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09.09.2011

11:28 Uhr

Spionage bei Oracle

Noch mehr Ärger für SAP wegen Datenklaus

Neuer Ärger für SAP wegen der Tochter Tomorrow Now: Auch das US-Justizministerium hat den deutschen Softwarehersteller jetzt verklagt. Tomorrow Now soll illegal auf Datenbanken von US-Konkurrent Oracle zugegriffen haben.

SAP hatte den Software-Dienstleister TomorrowNow einst erworben, um Oracle Kunden abzujagen. dapd

SAP hatte den Software-Dienstleister TomorrowNow einst erworben, um Oracle Kunden abzujagen.

Oakland/StuttgartDer Software-Konzern SAP hat in den USA wegen des Datendiebstahls beim Konkurrenten Oracle eine schwere Niederlage einstecken müssen. Das US-Justizministerium verklagte den Walldorfer Konzern nach jahrelangen Ermittlungen, weil dieser illegal auf Oracle-Datenbanken zugegriffen habe, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht.   

Die inzwischen liquidierte SAP-Tochter Tomorrow Now habe dabei zudem Urheberrechte verletzt, befanden die Strafverfolger. SAP bekannte sich als Muttergesellschaft von Tomorrow Now der Taten schuldig und will damit die jahrelangen Ermittlungen zum Abschluss bringen, wie ein Sprecher sagte. „Mit der jüngsten Vereinbarung ist nun ein fairer Abschluss des Verfahrens möglich“, sagte SAP-Sprecher Jim Dever. Das gegen Tomorrow Now als Firma zu verhängende Strafmaß soll am Mittwoch verkündet werden, die Verantwortlichen bei SAP und Tomorrow Now kommen ungeschoren davon.

In Deutschland richten sich strafrechtliche Ermittlungen dagegen immer gegen natürliche Personen, nicht aber gegen juristische Personen wie Firmen. Das US-Justizministerium hatte sich schon vor einigen Jahren in den seit 2005 tobenden Rechtsstreit zwischen Oracle und SAP um illegale Downloads durch die SAP-Tochter Tomorrow Now eingeschaltet. Auch Oracle hatte SAP wegen des - anfänglich von SAP bestrittenen - Datendiebstahls verklagt und Schadenersatz in Milliardenhöhe gefordert. Ein Geschworenengericht sprach Oracle nach einem Schuldeingeständnis von SAP im November vergangenen Jahres Schadenersatz in Höhe 1,3 Milliarden Dollar zu.   

Eine Berufsrichterin kassierte diesen Juryspruch jedoch in der vergangenen Woche und reduzierte den von SAP an Oracle zu zahlenden Betrag auf 272 Millionen Dollar. Oracle steht damit vor der Wahl, die geringere Summe zu akzeptieren oder das Verfahren noch einmal neu aufzurollen. SAP-Co-Vorstandssprecher Bill McDermott, der als Vertriebschef in den USA früher für Tomorrow Now verantwortlich war, hatte sich in dem Gerichtsverfahren bei Oracle für das unlautere Herunterladen von Daten entschuldigt.   

SAP hatte den verlustreichen Software-Dienstleister Tomorrow Now erworben, um Oracle Kunden abzujagen. Tomorrow Now wartete bei Firmen unter anderem Oracle-Software. SAP lockte diese Unternehmenskunden mit günstigen Wartungsverträgen an und zog dadurch zahlreiche Firmen auf seine Seite. 2007 hatte Oracle den Datendiebstahl öffentlich gemacht und SAP verklagt. Nach anfänglichen Dementis räumte SAP scheibchenweise unerlaubte Software-Downloads durch Tomorrow-Now-Mitarbeiter ein.

Von

rtr

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