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11.10.2011

17:08 Uhr

Staatstrojaner

Digitask - Programmierer im Zwielicht

Der vom Chaos Computer Club analysierte Bundestrojaner stammt aus den Labors der hessischen Firma Digitask. Das Unternehmen steht massiv in der Kritik - und wehrt sich jetzt.

Hier geht es lang zu Digitask, der Firma, die den vom Chaos Computer Club (CCC) entschlüsselten Trojaner bayerischen Ermittlungsbehörden angeboten haben soll. dapd

Hier geht es lang zu Digitask, der Firma, die den vom Chaos Computer Club (CCC) entschlüsselten Trojaner bayerischen Ermittlungsbehörden angeboten haben soll.

Köln/BerlinDer Hersteller der in Bayern eingesetzten Spionagesoftware Digitask hat sein Schweigen gebrochen. Die Firma wies den Vorwurf zurück, bei der Entwicklung nachlässig gearbeitet zu haben. Das vom Chaos Computer Club (CCC) analysierte Programm stamme sehr wahrscheinlich von dem hessischen Unternehmen und sei im November 2008 geliefert worden, erklärte der Rechtsanwalt Winfried Seibert in Köln, der Digitask vertritt. „Zu der damaligen Zeit war die Software auf dem Stand der Technik.“ Die Experten des CCC hatten die Überwachungssoftware als dilettantisch bezeichnet. In seiner Analyse stellte der CCC unter anderem fest, dass die eingesetzte AES-Verschlüsselung falsch umgesetzt wurde, sodass Kommunikation mit dem Trojaner von jedem abgehört werden konnte, der dem Programm habhaft wurde.

Seibert stritt auch ab, dass die Software ein Hintertürchen im Computer der überwachten Person öffnet, durch das Dritte eindringen könnten. Bei der Auslieferung des Trojaners an den Auftraggeber sei das nicht der Fall gewesen.

Der vom CCC analysierte Trojaner eignete sich nur, um Rechner mit Windows zu überwachen. Grundsätzlich sei Digitask jedoch in der Lage, Software für andere Betriebssysteme zu liefern - wenn ein entsprechender Auftrag vorliege.

Zu den Digitask-Kunden wollte sich Seibert nicht äußern. Eine Reihe von öffentlichen Auftraggebern ist allerdings in einer Datenbank der Europäischen Union verzeichnet, darunter das Zollkriminalamt und das Bayerische Landeskriminalamt (LKA).

Digitask ist in der deutschen Sicherheitsszene kein Unbekannter. Seit Jahren gilt der Softwareentwickler als erste Adresse und Lieferant von Abhörtechnik für Telefon, Handys und SMS im Auftrag von Polizei und Behörden. Auch in Deutschland hat sich das Unternehmen zum Platzhirsch im Markt für Abhör-Lösungen entwickelt. Eine einfache Google-Recherche ergibt, in welch großem Umfang die Firma Behörden und Länder mit Software belieferte.

Schon in der Vergangenheit waren Digitask und das damit in Zusammenhang stehende Unternehmen Reuter electronic in umstrittene Abhörmaßnahmen verwickelt. So hatte die „Wirtschaftswoche“ 2008 einen Abhörskandal der Deutschen Telekom aus den Neunziger Jahren aufgedeckt.

Kommentare (7)

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lowabras

11.10.2011, 17:00 Uhr

Branchenspott ist, glaube ich, nicht angesagt.
Ich bin zwar gegen jegliche Art der Bürgerüberwachung, aber diese Firma tut nur das zu was sie gegründet wurde, nämlich Geld zu verdienen und Arbeitsplätze schaffen!
Diese Spott ist kein Spott, sondern Neid! Jedes andere IT Unternehmen würde mit Handkuss solche lukrativen Aufträge ennehmen, die die Verwaltungen zu vergeben haben, zumal die Qualitätssicherung bei solchen Projekte keine Rolle spielt, weil sie gar nicht kontrolliert wird, ja nicht kontrolliert werden kann von den Auftraggebern.
Sicher ist hier nur Eins, das ist die hervorragende Vergütung solcher Projekte!
Das löst natürlich den den Deutschen angebohrenen unendlichen Neid aus!
Haltet Euch also zurück mit voreiligen Schlüssen.
Das sagt jemand der seit 1965 in der IT Branche tätig ist.

CEFA

11.10.2011, 18:03 Uhr

Sorry Kollege,
ich bin erst seit den 90er dabei aber nehmen Sie sich mal 5Minuten Zeit und schauen Sie sich den Witz von Programm an, Links zum Code sind am besten über die CCC Seiten zu finden.

Das mit dem Neid in D, ja okay kommt oft vor aber hier haben sich nur zwei bis auf die Knochen blamiert.

Der Lieferant als tut mir leid Stümper vor dem Herrn
und der Käufer als offensichtlich größter Trottel aller Kunden.

Was habe ich heute gelesen: Der bayrische Staat hätte für das Gehalt seiner Experten mal besser griechische Anleihen gekauft.

lowabras

11.10.2011, 18:22 Uhr

Bei der Kritik der Branche geht es doch nicht um Code, sondern um den pauschalen Spott und dies wiederum ist ausschließlich auf Neid zurückzuführen.
Diese Firma hat offensichtlich überwiegend für öffentliche Auftragnehmer und dort für Bereiche (Geheimdienste etc.) gearbeitet, bei denen Geld noch nie eine Rolle gespielt hat. Da entsteht nun mal eine Mentalität, die übrigens weit verbreitet ist des MiniMax, also Mini Leistung zu maximalen Preis!
Wenn jemand weiß, dass seine Arbeit vom Auftragnehmer nicht kontrolliert werden kann und auch keine Ansatlten gemacht sind diese kontrollieren zu wollen, dann sind solche Ergebnisse nicht die Ausnahme, sondern die Regel!
Es widerstrebt mir Erbsen zu zählen, dafür gibt's Spezialisten, es geht ums Prinzip und da liege ich richtig!

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