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28.01.2013

07:52 Uhr

„Stimmungsmache“

Gema verklagt Youtube wegen Sperrhinweis

Gema und Youtube streiten wieder: Die Verwertungsgesellschaft wirft dem Videoportal Stimmungsmache vor und zieht vor Gericht. Trotzdem hofft sie weiterhin auf eine außergerichtliche Lösung.

„Reine Stimmungsmache“: Die Gema wirft Youtube vor, die Nutzer gegen die Verwertungsgesellschaft aufbringen zu wollen. dapd

„Reine Stimmungsmache“: Die Gema wirft Youtube vor, die Nutzer gegen die Verwertungsgesellschaft aufbringen zu wollen.

DüsseldorfDer Streit zwischen der Internet-Videoplattform Youtube und der deutschen Verwertungsgesellschaft Gema geht in eine neue Runde. Die Gema habe nun wie angedroht beim Landgericht München eine Unterlassungsklage gegen die Google-Tochter eingereicht, berichtet die „Wirtschaftswoche“. Grund ist ein Hinweis in gesperrten Youtube-Videos.

Bei vielen Videos – wie zum Beispiel „Gangnam Style“, dem Überraschungs-Musikhit des vergangenen Jahres – sehen deutsche Youtube-Nutzer derzeit den Hinweis, dass der Clip nicht verfügbar sei, weil die Gema nicht die erforderlichen Rechte eingeräumt habe. Diese Formulierung will sich die Verwertungsgesellschaft nicht länger gefallen lassen. Der Text sei „reine Stimmungsmache“, sagte Gema-Chef Harald Heker dem Magazin. Denn YouTube sperre mehr Videos als die Gema fordere. Das Verfahren verlängere nur die Lösungsfindung, sagte hingegen eine YouTube-Sprecherin der „Wirtschaftswoche“.

Google und die Gema, die in Deutschland die Urheberrechte etwa von Komponisten oder Textautoren vertritt, können sich schon seit 2009 nicht über eine Mindestvergütung für Videos bei Youtube einigen, nachdem ein vorläufiger Vertrag auslief. Die Verwertungsgesellschaft will 0,375 Cent pro Abruf. Google lehnte die Forderung bisher ab. Inzwischen wurde eine Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt eingeschaltet.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Beide Seiten stehen sich auch in einem Gerichtsverfahren in Hamburg gegenüber. Dort entschied das Landgericht im vergangenen Frühjahr, dass Youtube zwar auf Gema-Aufforderung ausgewählte Videos löschen müsse, aber nicht verpflichtet sei, jeden einzelnen Clip schon beim Hochladen auf Gema-Gebührenpflicht zu überprüfen. Dieser Rechtsstreit soll ebenfalls in eine neue Runde gehen.

Trotz des Dauerstreits hofft die Gema noch immer auf eine außergerichtliche Lösung. „Wir sind nach wie vor guten Mutes, dass wir doch noch zu einer Einigung kommen werden“, erklärte Gema-Chef Harald Heker auf der Musikmesse Midem in Cannes. Youtube habe die Verhandlungen im Dezember abgebrochen. Deshalb habe die Gema nun wie angedroht beim Landgericht München eine Unterlassungsklage gegen die Google-Tochter eingereicht.

Gema-Streit: Internetwirtschaft sieht Youtube-Urteil mit gemischten Gefühlen

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Youtube muss einige von der Gema genannte Musiktitel aus dem Angebot nehmen.

Der Gema gehe es darum, dass Künstler für den Wert ihrer kreativen Leistung so bezahlt werden, wie sie es verdienen, sagte Heker. Er warnte davor, „eine Discount-Mentalität der Musiknutzer zu fördern und Unternehmer wie Kim Schmitz zu Helden zu stilisieren“. In der Öffentlichkeit interessiere es leider kaum, dass dadurch die wirtschaftliche Existenz vieler Musikurheber bedroht ist.

Von

dpa

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

28.01.2013, 08:41 Uhr

Ich muss jedes mal mehr und mehr schmunzeln wenn ich vom Ausland komme und ab der Grezne zu D und deutschen Providern merke dass ca. 40% meiner favorisierten Videos in D nicht mehr zugänglich sind...egal aus welchen Bereichen sie kommen. Das ist nur noch abartig was hier abläuft in diesem Land.

ddfd

28.01.2013, 08:53 Uhr

was hier abläuft ist doch klar. Google versucht eigene Interesssen durchzusetzen. Toll dass die GEMA diesen Laden mal verklagt!
Mal abgesehen davon dass es eine menge an Arschversteckern gibt sind die die Videos nicht abrufen können selber schuld, man muss doch nur seine IP Adresse aus Deutschland verschleiern was mit www.hidemyass.com sehr gut geht.
Also GEMA meinen Segen habt ihr,

mwo

28.01.2013, 09:01 Uhr

Wozu gibt es freie Proxy-Server? Wenn ich ein Video sehen will, dann kann ich natürlich so tun, als würde ich vom Ausland aus zugreifen.

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