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21.02.2013

14:58 Uhr

Springer, G+J, Zeit

„Big Player“ diskutieren über Zeitungskrise

Wird die klassische Zeitung aussterben? Wie sieht der Journalismus der Zukunft aus. Größen der Zeitungsbranche haben sich mit Kulturpolitikern des Bundestags getroffen, um über diese Fragen der Zeitungskrise zu reden.

Kostenlose Zeitungen bei der Bildungsmesse Didacta. Einige Größen der Zeitungsbranche treffen sich um über die Zukunft der Zeitung zu diskutieren. dpa

Kostenlose Zeitungen bei der Bildungsmesse Didacta. Einige Größen der Zeitungsbranche treffen sich um über die Zukunft der Zeitung zu diskutieren.

BerlinKrise ist Chefsache. Und so erschienen auch nur hochkarätige Vertreter, als der Kulturausschuss des Bundestags nach den Hiobsbotschaften aus deutschen Zeitungshäusern über die „Zukunft der Presse“ diskutieren wollte.

Der mächtige Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner war gekommen. Julia Jäkel vertrat den Vorstand von Europas größtem Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Ende vergangenen Jahres die renommierte „Financial Times Deutschland“ („FTD“) eingestellt hatte.

Und mit Rainer Esser, Ulrich Lingnau und Christian Nienhaus waren die Geschäftsführer von Zeitverlag, Chemnitzer Verlag und der WAZ Mediengruppe vertreten. „Fast eine Elefantenrunde“, befand der beigeladene Journalistikprofessor Stephan Weichert anerkennend.

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

„Sie machen sich zu Recht Sorge“, beschied Döpfner die Abgeordneten gleich zum Auftakt. Das Aus für die „FTD“, die Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“ und die erst vor wenigen Wochen verkündete Redaktionsschließung bei der „Westfälischen Rundschau“ sind nur die Spitze des Eisbergs. Generell haben die Zeitungen seit dem Siegeszug des Internets mit Anzeigenrückgang und Leserschwund zu kämpfen.

Zwar gibt es in Deutschland immer noch 360 Zeitungen. „Darum beneidet uns die Welt“, so Esser. Doch nach den Zahlen der Runde ist innerhalb der vergangenen zehn Jahre die Auflage drastisch von 22 auf nur mehr gut 18 Millionen Exemplare gesunken. Die Anzeigenerlöse, die früher Zweidrittel der Einnahmen ausmachten, tragen nur noch mit einem Viertel zum Ertrag bei.

Dennoch sprechen sich die Verlagsmanager unisono gegen direkte Hilfe vom Staat aus. „Subventionen machen faul und träge und lähmen den Wettbewerb“, warnte Esser. Und Julia Jäkel sagte: „Es wird bei uns keinen Qualitätsjournalismus geben ohne journalistische Unabhängigkeit. Und es wird journalistische Unabhängigkeit nicht geben, wenn wir keine wirtschaftliche Unabhängigkeit haben.“

Kommentare (2)

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freiexemplar

21.02.2013, 15:20 Uhr

die paywall,zahlschranke,döpfneremaut der WELT is ausgesetzt unter dem mäntelchen.

springerle mathias wird tach für tach bröseliger und der ehemalige globalrevolutionär und heutige herausgeber mit kneipen-jedoch ebenso ohne wirtschaftsverstand thomas schmid
is auf dem weg in die pxelige unsterblichkeit des ewigen schenkens

dankascheehna....

Account gelöscht!

21.02.2013, 15:33 Uhr

... warum sollte ich eine Zeitung kaufen ? Ich habe keine Antwort auf meine eigene Frage. Zeitungen sind nicht unabhängig, arbeiten kaum noch investigativ und sind immer bestrebt, seine Leser zu erziehen bzw. zu belehren. Die Zeitungskrise wird sich massiv verschärfen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Heute spricht keiner mehr von der FTD.

Gruß an die Elefantenrunde

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