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26.01.2006

16:54 Uhr

Springer-Übernahme

Letzte Instanz Glos?

VonH.-P. Siebenhaar

Der Axel Springer Verlag steht vor einer der wichtigsten Entscheidungen in der Unternehmensgeschichte. Beantragt Konzernchef Mathias Döpfner eine Ministererlaubnis, oder verzichtet er ganz auf den Einstieg ins Fernsehgeschäft?

BONN. In der Medienbranche werden bereits Wetten abgeschlossen, ob Europas größtem Zeitungshaus die geplante Übernahme von Pro Sieben Sat 1 doch noch gelingt. Döpfner hat mit seinem Vorstand noch keine Entscheidung gefällt, heißt es in Unternehmenskreisen. Erst einmal prüft der Berliner Verlag, welche Möglichkeiten nach dem Veto des Bundeskartellamts politisch und wirtschaftlich Sinn machen. Noch bevor überhaupt der Antrag auf eine Ministererlaubnis gestellt ist, bläst dem mächtigen Zeitungsriesen der politische Wind ins Gesicht.

An der Bonner Wettbewerbsbehörde hat sich Springer bereits die Zähne ausgebissen. Behördenchef Ulf Böge trat gestern zusammen mit seinem einflussreichen Medienexperten Klaus Paetow selbstbewusst in Bonn vor die Kameras, um sein Veto zu begründen. „Die vorläufige Einschätzung des Amtes vom November letzten Jahres, dass durch den Zusammenschluss marktbeherrschende Stellungen verstärkt würden, hat sich im Laufe des Verfahrens bestätigt“, teilte der Kartellamtschef umständlich mit. Nach seiner Einschätzung würde Springer durch die drei Mrd. Euro teure Übernahme der Sendergruppe (Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live) auf dem TV-Werbemarkt, dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen sowie dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen eine kartellrechtlich nicht genehmigungsfähige Marktmacht erhalten. In seiner Begründung des Vetos blieb sich Böge treu. Er kritisierte, dass es bei der Fernsehwerbung mit Pro Sieben Sat 1 und der RTL-Sendergruppe (RTL, Vox, Super RTL, N-TV, RTL 2, RTL Shop) schon heute ein „wettbewerbsloses Duopol“ gebe. Eine Fusion zwischen Springer und Pro Sieben Sat 1 hätte diese Marktsituation noch verschlechtert.

Um das Kartellamt doch noch zu überzeugen, hatte Springer in quasi letzter Minute angeboten, den Sender Pro Sieben aus der Sendergruppe herauszulösen. Ein Verkauf, so bot Konzernchef Döpfner an, sollte allerdings erst nach dem Kauf von Deutschlands größtem Fernsehkonzern über die Bühne gehen. Böge unterstrich gestern noch einmal seine kartellrechtlichen Bedenken. Es wären „zunächst auf unbestimmte Zeit kartellrechtlich unzulässige Marktstrukturen geschaffen worden“.

Springer hält trotz des Vetos aus Bonn an seinen Übernahmeplänen fest. Hinter den Kulissen baut Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer ihre Position aus, um auch nach einer Fusion den Konzern kontrollieren zu können. Die Verlegerwitwe hat gestern in der konzerneigenen Zeitung „Die Welt“ informiert, dass die Anteile der AS Publizistik von 50 Prozent künftig mit ihren persönlichen Anteilen von rund 9,8 Prozent der Friede Springer GmbH & Co. KG zusammengerechnet werden. Hintergründe der Konzentration der beiden Aktienpakete blieben gestern unklar. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass Friede Springer mit diesem Schritt sich bei einer eventuellen Kapitalerhöhung dauerhaft die Mehrheit bei dem Zeitungsriesen sichern will. Die AS Publizistik gehört Friede Springer allerdings nicht allein. Die Enkel des Konzerngründers Axel Cäsar Springer, Ariane Springer und Axel Sven Springer, sind jeweils mit fünf Prozent an der Zwischengesellschaft beteiligt. Das Verhältnis innerhalb der Familie gilt als ausgesprochen schwierig.

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