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27.10.2011

14:49 Uhr

Steve Jobs

Hommage an eine Legende des digitalen Zeitalters

Seit heute liegt die Biografie von Steve Jobs in den Buchläden. Autor Walter Isaacson hat sich tief in die Psyche des Managers gegraben - und zeichnet das Bild eines schwierigen Genies mit komplexer Persönlichkeit.

Leser mit Jobs-Biografie: Verkaufsstart mit hoher Auflage. Reuters

Leser mit Jobs-Biografie: Verkaufsstart mit hoher Auflage.

MünchenDie autorisierte Biografie von Apple-Gründer Steve Jobs erscheint an diesem Donnerstag mit einer hohen Auflage. 250 000 Exemplare des Buches sollen auf den Markt kommen, wie der Verlag C. Bertelsmann mitteilte. Es ist nach Verlagsangaben die einzige von Jobs selbst initiierte Biografie. Im Frühjahr 2004 habe Jobs ihn angerufen und ihn gebeten, das Buch zu schreiben, sagt Autor Walter Isaacson.

Er hat für das Buch innerhalb von zwei Jahren mehr als 40 Gespräche mit dem am 5. Oktober verstorbenen Jobs geführt. Auf fast 700 Seiten zeichnet er ein Bild von ihm als schwieriges Genie mit einer komplexen Persönlichkeit - und gibt erstaunlich viele Details aus Jobs' Privatleben preis. „Dies ist ein Buch über das schwindelerregende Leben und die unglaublich intensive Persönlichkeit eines kreativen Unternehmers“, schreibt Isaacson.

Der Autor, der schon viel beachtete Biografien über Albert Einstein und Benjamin Franklin geschrieben hat, setzt Jobs in eine Reihe mit Thomas Edison und Henry Ford, den amerikanischen Erfinder- und Industrietitanen, und kann sich damit letztlich wohl nicht ganz dem Charisma des Steve Jobs entziehen, dem das sagenumwobene „reality distortion field“ zugeschrieben wird. Alle Lebewesen, die in den Bann dieses „Realitätskrümmungsfeldes“ gelangen, sind restlos und immer davon überzeugt, dass nur einer recht hat – Jobs.

Die Biografie ist gleichzeitig eine Hommage an das Silicon Valley, wo der amerikanische Traum noch Bestand hat. Junge Menschen mit auf den ersten Blick unrealistischen Ideen bauen aus der Garage der Eltern heraus Weltimperien auf. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in eine Zeit, als Computer noch große Kästen voll mit Elektronik waren und nur von Spezialisten bedient werden konnten.

Steve Jobs - Stationen seines Lebens

Der Visionär

56 Jahre alt ist Steve Jobs geworden, dann starb der Apple-Gründer im Kreise seiner Familie. Ein Überblick über wichtige Stationen im Leben und in der beruflichen Laufbahn des Computer-Visionärs.

Kindheit und Jugend

Stephen Paul Jobs kommt am 24. Februar 1955 zur Welt. Seine leiblichen Eltern geben ihn zur Adoption frei, Paul und Clara Jobs nehmen ihn auf - er ist Automechaniker, sie ist Büroangestellte. 1972 schreibt sich Steve im Reed College in Portland im US-Staat Oregon ein, er bricht das Studium aber nach einem Semester ab. Er experimentiert mit Drogen und beschäftigt sich mit dem Hinduismus. 1974 nimmt er einen Job beim Videospiele-Hersteller Atari an und besucht zusammen mit seinem einige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

1974: Der erste Job

Jobs arbeitet für den Videospiele-Hersteller Atari und besucht zusammen mit seinem wenige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

Von der Garage an die Börse

Kein Scherz: Jobs und sein Kumpel Steve Wozniak gründeten die Firma Apple Computer am 1. April 1976. Der dritte, heute fast vergessene Gründer war Ron Wayne. In einer Garage im Silicon Valley bauten die beiden den Prototypen des Apple I, der im Sommer für einen Preis von 666,66 Dollar auf den Markt kommt. 1977 stellt das Unternehmen den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt den Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar. 1980 geht Apple an die Börse, Jobs wird zum Multimillionär. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar. Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt 1978 die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

1977: Apple wird AG

Apple wird als Aktiengesellschaft eingetragen und stellt den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt dem jungen Unternehmenden Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar.

1978: Das erste Kind

Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

1980: Der IPO

Apple geht an die Börse. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar.

Jobs gibt die Kontrolle ab

Mit dem Börsengang geben die Gründer die Mehrheit ab. Ein erfahrener Manager soll an die Unternehmensspitze - Jobs wirbt 1983 für den Posten des Apple-CEO John Sculley von Pepsico ab. Apple entwickelt den Computer Lisa, der aber zum Misserfolg wird und nach zwei Jahren wieder vom Markt verschwindet. Anfang 1984 kommt der erste Mac auf den Markt, den ein Team um Steve Jobs entwickelt hat. Vermarktet wird der Rechner mit einem mittlerweile berühmten Werbespot von Regisseur Ridley Scott. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

1984: Der Mac

Der Macintosh Computer kommt auf den Markt. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

Jobs ohne Apple: Next und Pixar

Im Herbst 1985 verlässt Jobs mit einigen Vertrauten Apple und gründet Next. Das Unternehmen entwickelt hochwertige, teure Computer, die sich schlecht verkauften. 1993 stellt Next die Hardware-Produktion ein und konzentriert sich auf Software. Mehr Erfolg hat Jobs mit dem Trickfilmstudio Pixar, das er für zehn Millionen Dollar kauft. Die Firma bringt 1995 „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Bald danach geht die Firma an die Börse. 2006 verkauft wird Pixar für 7,4 Milliarden Dollar an Disney verkauft. Jobs wird größter Einzelaktionär des Unterhaltungsriesen. 1991 heiratet er Laurene Powell, mit der er drei Kinder bekommt.

Apple ohne Jobs: Krisenzeiten

Apple und IBM gehen 1991 eine Kooperation zur Entwicklung neuer Microprozessoren und Software ein. Apple stellt das PowerBook vor, das einigen Erfolg hat. 1993 stellt das Unternehmen den Newton vor, einen tragbaren Computer. 1995 kommen die ersten Mac-Klone anderer Anbieter heraus. Unter dem Druck der Windows-Konkurrenz rutscht Apple in die roten Zahlen, schließlich wird CEO Sculley im Februar 1996 vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

1993: Apple in Not

Apple stellt den Newton vor, einen tragbaren Computer. Das Unternehmen rutscht in die roten Zahlen, und CEO Sculley wird vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

1995: Erfolge mit Pixar

Die ersten Mac-Klone gehen in den Handel. Microsoft gibt Windows 95 heraus. Apple steht unter starkem Druck der Konkurrenz. Pixar bringt „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Pixar geht an die Börse.

Die Rettung von Apple

Apple braucht 1996 dringend ein neues Betriebssystem und kauft Jobs' Unternehmen Next für 430 Millionen Dollar. Ein Jahr später kehrt Steve Jobs zu Apple als Berater und bald als De-Facto-Chef zurück - er nennt sich iCEO: Interimschef. Jobs krempelt das Management des fast insolventen Unternehmens um und räumt die Produktpalette auf, die Mac-Klone werden eingestellt. 1998 kehrt Apple in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO.

1998: Wieder Gewinn

Apple kehrt in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO von Apple.

iPod, iPhone, iPad

In wenigen Jahren krempelt Apple mehrere Branchen um. 2001 kommt der iPod heraus, zwei Jahre später geht die Musik-Plattform iTunes wird mit 200.000 Songs für jeweils 99 Cent online. In der ersten Woche werden eine Million Songs verkauft. 2007 folgt das iPhone, das den Handymarkt revolutioniert. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben. 2010 kommt das iPad heraus - es wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

2006: Verkauf von Pixar

Verkauf von Pixar an Disney für 7,4 Milliarden Dollar. Jobs wird Disneys größter Einzelaktionär.

2007: Das iPhone

Das iPhone kommt auf den Markt. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben.

Zweifel an Jobs' Gesundheit

Im Herbst 2003 erfährt Jobs, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Mehrere Monate versucht er, die Erkrankung ohne die Methoden der Schulmedizin zu bekämpfen. Erst 2004 unterzieht er sich einer Operation. Die Sorge um Jobs' Gesundheit bleibt und bewegt sogar den Aktienkurs von Apple. 2009 erklärt der CEO seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

2009: Lebertransplantation

Jobs erklärt seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

2010: Das iPad

Das iPad wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

Abschied in Raten

Im Januar 2011 kündigt Jobs einen befristeten Ausstieg aus dem Tagesgeschäft aus gesundheitlichen Gründen an, hält aber an seinem Amt als CEO fest und stellt fest, dass er an strategischen Entscheidungen weiterhin beteiligt ist. Im August veröffentlicht Apple eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt. Am 5. Oktober 2011 stirbt der Apple-Gründer.

24. August 2011: Rücktritt als CEO

Apple veröffentlicht eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt.

6. Oktober 2011:

Apple verkündet den Tod von Steve Jobs.

Viele Szenen und Anekdoten sind zumindest den technisch interessierten Lesern bekannt – der Jugendstreich der „Blue Box“, mit der man sich kostenlos Telefongespräche erschleichen konnte, die erste Zeit beim Spielehersteller Atari, wo Jobs die Nachtschicht übernehmen musste, weil andere Angestellte seinen Körpergeruch nicht ertragen konnten. Dann die Gründung von Apple, erste Erfolge und Niederlagen, sein Rauswurf, die Gründung von Next und der Kauf des Animationsfilmstudios Pixar, der der eigentliche Grundstein seines Vermögens werden sollte.

Ausführlich widmet sich Isaacson dem zweiten Aufstieg von Jobs bei Apple, beschreibt seine unnachahmliche Art, jeden Produktlaunch wie das Hochamt der High-Tech-Industrie zu zelebrieren. Das Kapitel, in dem er sich detailliert und einfühlsam mit dem aussichtslosen Kampf gegen den zurückkehrenden Krebs befasst, zeigt deutlich, wie nah der Journalist Isaacson dem Objekt seines Buchs zum Schuss gekommen sein muss.

Das Buch huldigt einem der wohl größten Visionäre unserer Zeit. Er hat mit seinen Produkten ganze Industrien verändert. Seinen Fokus auf Einfachheit und Funktionalität führt er nicht zuletzt auf sein Studium des Zen während seiner Zeit in Indien zurück, auf Konzentration auf das Wesentliche, das Hier und Jetzt und Meditation.

Eine ausführliche Rezension lesen Sie morgen auf den Literaturseiten des Handelsblatt.

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