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04.09.2013

12:24 Uhr

Stiftung kauft Vorzugsaktien

KPN wehrt Übernahme durch Slim vorerst ab

Der Telekomkonzern KPN wehrt sich gegen eine Übernahme durch den reichsten Mann der Welt. Die KPN-Stiftung kauft massiv Vorzugsaktien. Der Anteil von Carlos Slims Unternehmen America Movil schrumpft.

Carlos Slims Übernahme von KPN ist vorerst gescheitert. Die KPN-Stiftung konnte dies durch den Zukauf von Vorzugsaktien verhindern. Reuters

Carlos Slims Übernahme von KPN ist vorerst gescheitert. Die KPN-Stiftung konnte dies durch den Zukauf von Vorzugsaktien verhindern.

Den HaagDer niederländische Telekomkonzern KPN hat den Übernahme-Ansturm des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim vorerst abgewehrt. Nachdem die KPN-Stiftung massiv Vorzugsaktien gekauft hatte, schrumpfte der KPN-Anteil des von Slim kontrollierten Unternehmens America Movil auf 14,86 Prozent. Das geht aus einer Mitteilung an die niederländische Börsenaufsicht hervor. Zuvor hielt America Movil knapp 30 Prozent an KPN.

Von dem Gerangel ist auch der deutsche Mobilfunkmarkt betroffen. Erst vor wenigen Tagen hatte Slim seinen Widerstand gegen den Verkauf der KPN-Tochter E-Plus an Telefonica-Deutschland (O2) aufgegeben. Zuvor hatte deren Mutter, der spanische Telefonica-Konzern, ihr Angebot nachgebessert.

Milliardäre: Wer ist Carlos Slim?

Reichster Mann

Forbes taxiert sein Vermögen auf 69 Milliarden Dollar, Bloomberg schätzt es Ende 2012 auf 75 Milliarden Dollar.

Lebensstil

Slim gilt nicht als extravagant. Er trägt Anzüge von der Stange, am liebsten aus seinen Kaufhäusern. Er soll nicht mal einen Computer haben. Lieber schreibt er in schwarze Notizbücher.

Grundsätze

Zwei Grundsätze hat er von seinem Vater übernommen: "Geld, das das Unternehmen verlässt, verdunstet." Und: „Die Familie ist das Wichtigste.“

Holding

Seine Holding nennt er auch "Carso". Das Wort ist gebildet aus den ersten Silben seines Vornamens und des Vornamens seiner verstorbenen Frau Soumaya. An die Spitze seiner Firmen setzt er am liebsten Verwandte oder Libanesen.

Investor

Sein Geld steckt er am liebsten in Firmen, die er günstig erwirbt, aufmöbelt und sie dann in florierende Unternehmen verwandelt. "Er hat einen unvergleichlichen Riecher für Geschäfte und Schnäppchen", sagt Rogelio Ramirez de la O, Chef der Investmentberatungsgesellschaft Ecanal.

Fußballfan

Über seine Holding "Carso" erwarb er 35 Prozent der Anteile am nordspanischen Fußballklub Real Oviedo und rettete den Traditionsverein damit vor dem Konkurs. Zwei Millionen Dollar ließ sich Slim die Kapitalspritze kosten. Er wolle den Klub von seinen "besonderen und schwierigen" Problemen befreien, ließ Slim erklären.

Wurzeln

Der 72 Jahre alte Unternehmer hat libanesische Wurzeln.

Aufstieg

Seit den neunziger Jahren hat er ein Firmenimperium aufgebaut, das auf einem Fernmeldemonopol fußt. Es gibt heute kaum eine Branche der mexikanischen Wirtschaft, in der er nicht Aktien hätte.

Geldmeister

Die Mexikaner schlafen in Betten aus Slim-Kaufhäusern. Für das Internet nutzen sie seinen Provider. Sie gehen in den Restaurants seiner Ketten essen. CDs, Konzertkarten, Billigflieger, Krankenhäuser - immer verdient Slim. Selbst das Geld dafür kommt oft aus seinen Geldautomaten. Carlos Slim baut Häuser und Autobahnen, er schürft nach Silber und Kupfer. Er ist der Geldmeister von Mexiko. Ihm gehören große Teile des Landes.

Die KPN-Stiftung, die im Zuge der Privatisierung des niederländischen Telefonkonzerns entstand und die die Interessen der Aktionäre verteidigen soll, hält nun 4,26 Milliarden Vorzugsaktien. Der Stimmrechtsanteil liegt bei 50,07 Prozent, direkt gehalten werden aber nur 49,93 Prozent der Anteile. Die Stiftung hatte als Reaktion auf das Vorhaben der Mexikaner, KPN vollständig zu übernehmen, eine Kaufoption wahrgenommen.

Mit ihrem Schritt hat sie eine Übernahme weitgehend unmöglich gemacht. Laut der Stiftung will America Movil die Niederländer feindlich übernehmen. Es herrsche Unsicherheit über die Absichten von Slims Unternehmen, argumentierte sie vor einigen Tagen. Slim ist laut Forbes der reichste Mann der Welt.

Umgehend nach der Ankündigung der Stiftung trat America Movil einen Schritt zurück. Der Mobilfunkanbieter sei bereit, sein Vorhaben abzublasen, wenn die KPN Foundation dagegen ist. Noch ist die Offerte aber nicht vom Tisch. America Movil bietet 2,40 Euro je Anteilsschein. Die KPN-Aktionäre sollen am 2. Oktober über das Übernahmeangebot entscheiden.

Von

dpa

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