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15.06.2013

11:04 Uhr

Spionageskandal um Prism

Tausende Facebook-Daten gingen an US-Behörden

Facebook hat erstmals Zahlen zum US-Spionage-Skandal veröffentlicht. Demnach fragten die Behörden die Daten von einigen tausenden Nutzern an. Unterdessen verteidigte Innenminister Friedrich das Vorgehen der NSA.

Das Soziale Netzwerk Facebook hat Zahlen dazu herausgegeben, wie oft US-Behörden im vergangenen Jahr Daten von Nutzern angefragt haben. dpa

Das Soziale Netzwerk Facebook hat Zahlen dazu herausgegeben, wie oft US-Behörden im vergangenen Jahr Daten von Nutzern angefragt haben.

Berlin/Menlo Park/München/WashingtonIm Skandal um US-Spionage im Internet hat Facebook erstmals Zahlen zu Anfragen amerikanischer Behörden nach Nutzer-Daten veröffentlicht. Demnach musste das weltgrößte Online-Netzwerk im zweiten Halbjahr 2012 zwischen 9000 und 10 000 solcher Anträge beantworten. Sie betrafen zwischen 18 000 und 19 000 Mitglieder-Profile, teilte Facebook in der Nacht zum Samstag mit.

In diesen Zahlen seien sowohl Anfragen regionaler Polizei als auch solche mit Bezug zur nationalen Sicherheit enthalten, betonte das Unternehmen. Bei den Anfragen ging es zum Beispiel um Fälle vermisster Kinder, gewöhnliche Kriminalfälle, aber auch um Terrordrohungen. Facebook entspricht den Behördenanfragen nach eigenen Angaben in 79 Prozent der Fälle.

Facebook schütze „aggressiv“ die Daten seiner Nutzer, versicherte jedoch der Firmenanwalt Ted Ullyot. Oft lehne der Konzern die Anfragen ab, fordere die Regierung auf, ihre Anforderungen herunterzuschrauben, oder gebe einfach weniger Daten als gefordert heraus. In jedem Fall gebe Facebook nur so viel heraus, wie es das Gesetz verlange. Facebook sieht sich scharfer Kritik ausgesetzt, seitdem bekannt wurde, dass der Konzern ebenso wie acht weitere Internetriesen Daten an den US-Geheimdienst NSA weitergab.

Ullyot sagte, Facebook habe die Informationen angesichts der Verwirrung und der „ungenauen Berichterstattung“ veröffentlichen wollen. Die Zahlen zeigten, dass nur der Bruchteil eines Prozents der 1,1 Milliarden Facebook-Nutzer von Regierungsanfragen betroffen seien.

Fragen und Antworten zu PRISM

Bekommen US-Geheimdienste Informationen von Internet-Unternehmen?

Ja, und das ist auch seit Jahren bekannt. Nach dem „Patriot Act“ können Behörden mit Gerichtsbeschluss Zugang zu Informationen bekommen. Das neue an den Berichten über ein Programm Namens „PRISM“ wäre der freie Zugang zu den Servern von Google, Facebook & Co. statt eines punktuellen Zugriffs. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmen weisen dies zurück. Laut US-Geheimdienstkoordinator James Clapper ist „PRISM“ nur ein internes Computersystem der Behörden.

Die US-Regierung betont, dass die Überwachung und die Verwendung der Daten strikt überwacht werden, von wem?

Die Abläufe bleiben komplett im geheimen Bereich. Die Geheimdienstanfragen nach Nutzerdaten müssen zwar von einem Gericht bewilligt werden - aber es ist ein speziell dafür geschaffenes Gericht mit elf Richtern. Die Anfragen sind so geheim, dass die Unternehmen selbst über ihre Existenz schweigen müssen.

Gibt es Anhaltspunkte dafür?

Die „New York Times“ zitierte am Wochenende einen Juristen „einer Technologiefirma“, der berichtete, wie die NSA einen Agenten ins Hauptquartier des Unternehmens abkommandiert habe, um den Verdächtigen in einem Cyberangriff zu überwachen. Der Agent habe von der Regierung entwickelte Software auf dem Server installiert und sei für mehrere Wochen geblieben, um Daten in ein Notebook der Agentur herunterzuladen. In anderen Fällen fordere die NSA Echtzeitdaten an, die dann digital übermittelt würden.

Könnte der Geheimdienst sehen, wie Ideen beim Tippen entstehen?

Das muss kein Widerspruch sein. Der amerikanische Journalist und Geheimdienstexperte Marc Armbinder beschreibt das Funktionieren des „PRISM“-Systems so: Zum Beispiel könnte Facebook die Anordnung bekommen, Informationen über alle Profile aus Abbottabad in Pakistan herauszurücken, angenommen, es gibt 50 davon. „Diese Accounts werden ständig aktualisiert. Also erstellt Facebook eine „Spiegel“-Version der Inhalte, zu der nur die NSA Zugang hat. Die ausgewählten Profile werden in Echtzeit sowohl auf dem Facebook-Server als auch auf dem gespiegelten Server aktualisiert. "PRISM" ist das Werkzeug, das das alles zusammenbringt.“

Könnte die NSA Daten auch ohne Kooperation bekommen?

Absolut. Und Zunger beschreibt eine Möglichkeit dafür: Sie könnten den Datenstrom bei den Anbietern von Internet-Zugängen abgreifen und Datenpakete mit Bezug zum Beispiel zu Facebook oder Google herausfiltern.

Wie glaubwürdig sind die Dementis der Internet-Konzerne?

Sie sind ähnlich formuliert und beziehen sich auf einen „direkten Zugriff“ auf Server der Unternehmen. Zugleich klingen einige davon auch sehr persönlich und aufrichtig. So versicherte der Chefentwickler des Online-Netzwerks Google+, Yonathan Zunger, er würde kündigen, wenn er davon Wind bekäme. Und er sei in einer Position bei Google, in der er eine so groß angelegte Spionageaktion eigentlich hätte mitkriegen müssen. Zunger ist offen in seiner „Abscheu“ für die NSA: „Wir haben nicht den Kalten Krieg geführt, damit wir die Stasi nachbauen können“.

Facebook hatte bisher im Gegensatz zu Google keine Zahlen zu Behörden-Anforderungen veröffentlicht – unter Hinweis darauf, dass manche Fälle so geheim seien, dass sie nicht einmal in die Statistik aufgenommen werden dürften. Vor einigen Tagen hatten Google, Facebook und Microsoft die Behörden aufgefordert, ihnen auch die Veröffentlichung Zahlen zu diesen Anfragen in die Transparenz-Statistik aufzunehmen. In Verhandlungen mit den US-Behörden haben die Konzerne am Freitag erreicht, dass sie zumindest grobe Informationen veröffentlichen dürfen.

Nach den jüngsten Enthüllungen über PRISM erlaubt dieses Programm Sicherheitsbehörden wie der NSA oder dem FBI allerdings den direkten Zugriff auf Daten der großen US-Internet-Konzerne. Die Behörden können damit Kommunikation im Internet mitverfolgen, unter anderem E-Mails, Video-Chats und Instant Messaging.

Der Computerexperte Edward Snowden hatte vergangene Woche den Zeitungen „Guardian“ und „Washington Post“ Dokumente zu dem geheimen Überwachungsprogramm Prism übermittelt, mit dem sich die NSA Zugang zu den Daten großer Internetkonzerne wie Facebook, Google, Microsoft, Apple, Yahoo und AOL verschafft. Die NSA kann so den Angaben zufolge das Kommunikationsverhalten von Netznutzern weltweit auswerten. Die betroffenen Unternehmen bestreiten aber, dass der Geheimdienst direkten Zugriff auf ihre Server hat.

Der „Guardian“ veröffentlichte außerdem einen geheimen Gerichtsbeschluss, der es der NSA erlaubt, im Anti-Terror-Kampf wahllos Daten über die Handyverbindungen von Millionen Menschen in den USA zu sammeln. Nach Angaben der NSA wurden durch das Programm „dutzende Terroranschläge“ verhindert, Details dazu nannte der Geheimdienst aber noch nicht. Facebook war nach eigenen Angaben der erste Konzern, der Informationen zu den Anfragen bekannt geben durfte, allerdings auf Drängen der Regierung nur in pauschaler Form.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

15.06.2013, 11:22 Uhr

wenn die NSA nicht auch fleißig spionage im wirtschafts bereich tätigen würde. Friedrich ist zu blauäugig.... die BRD wird genauso stark abgehört wie CHina.... dabei sind wir doch angeblich freunde......tolle wurst

mon_yburns@central.banktunnel.eu

15.06.2013, 11:25 Uhr

so erpressen scientology-artige-sekten/firmen:

google+/facebook -> IPv4 des Gateways tracken.

(reale user + ip + timestamp)

http://www.pc-magazin.de/ratgeber/youtube-sperre-gema-umgehen-1343989.html

dann werden realer user, timestamp und ip mit logs abgeglichen. fertig ist die totalüberwachung.

so kann ich dann sagen welche bücher sich $MarioDraghi$ oder $JosefAckermann$ ausgeleihen hat (www.leihbuecherei.tld), welche fersenhsendungen er (www.videothek.tld, www.gez.tld) gesehen hat, wie sein terminplan aussieht (www.poutloo-webv-access.tld) wo ich also leute vorgwegschicken muß um jemanden vor kritischen demonstranten abzuschirmen

ich weiß sogar für welche aktien er sich iteressiert hat

http://reuters-bloomberg.LOG

und so kenne ich die zinsentscheidung im voraus. weil ich wei welche daten/informationen der enstcheidung zugrunde leigen.

---

davon leben dienste wie fressebuch. vom ilelgalen zusammenführen von LOGdaten zum ausspionieren getrant als unfied logon

maximilian@baehring.at

15.06.2013, 11:36 Uhr

Meinen Logdaten nach habe ich gleich mehrere unter-schiedliche FOOTPRINTs im Netz hinterlassen. Einige als "honeypot"!

http://dynip.name/whois.susi18.org/

Wir iM bereich Human Resources sind darauf angewiesen daß die Leute sich bewerben können ohne das ihre bisherigen Arbeitgeber vom Wechselwillen erfahren. Das ist der Kern des Business. Sonst braucht man keine Personalberater als Vermittler.

http://de.wikipedia.org/wiki/Honeypot

https://de.wikipedia.org/wiki/Kuckucksei_%28Clifford_Stoll%29

So hab ich telekomiker beim traffic sniffen erwischt. und zwar vor den 9/11 Gesetzen.

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