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30.08.2016

22:37 Uhr

Streaming-Pionier

Youtube kämpft gegen harte Konkurrenz

VonAxel Postinett

Fällt Googles Videofestung Youtube? Die Konkurrenz ist dem Streaming-Pionier dicht auf den Fersen in einem Segment, das die Google-Tochter lange unterschätzt hat. Das kann ernste Folgen haben.

Der Streaming-Pionier gerät in arge Bedrängnis. dpa

Youtube

Der Streaming-Pionier gerät in arge Bedrängnis.

San FranciscoYoutube ist der unangefochtene Marktführer wenn es um vorab aufgezeichnete Videokonserven per Internet und PC geht. Doch bei Live-Angeboten versucht die Plattform verzweifelt, Boden auf Facebook und Snapchat gutzumachen, die beide erfolgreiche Streaming-Dienste mit Fokus auf Smartphones und Tablets gestartet haben.

So verkündete etwa Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 in San Francisco, Video werde zum Herzstück jedes Angebots des Konzerns. Er stellte sogar eine eigene 360-Grad-Videokamera vor, die zusammen mit einer Facebook-Software das Produzieren von Rundum-Videos bald zum Kinderspiel machen soll.

Das setzt die Google-Tochter Youtube unter Druck. Zwar verkündete Produktmanager Niel Mohan gegenüber der „Financial Times“, dass die Anzahl der angeschauten Livestreams auf der Video-Plattform im vergangenen Jahr um 80 Prozent gestiegen sei, absolute Nutzerzahlen nannte er jedoch nicht. Das Problem: Mit Google als Totalausfall im Bereich Social Media fällt der Video-Plattform die Aufgabe zu, ein Netzwerk auf Basis von Live-Videos zu bilden.

Vevo: Youtube-Konkurrent will sich 500 Millionen Dollar holen

Vevo

Youtube-Konkurrent will sich 500 Millionen Dollar holen

Vevo will die internationale Expansion vorantreiben und neue Angebote entwickeln. Das Geld dafür will sich der Musikvideo-Dienst nun besorgen. Youtube dürfte das wohl eher nicht gefallen.

Youtube, für 1,3 Milliarden Dollar gekauft, ist neben Android eine der ganz großen Erfolgsgeschichten in Mountain View und jetzt die große Hoffnung. Laut der Technologieseite „Venture Beat“ werden die Arbeiten an einem „Backstage“ genannten Produkt vorangetrieben, bei dem Youtuber ähnlich wie bei Twitter oder Facebook alles, von Text über Fotos bis zu Videos und natürlich Livestreams, einstellen können.

Die Akzeptanz von Youtube bei den Live-Videoproduzenten scheint derweil auch zu steigen, laut Mohan hat sich die Anzahl der gestreamten Videos 2015 mehr als verdoppelt im Vergleich zum Jahr davor. Doch der Wettbewerb ist knüppelhart und wird sich nach Meinung von Marktbeobachtern noch verschärfen.

Der Kampf um die Werbe-Milliarden aus der TV-Industrie wird dabei – mal wieder – mit professionellen Inhalten entschieden und nicht mit dem, womit Youtube groß geworden ist. Das sind, vereinfacht gesagt, simpel produzierte Inhalte, ohne großes Konzept und nicht selten in fragwürdiger Qualität, sogenannter „user generated content“, vom Nutzer generierter Inhalt.

Wer an YouTube verdient

Google

Der Internetkonzern kaufte Youtube im Oktober 2006, gerade einmal 19 Monate nach der Gründung der Videoseite. Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für Youtube. Das war damals der teuerste Zukauf in der Firmengeschichte, der sich aber rentiert haben dürfte.

Google (2)

Wie viel Google mit Youtube verdient, gibt das Unternehmen allerdings nicht gesondert an. Die Marktforschungsfirma eMarketer schätzt, dass Youtube 2015 etwa 1,13 Milliarden Dollar Umsatz mit Werbung gemacht hat.

Youtube-Stars

Youtube ist eine der meist genutzten Webseiten unter Jugendlichen, beliebte Videomacher können dort hunderttausende Fans sammeln. Wer so eine große Gefolgschaft hat, kann mit Werbung in den eigenen Videos und Zusammenarbeit mit Unternehmen Geld verdienen.

Youtube-Stars (2)

Besonders bekannte Youtuber wagen den Sprung in andere Bereiche: Die deutschen Slimani-Geschwister haben ein Buch und eine Modereihe herausgebracht, auch andere Youtuber sind mit Büchern auf dem Markt.

Vermarktungs-Netzwerke

Die Netzwerke sind sozusagen die Plattenfirmen der Youtube-Welt. Sie fördern Talente und sorgen für die Vermarktung von Anzeigen. Dafür verdienen sie an den Werbeeinnahmen mit.

Netzwerke (2)

Allerdings knirscht es hier: Mehrere bekannte Youtuber verließen jüngst das große deutsche Netzwerk Mediakraft. Sie beklagten Kommerzialisierung und mangelnde Unterstützung. Kurz danach ging auch Mediakraft-Mitgründer Christoph Krachten.

Unternehmen

Längst haben Firmen entdeckt, dass sie über Youtube ihre Produkte vermarkten können. Denn hier gucken Menschen freiwillig Werbung. Viele Firmen versuchen, witzige oder unterhaltsame Videos zu drehen, die die Nutzer von selbst weiterverbreiten. Außerdem geben sie Geld für Werbeeinblendungen vor und während Videos aus.

Unternehmen (2)

Ein Hindernis bei der Werbevermarktung ist, dass Youtube-Videos oft ausgefallen sind und die Qualität sehr unterschiedlich ist. Youtube hat daher ein Auswahl-Programm entwickelt. Damit können Werbekunden festlegen, dass ihre Videoanzeigen nur bei den beliebtesten Videos in bestimmten Kategorien auftauchen.

Die Nase vorn hat im Profibereich Facebook mit einer gigantischen weltweiten Nutzerbasis von 1,6 Milliarden Menschen. Das macht das Soziale Onlinenetzwerk zur ersten Anlaufstelle für künftige Großevents wie die Olympischen Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften. Konkurrent Snapchat zum Beispiel meldet, dass 49 Prozent seiner Nutzer in der ersten Woche der Olympia-Veranstaltung in Rio de Janeiro Inhalte gestreamt hätten. Gleichzeitig meldet der US-TV-Riese NBC ein Minus von 17 Prozent bei der durchschnittlichen Zuschauerzahl in den ersten zehn Tagen der Sommerspiele.

Mit durchschnittlich 27 Millionen TV-Zuschauern pro Tag in der ersten Woche saßen dieses Mal weniger Zuschauer vor dem Fernseher als bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Gleichzeitig melden Online-Dienste drastische Zuschauerzuwächse. Profiteure können Dienste wie Youtube, Facebook, Snapchat oder auch Twitter sein.

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