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27.01.2010

22:01 Uhr

Stagnation

Osteuropa bietet Mobilfunkern kaum noch Wachstum

VonSandra Louven, Stefan Menzel

Wirtschaftskrise und Marktsättigung setzen der einstigen Boomregion zu. Am stärksten trifft das die Deutsche Telekom und Telekom Austria. Dabei braucht gerade die Deutsche Telekom angesichts eines stagnierenden Heimatmarktes und großer Probleme in den USA stärker denn je einen florierenden Osten.

Besserung ist für die Telekom nicht in Sicht: Das Wachstum in den osteuropäischen Mobilfunkmärkten ist ausgeschöpft. ap

Besserung ist für die Telekom nicht in Sicht: Das Wachstum in den osteuropäischen Mobilfunkmärkten ist ausgeschöpft.

DÜSSELDORF, WIEN. Osteuropa galt in der Telekombranche lange als Wachstumshoffnung. Länder wie Rumänien, Bulgarien und Polen hatten großen Nachholbedarf bei Mobilfunkverträgen und Internetanschlüssen. Gleichzeitig war dort das politische und wirtschaftliche Risiko geringer als in vielen Nationen Afrikas oder Asiens, die ebenfalls Telekomanbieter anzogen. Inzwischen hat der Osten seine Attraktivität jedoch verloren. Das liegt nicht nur an der Wirtschaftskrise, sondern hat vor allem strukturelle Gründe: Die Märkte sind schlicht gesättigt.

Bitter ist das vor allem für zwei Unternehmen, die mehr als andere auf diese Region gesetzt haben: Die Deutsche Telekom und ihr kleiner Konkurrent Telekom Austria. Die Deutschen sind fast in allen osteuropäischen Ländern mit Töchtern im Mobilfunk- Festnetz oder beidem vertreten. Die Region ist für Europas größten Telekomnetzbetreiber außer dem US-Markt der Schwerpunkt seines Auslandsgeschäfts. Er erzielt knapp 18 Prozents seines Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Osten.

Die Österreicher sind in weniger Märkten vertreten, weil sie als kleineres Unternehmen nicht die Finanzkraft des viel größeren Konkurrenten aus Bonn haben. Wegen alter historischer Bindungen ist die Telekom Austria vor allem in Ex-Jugoslawien engagiert und dort mit ihren Konzerntöchtern vertreten. Die erste größere Quittung für das starke Osteuropa-Geschäft bekam der Wiener Konzern Ende vergangenen Jahres. Noch kurz vor Weihnachten musste Konzernchef Hannes Ametsreiter Umsatz- und Gewinnprognose senken. Schon zur Jahresmitte hatte die Telekom Austria einen Teil der Firmenwerte ihrer Osteuropa-Töchter abschreiben müssen.

Das Geschäft in der Region ist für die Telekom Austria vergleichsweise wichtig. Ungefähr ein Drittel von Umsatz und Ertrag kommen aus der Region. Die Margen dort sind immer noch extrem hoch und haben in den vergangenen Jahren dabei geholfen, die Schwächen im Inlandsgeschäft wie etwa beim Festnetz auszugleichen. Bernd Maurer, Analyst bei der Raiffeisen-Bankengruppe in Wien, schätzt die operative Rendite (bezogen auf das Ebitda) im Osteuropa-Geschäft immer noch auf etwa 50 Prozent. "Das Problem ist nur, dass diese Marge immer kleiner wird, von Jahr zu Jahr", sagt er.

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