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12.06.2014

15:35 Uhr

Start-up Mesosphere

Der deutsche Twitter-Retter im Silicon Valley

VonChristof Kerkmann

Florian Leibert hat im Silicon Valley Millionen für seine Software-Firma eingesammelt. Er sucht auch in Deutschland nach Mitstreitern – die IT-Kräfte seien weniger umkämpft. Aber die Konto-Eröffnung war die Hölle.

Florian Leibert kommt aus Schweinfurt und hat an der Internationalen Uni Bruchsal studiert. Als Austauschschüler war er zwei Jahre in den USA. privat

Florian Leibert kommt aus Schweinfurt und hat an der Internationalen Uni Bruchsal studiert. Als Austauschschüler war er zwei Jahre in den USA.

DüsseldorfAls der Name Twitter 2008 die Runde machte, war nur wenigen klar, wie schlecht es um das Start-up-Unternehmen und seinen Kurznachrichtendienst stand. Während Musiker wie die Band Blink 182 und der Rapper MC Hammer in der Zentrale in San Francisco vorbeischauten und ein gewisser Senator namens Barack Obama die 140-Zeichen-Nachrichten für seinen Wahlkampf nutzte, kämpften die Programmierer der Firma mit der Technik.

Das Bild vom „Fail Whale“, dem Symbol für den Ausfall des Dienstes, kam beinahe stündlich zum Einsatz. Schlimmer noch: Eine Sicherheitskopie der Daten gab es nicht, wie Nick Bilton in seinem Buch über das Unternehmen zu berichten weiß.

Der Wal des Scheiterns: Twitters „Fail Whale“ erschien Nutzern, wenn die Server in den Knien waren.

Der Wal des Scheiterns: Twitters „Fail Whale“ erschien Nutzern, wenn die Server in den Knien waren.

Dass Twitter heute noch existiert und sogar an der Börse ist, hat das Unternehmen auch einem Deutschen zu verdanken: Florian Leibert. Er half 2009 tatkräftig bei der Einführung eines Systems namens Mesos, mit dem der Kurznachrichtendienst seine gravierenden Server-Probleme in den Griff bekam und so die Grundlage für das heutige Geschäft legte.

Nun tritt Leibert an, anderen Firmen ähnliche Dramen zu ersparen: Seine Firma Mesosphere vermarktet die Software, die früher Twitter half. Diese Woche hat sie 10,5 Millionen Dollar von namhaften Investment-Fonds erhalten, darunter die Silicon-Valley-Legende Andreessen Horowitz, die auch Facebook, Airbnb und Twitter Starthilfe gab. Leibert und seine Mitstreiter könnten damit die Infrastruktur liefern, mit der die nächste Generation Start-ups das Internet verändert.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Die Software löst ein Problem, dass heutzutage jeder Online-Dienst hat: Wie lassen sich die vielen Server steuern, die die Daten der Nutzer verarbeiten, speichern und wieder in Echtzeit ausliefern? Mesos ist eine Art Betriebssystem für Rechenzentren.

Wie Windows die Rechenkerne des Prozessors und den Speicher koordiniert, managt es die Server, ohne dass der System-Administrator viel tun müsste. „Diese Technologie macht die Skalierung besonders einfach“, sagt Leibert in Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wenn man sie einsetzt, muss man nicht mehr über einzelne Server nachdenken.“ Ein komplexes System ist damit einfach zu bedienen.

Benjamin Hindman, ein Freund von Leibert, entwickelte Mesos als Teil seiner Doktorarbeit. Das Vorbild war Google, das mit einer selbst programmierten Software seine riesigen Rechenzentren verwaltet. „Ich habe die Technologie dann bei Twitter untergebracht“, erzählt Leibert.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

12.06.2014, 16:50 Uhr

Das solche klugen Köpfe irgendwann entnervt Deutschland den Rücken kehren, kann man ihnen nicht verübeln.

Hier sitzen Leute in Behörden, denen schon morgens wichtig ist, was es mittags als Kantinenfraß gibt und wann sie am besten Feierabend machen können.

Der Gipfel, wenn sich dann solche Typen (dank üppiger Freizeit) noch in Parteien wie den Grünen engagieren und tumbes Zeug in die Welt posaunen.

Ich könnte auch ein paar Storys über Behörden Menschen erzählen, da ich beruflich mit Ihnen zu tun habe.

Beispiel gefällig?

Gemeinde Fuldabrück Bergshausen.

Ein Anruf: Könnte ich bitte mit Abteilung .... sprechen?

Der Typ am anderen Ende der Leitung: Ja, ich hab' aber grad Mittag".

Und das war der Typ in der Telefonzentrale. Das diese Type mit ihrer Arbeit eine Behörde repräsentiert, ist dieser Pfeife nicht bewusst.

Wer in der freien Wirtschaft sich Kunden gegenüber verhält, wie so manch Behördenheini, der wäre schon längst pleite.

Es ist tatsächlich wahr, Leute auf Behörden sind Menschen, die teilweise noch nie im Leben gestanden haben.

Und auf Fuldabrück bezogen, dass war nicht der einzige Klopper dieser Gemeinde.

Account gelöscht!

12.06.2014, 17:08 Uhr

Ich glaube das allgemeine Hauptproblem in D ist meistens das die wenigsten Menschen in ihrem Leben Unternehmer sind oder waren; es die meisten gar nicht wissen wie es ist eine Firma aus dem Nichts zu schaffen; und damit auch noch zu überleben. Und all die Probleme die man sich damit aufhalst.

Behördenmitarbeiter werden im Laufe der Jahre einfach so wie sie sind: Dienst nach Vorschrift; Dienstanweisung ist "bescheuert"? Na und; ist eine Dienstanweisung. Also abarbeiten. Ähnlich geht es in Banken zu. Sie wollen auch gerne ihren Kunden wenn´s mal nicht so rund läuft "was erzählen"; wie führen die meisten Banken ihre Geschäfte? Wissen wir alle...da können wir bei Institut A anfangen und Z aufhören.

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