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08.02.2017

07:36 Uhr

Start-up wagt den ersten Zukauf

Warum Shore ein Einhorn werden will

VonAxel Höpner

Shore ist eines der am schnellsten wachsenden IT-Start-ups in Deutschland und verdreifacht jedes Jahr den Umsatz. Nun steht für die junge Firma aus München der nächste Schritt an: Die erste Übernahme.

Terminplanung, Kundenkontakt, Personallisten: Die Software von Shore soll Handwerkern, Friseuren und Ärzten das Leben leichter machen. dpa

Betriebssystem für Friseure

Terminplanung, Kundenkontakt, Personallisten: Die Software von Shore soll Handwerkern, Friseuren und Ärzten das Leben leichter machen.

MünchenDer Software-Spezialist Shore hat Chancen, zu einem der wenigen „Einhörner“ in Deutschland zu werden. „Unicorns“ werden auf englisch Start-ups genannt, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. Das Münchener Unternehmen, das eine Art digitales Betriebssystem für lokale Dienstleister wie Friseure und Ärzte anbietet, verdreifacht den Umsatz jedes Jahr und hat renommierte Investoren an Bord. Mit der Übernahme eines anderen Start-ups macht Shore nun den nächsten Schritt.

Dazu kauft Shore absence.io. Das deutlich kleinere Start-up hat seinen Sitz ebenfalls in München und soll schon bald in die Shore-Zentrale in der Nähe des Löwenbräukellers am Stiglmaierplatz umziehen. „Das ist unsere erste klassische Akquisition“, sagte Shore-Gründer Philip Magoulas dem Handelsblatt. Doch er gibt sich zuverlässig: „Das ist vor allem eine Informatikergruppe und schnell für uns zu integrieren.“

Shore gehört zu den am schnellsten wachsenden Digitalstart-ups in Deutschland. In mehreren Finanzierungsrunden wurden 25 Millionen Euro eingesammelt, zu den Investoren gehören die Funke-Mediengruppe, Senovo, Metro, Otto und die Zalando-Gründer. Im vergangenen Jahr wurde der Umsatz auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag verdreifacht. Shore will dieses Tempo beibehalten. „Wir gehen nicht vom Gaspedal, wir sehen keine Grenzen für das Wachstum“, sagt Magoulas.

Die neuen Gründer – Shore: Waschen, schneiden, planen

Die neuen Gründer – Shore

Premium Waschen, schneiden, planen

Kleine Betriebe wie Friseursalons tun sich mit der Digitalisierung schwer. Die zu mietende Software des Start-ups Shore will ihnen die Arbeit erleichtern – mit einer Mischung aus SAP und Facebook. Die Nachfrage ist groß.

Mit der Software von Shore können zum Beispiel Dienstpläne erstellt und der Betrieb organisiert werden. So können Kunden etwa beim Friseur online einen Termin machen. Der Dienstleister wiederum kann seinen Kunden eine Nachricht schicken, ob es nicht mal wieder Zeit für einen Haarschnitt ist, und mit der Software den Personaleinsatz planen.

Mit absence.io kommt nun ein Software-Spezialist für das sogenannte Abwesenheits-Management bei kleinen und mittelständischen Unternehmen hinzu. Mit einem Tool können Urlaube oder Krankheitstage geplant oder dokumentiert werden. Zu den Kunden gehören unter anderem Check24 und der Maschinenbauverband VDMA.

Shore verspricht sich verschiedene Synergien. Zum einen wächst die Kundenbasis: Den Nutzern von absence.io können nun auch Shore-Funktionen verkauft werden und umgekehrt. Zum anderen können beide Produkte auch kombiniert werden. Absence.io könne „bei der Gewinnung von neuen Kunden das Einstiegsprodukt zum Kennenlernen“ sein, drückt es Magoulas aus.

Shore wurde 2012 gegründet und hat inzwischen mehr als 200 Mitarbeiter. Magoulas hatte früher bei Boston Consulting gearbeitet und gehörte zu den ersten zehn Mitarbeitern von Zalando. Sein Partner Alexander Henn war Seriengründer und hatte unter anderem Boerseninvestor.de, den Onlineshop Libute.de und den Inkubator Xantera AG gegründet. Er kann sich aber vorstellen, bei Shore sesshaft zu werden. „Das ist das erste große Thema, an das ich langfristig glaube.“

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Durch absence.io soll die Dynamik nun noch verstärkt werden. Shore hatte die Software selbst im eigenen Haus im Einsatz. Auf einer App auf dem Handy können die Beschäftigten damit zum Beispiel sehen, ob ein Kollege gerade im Urlaub oder im Dienst ist. „Alle Mitarbeiter waren glücklich“, sagt Magoulas. Das kleine Start-up hat vor allem kleine und mittelständische Kunden. Viele von ihnen führten die Urlaubslisten bislang in einer Excel-Tabelle, auf die nicht alle Mitarbeiter Zugriff haben. „Shore ist deutlich größer und wir können von der Vertriebskraft profitieren“, ist absence.io-Gründer Nikbin Rohany überzeugt. Er will als Geschäftsführer an Bord bleiben.

Für Shore soll es nicht die letzte Akquisition bleiben. „Wir halten die Augen weiter offen“, sagt Magoulas.

Kommentare (1)

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Herr Patrick Müller

08.02.2017, 15:47 Uhr

Wenn selbst ein wilder Serienunternehmer gezähmt werden kann, dann muss ein einhorn werden!

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