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13.01.2006

17:28 Uhr

Springer will verkaufen

Premiere umwirbt Pro Sieben

Kaum hatte Springer den Verkauf von Pro Sieben angeboten, klopfen täglich neue Investoren an die Hamburger Verlagstüre. Nun hat auch der größte deutsche Pay-TV-Sender Premiere Interesse angemeldet. Denn der Bezahlkanal braucht dringend ein frei empfangbares Gegenstück.

HB MÜNCHEN. „Grundsätzlich, zu vernünftigen Konditionen, könnte er sich das vorstellen“, sagte ein Premiere-Sprecher am Freitag unter Berufung auf Firmenchef Georg Kofler. Analysten rechnen Pro Sieben – dem profitabelsten Teil des Münchener Medienkonzerns – einen Milliardenwert zu. Nach Informationen des Handelsblatts sind auch der französische Fernsehkonzern TF1 und Finanzinvestoren interessiert. Eine Sprecherin von Pro Sieben Sat 1 lehnte eine Stellungnahme zu möglichen Käufern ab.

Premiere setzt stark auf Sport als Zugpferd für sein Geschäft und hatte im August 2005 in einem Rechtepaket für die Übertragung der Fußball-Champions-League erstmals auch Rechte für das frei empfangbare Fernsehen erworben. Nun muss Premiere entweder einen eigenen frei empfangbaren Fernsehsender aufbauen, kaufen oder mit einem etablierten Sender kooperieren. Bislang hatte Premiere eher eine Tendenz zum Aufbau eines eigenen Senders erkennen lassen. Im Bieterverfahren um die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga war Premiere unterlegen.

Springer war bei seinem Vorhaben einer Übernahme des größten deutschen TV-Konzerns Pro Sieben Sat 1 beim Bundeskartellamt und der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) auf Widerstand gestoßen. Die KEK hat die Fusion abgelehnt, doch kann diese Entscheidung von den Landesmedienanstalten mit Drei-Viertel-Mehrheit noch überstimmt werden.

Die Direktoren der Landesmedienanstalten erklärten am Freitag, ein Verkauf von Pro Sieben würde zu einer neuen Lage führen und eine Neubewertung der Übernahme nötig machen. Es gebe allerdings grundsätzlich Zweifel an der von der KEK angewandten Methode zur Berechnung einer vorherrschenden Meinungsmacht für den Fall einer Fusion, erklärten die Direktoren. Auch habe Springer Vorschläge gemacht, um die Meinungsvielfalt zu sichern und diese im Kartellverfahren modifiziert.

An der Börse gab der Kurs der Premiere-Aktie, die nach der Niederlage bei der Vergabe der Bundesliga-Rechte etwa 40 Prozent an Wert eingebüßt hatte, um 3 Prozent auf 13,80 Euro nach. Die Pro-Sieben-Sat-1-Aktie notierte mit 16,54 Euro unverändert.

Pro Sieben erzielt knapp die Hälfte der Erträge der gesamten TV-Gruppe und ist stark in den Konzernverbund eingebunden. So werden die Filmrechte von der Konzern-Holding und nicht von den einzelnen Sendern gehalten.

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