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20.01.2016

07:04 Uhr

Streaming-Portal Netflix

Alles auf Expansion

VonBritta Weddeling

Weniger ist mehr: Weil der Streamingdienst Netflix massiv in die Auslandsexpansion investiert, sinkt der Gewinn. Doch die Zahl der Neu-Abonnenten schlägt die eigenen Prognosen. Die Zukunftspläne sind noch weitreichender.

Der Netflix-CEO setzt auf die Expansion im Ausland. Imago

Reed Hastings

Der Netflix-CEO setzt auf die Expansion im Ausland.

San Francisco„Ideologie ist was für akademische Schlappschwänze, nichts für mich.” Es scheint, als würde Frank Underwood aus der Netflix-Serie „House of Cards“ mit dem berühmten Zitat die Strategie des Streaming-Dienst-Gründers Reed Hastings auf eine griffige These bringen. Zwar geht der Unternehmer aus Los Gatos anders als der Politstratege nicht über Leichen. Aber auch Hastings lässt sich nicht von vermeintlichen Gewissheiten leiten.

Traditionelle TV-Sender investieren viel Geld in ein Programm rund um die Uhr. Um den dafür erforderlichen Apparat zu finanzieren, müssen sie für den Massengeschmack produzieren und werden zwangsläufig seicht. Netflix hingegen setzt darauf, dass Kunden sich das Unterhaltungsprogramm selbst zusammenstellen wollen und Fernsehen damit künftig so personalisiert sein wird wie die Timeline bei Facebook.

Streaming-Portal: Netflix will deutsche Serie ins Programm nehmen

Streaming-Portal

Netflix will deutsche Serie ins Programm nehmen

Nur China ist noch ein großer weißer Fleck auf der Weltkarte von Netflix. Doch Reed Hastings – Chef des Online-Videodienstes – hofft, dass in absehbarer Zeit ändern zu können. Für Deutschland sind die Pläne konkreter.

So leistet sich Hastings den Luxus, auch eher abseitige Themen zu inszenieren, wie „Daredevil”, einen düsteren Marvel-Comic, oder den Kampf gegen ein kolumbianisches Drogenkartell in „Narcos”. Hinzu kommen neue Serien wie „The Crown” über Intrigen im englischen Königshaus, Spielfilme und Dokumentationen.

Wie Netflix' aktuelle Geschäftsergebnisse zeigen, zahlt sich die Strategie inzwischen aus. Im vergangenen Quartal gewann die Plattform so viele Mitglieder hinzu wie nie zuvor, 5,6 Millionen neue Fans. Das Unternehmen erreicht nun weltweit rund 75 Millionen Menschen.

Der Sprung resultiert aus der jüngsten Expansion in 130 neue Länder, darunter Indien, Singapur oder der Türkei. Zwei Millionen Mitglieder hat Netflix, das inzwischen 2000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt beschäftigt, allein in Deutschland und Frankreich. In den USA sorgt Hastings an manchen Abenden für fast ein Drittel des gesamten Internet-Traffics.

Alles rund um Netflix

Alternative zu den Videotheken

Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

Online-Dienst als zweites Standbein

2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

Einladung zum „Binge Watching“

Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Expansion jenseits der USA

Der Heimatmarkt ist nicht genug: Netflix expandiert seit einigen Jahren, der Dienst ist bereits in Kanada, Südamerika, Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. 2014 kamen diverse Länder hinzu, darunter Deutschland.

„Netflix profitiert davon, dass die Infrastruktur für die Auslieferung von Video-Inhalten immer besser wird und die Qualität steigt”, sagt Xavier Kochhar, Chef von Structured Data Intelligence, einem Unternehmen für Datenanalyse aus Santa Monica in Kalifornien. „Die große Herausforderung ist: Wie findet der Nutzer die richtige Sendung? Künftig wird es Aggregatoren geben, die Videoinhalte personalisieren, ein Google für Serien sozusagen.”

Silicon Valley arbeitet bereits an solchen Formaten, an der Zukunft des personalisierten Entertainments, ganz nach dem Motto: Ich streame, also bin ich. In Mountain View, bei Youtube, bietet Google mit Youtube Red bereits Original-Serien als Streaming-Produkt an. Auch Amazon Prime feiert große Erfolge, unter anderem mit der Nerd-Serie „Mr. Robot”.

Kommentare (2)

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chris sänger

20.01.2016, 09:46 Uhr

ich hab Netflix 2 Monate getestet; die Dokus waren teilweise schon interessant und hatte diese bisher noch nirgendwo sonst gross gesehen; aber irgendwann hat man diese durch und Dauer-TV vor der Glotze ist einfach nicht mein Ding...also sind mir das auch keine 10 Euro im Monat wert;

chris sänger

20.01.2016, 09:50 Uhr

bin übrigens erstaunt das man hier überhaupt noch etwas kommentieren kann; so langsam kommt mir das alles arg reglementiert vor; ich denke auf Dauer "brauche" ich HB-Online auch nicht mehr. Kann gar keinen Artikel darüber finden das die Obervolksvertreterin Merkel die Anti-TTIP-Unterschriften nicht entgegen nehmen kann / will... Aber das ist ja auch nicht so wichtig...

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