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30.01.2014

13:06 Uhr

Stagnierender Umsatz

Ericsson kommt nicht von der Stelle

Service sollte bei Telekommunikations-Ausrüstern einer der stärksten Bereiche sein, das alltagsnahe Geschäft erfordert gute Kundenkommunikation. Bei Ericsson schwächelt die Dienstleistung – ein Problem für die Schweden.

Das zurückliegende Jahr war zwar erfolgreicher als 2012 – doch Grund zur Freude hat Ericsson- CEO Hans Vestberg, nicht. ap

Das zurückliegende Jahr war zwar erfolgreicher als 2012 – doch Grund zur Freude hat Ericsson- CEO Hans Vestberg, nicht.

StockholmDer schwedische Telekomausrüster Ericsson ist im vierten Quartal 2013 wegen der schwachen Dienstleistungssparte beim Umsatz kaum vorangekommen. Der Erlös lag mit 67 Milliarden schwedischen Kronen (7,58 Mrd Euro) nur geringfügig über dem Vorjahreswert, wie der Nokia-Konkurrent am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten mit mehr gerechnet.

Unterm Strich erzielte Ericsson mit 6,4 Milliarden Kronen wieder einen Gewinn. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 6,3 Milliarden Kronen verzeichnet.

Beim Umsatz schnitt die Netzwerksparte trotz eines Rückgangs um ein Prozent auf 34,8 Milliarden Kronen etwas besser ab als erwartet. Der Bereich sei von einem Erlösrückgang in Nordamerika und Japan gebremst worden. Infrastrukturprojekte in Russland und China hätten dies nicht ganz ausgleichen können. Zugleich sieht Ericsson noch große Chancen für die kommenden Jahre mit dem Ausbau von Netzen des superschnellen Datenfunks LTE. Das Dienstleistungsgeschäft enttäuschte mit einem Rückgang von drei Prozent auf 27,2 Milliarden Kronen.

Der weltweite Ausbau der mobilen Daten-Netze bringt Netzwerk-Ausrüstern zwar Hoffnung auf neues Geschäft. Doch etablierte Player wie Ericsson, Alcatel-Lucent oder NSN aus dem Nokia-Konzern bekommen immer mehr Konkurrenz von neuen Anbietern wie die chinesischen Konzerne Huawei und ZTE. Ericsson und Huawei liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des Marktführers.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Von

dpa

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