist der Einlass bei der Gamescom zeitweise komplett gesperrt worden. Die Verantwortlichen hatten nicht mit so vielen Besuchern gerechnet.

Auch wer es noch zur Gamescom geschafft hat: Warten ist trotzdem angesagt. Reuters

Auch wer es noch zur Gamescom geschafft hat: Warten ist trotzdem angesagt.

KölnEuropas größte Spielemesse Gamescom in Köln hat am vorletzten Tag vor einem riesigen Besucheransturm kapituliert. Zeitweise wurde kein einziger Fan mehr auf das Gelände gelassen. Vor den geschlossenen Kassen bildeten sich darauf am Samstagmittag große Menschentrauben. Erst am Nachmittag normalisierte sich der Betrieb.

Die Veranstalter organisierten ein Unterhaltungsprogramm vor dem Eingang, um frustrierte Gamer für die vergebliche Anreise zu entschädigen. „Mit einem solchen Besucheransturm haben wir nicht gerechnet“, sagte eine Gamescom-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Viele Spieler reisten unverrichteter Dinge wieder aus Köln ab. Jedoch kam es in der Menge zu keinen nennenswerten Streitigkeiten.

Mehr als 60.000 Besucher waren bereits zwei Stunden nach der morgendlichen Öffnung in den Kölner Messehallen gezählt worden. Als die Veranstalter den Ansturm bemerkten, ließen sie die Eingänge schließen. Dadurch sei „die Sicherheit der Besucher durchgehend garantiert“ gewesen, wie die Gamescom-Sprecherin betonte. Erst ging also beim Einlass gar nichts mehr. Dann durften immerhin vereinzelt diejenigen Spiele-Fans hinein, die schon vorher eine Karte hatten. Am Nachmittag lief der Einlass „wieder kontinuierlich“, wie es hieß.

Welche Arten von Online-Spielen gibt es?

Die wichtigsten Begriffe im Überblick

Die Computerspiele-Branche setzt immer mehr aufs Internet. Doch abgesehen davon, dass die Spieler online sind, gibt es erhebliche Unterschiede – wir erklären die wichtigsten Begriffe.

Browser-Spiele

Der Name sagt es: Browser-Spiele lassen sich direkt im Browser aufrufen, zum Beispiel im Firefox oder im Internet Explorer. Für die Anzeige von Multimedia-Elementen ist oft eine Software-Erweiterung (Plug-In) notwendig, beispielsweise Flash. Der neue Standard HTML5 macht derartige Spiele auch ohne Plug-In möglich. Auf dieser Plattform werden unterschiedliche Zielgruppen bedient: Es gibt Gelegenheitsspiele (Casual Games), aber auch komplexere Titel, beispielsweise aufwendige Rollenspiele, bei denen sich viele Nutzer gleichzeitig in der virtuellen Welt tummeln.

Social Games

Als Social Games werden Spiele bezeichnet, die überwiegend über Soziale Netzwerke gespielt werden. Die Idee: Wer sowieso schon mit seinen Freunden vernetzt und häufig online ist, will ab und zu vielleicht auch mit diesen oder gegen diese spielen. Dabei werden Pflanzen gepflegt, Tiere gehegt, Mafia-Kriege ausgefochten oder Städte geplant – die Vielfalt kennt keine Grenzen. Die Hemmschwelle ist zudem niedrig, da fast alle Spiele direkt im Browser funktionieren und kostenlos sind. Geld verdienen Hersteller wie der klare Marktführer Zynga vor allem mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten, den virtueller Gütern. Das kann ein neuer Traktor sein, ein Raumschiffantrieb, eine neue Frisur… Viele der Social Games richten sich an Gelegenheitsspieler, da sie wenig komplex sind.

MMOs

MMO (auch MMOG) steht für Massively Multiplayer Online Game. Die erfolgreichste MMO-Unterkategorie sind die MMORPGs – Multiplayer-Rollenspiele wie „World of Warcraft“. Bei typischen MMOs treffen sich sehr viele Spieler über das Internet in einer virtuellen Welt. Diese wird von den Nutzern ständig verändert, die oft enge Beziehungen untereinander unterhalten und sich typischerweise in Gruppen, oft „Clans“ oder „Gilden“ genannt, zusammenschließen.

Einige MMOs laufen im Browser, andere bedürfen der Installation eines Programms auf dem Computer – dafür steigt dann auch die Spielqualität. Weltmarktführer bei MMOs ist seit vielen Jahren „World of Warcraft“, das von der US-Firma Activision Blizzard vertrieben wird.

Casual Games

Hinter diesem Modebegriff verbergen sich simple Spiele für Millionen: leicht zu spielen, mit schnellen Erfolgserlebnissen und kooperativen Elementen. Oft sind es Denk- und Ratespiele, aufgehängt an bekannten Marken wie etwa „Wer wird Millionär“.

Die allermeisten Casual Games erfordern keine besondere Hardware, laufen also auch auf alten Rechnern oder Handys und sind kostenfrei spielbar. Typischerweise bezahlt ein gewisser Anteil der Gelegenheitsspieler für den Download einer Premium-Version oder einen Premium-Zugang, so dass sich die Spiele insgesamt rechnen.

Als eines der ersten Casual Game gilt „Solitaire“, das schon in den 90ern millionenfach gespielt wurde. Im Online-Zeitalter sind Casual Games aber erst richtig populär geworden. Einen weiteren Schub erhielten sie durch das soziale Netzwerk Facebook.

Spiele-Apps

Hier lädt sich der Nutzer ein Programm (umgangssprachlich App genannt) auf sein Smartphone oder auf den Tablet-PC, um spielen zu können. Der stärkere Wettbewerb bei den Smartphone-Betriebssystemen kurbelt auch die App-Branche an.

Die mobilen Spiele werden zunehmend kostenlos zum Download angeboten. Oft sind das aber nur Appetithappen. Wer alle Level spielen will, muss die Vollversion kaufen. Besonders beliebt: „Angry Birds“ von der finnischen Firma Rovio. Die zornigen Vögel sind bereits auf mehr als einer Milliarde mobilen Geräten gelandet.

Schon seit Beginn der Messe am Donnerstag ist der Besuchersturm extrem - und höher als im vergangenen Jahr. Für viele Besucher gab es kein Halten mehr: Sie rannten quer durch die Messehallen zu den sehnlichst erwarteten Spiele-Neuheiten. Und Schnelligkeit zahlte sich auch schon am ersten Publikumstag der größten europäischen Computerspielemesse in Köln aus: Bereits nach kurzer Zeit hatten sich an einigen Ständen lange Warteschlangen gebildet. Und manche Besucher hatten sich wie die Helden aus ihren liebsten Fantasy- oder Actionspielen verkleidet.

„Ab hier Wartezeit drei Stunden“, hieß es zum Beispiel auf einem Schild vor der neuesten Ausgabe der Ego-Shooter-Reihe „Call of Duty“. „Ich bin einfach ein großer Fan. Da ist man in ständiger Lauerstellung und nimmt auch die Warterei in Kauf“, sagte der 23-jährige Karsten Woll aus Oldenburg. „Ich hoffe nur, dass sich das Ganze am Ende lohnt.“ Noch krasser war es beim Rollenspiel „Diablo 3“: Dort mussten die Besucher zunächst warten, bis sie in den „offiziellen“ Wartebereich kamen, um dort weitere drei Stunden anzustehen. „Das ist echt Wahnsinn hier, noch viel mehr Leute als letztes Mal“, meinte ein Ordner.

Rund 550 Aussteller, so viele wie noch nie, zeigen auf der Gamescom die Trends der Branche. Ego-Shooter, Action- und Rollenspiele waren bei der klassischen Zielgruppe - jung und männlich - der Renner. Aber auch Bewegungsspiele - Modethema des vergangenen Jahres - lockten viele Besucher an die laut beschallten Stände. Online-Spiele, in denen die Branche einen großen Wachstumsmarkt sieht, wurden in einem eigenen Bereich gezeigt. Spiele-Apps für Smartphones entwickeln sich immer mehr zu einer Konkurrenz für etablierte Konsolenhersteller.

Von

dpa

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