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19.05.2015

11:45 Uhr

Streit mit Konzernmutter in England

Vodafone-Deutschland-Chef wirft hin

VonIna Karabasz

Der Konzern richtet sich neu aus, etwa über die Integration von Kabel Deutschland. Doch vor der Bilanz für 2014 stört eine Personalmeldung die Ruhe: Geschäftsführer Schulte-Bockum will gehen.

Der Chef von Vodafone Deutschland, Jens Schulte-Bockum, verlässt wohl den Konzern. Reuters

Auf der CeBit in Hannover warb er noch für sein Unternehmen

Der Chef von Vodafone Deutschland, Jens Schulte-Bockum, verlässt wohl den Konzern.

DüsseldorfDer Vorsitzende der Geschäftsführung bei Vodafone Deutschland, Jens Schulte-Bockum, verlässt das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr. Dies erklärte der Konzern am Morgen, nachdem bereits die Presse darüber berichtet hatte. Hintergrund soll sein, dass das Unternehmen nicht in dem Maß zum Marktführer Deutsche Telekom aufschließen konnte, wie sich der Mutterkonzern in London das vorgestellt hatte. Schulte-Bockum sagte zur Begründung lediglich: „Für mich ist es an der Zeit, mich Neuem zuzuwenden.“ Ob ein Nachfolger feststeht, ist noch offen. Es sieht danach aus, als hätte der Vorstandschef sein deutsches Team mit der Nachricht überrascht.

Für den Mittag ist ohnehin eine Pressekonferenz angesetzt. Das Unternehmens präsentiert heute die Jahresbilanz für Deutschland und die globalen Aktivitäten.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Bei der deutschen Tochter des britischen Konzerns sieht es nicht so schlecht aus. Nach fast drei Jahren sinkender Umsätze stehen die Zeichen auf Erholung. Der Service-Umsatz im Festnetz stieg im Geschäftsjahr 2014/2015 auf 3,8 Milliarden Euro, berichtete das Unternehmen. Auch die Integration der Netze komme gut voran. Die gemeinsamen Vermarktungsaktivitäten mit der zugekauften Tochter Kabel Deutschland sorgten inzwischen für deutliche erhöhte Absätze bei Kabel-Breitband-Angeboten, so Vodafone. Anleger zeigten sich von den Zahlen der Gruppe jedoch enttäuscht. Vodafone-Aktien gaben zu Handelsbeginn um mehr als 1,7 Prozent nach.

Der „WirtschaftWoche“ gegenüber sprach Schulte-Bockum von „unüberbrückbaren Differenzen“ mit der Konzernspitze. Bockum, seit 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung, war schon in der Vergangenheit unter Druck geraten - vor allem im Krisenjahr 2013/2014, dem schlechtesten in der Vodafone-Geschichte. Bereits damals erklärte ein langjähriger Vodafone-Manager gegenüber dem Magazin: „Sein Stuhl wackelt.“ Das Unternehmen musste rund vier Milliarden Euro in den Netzausbau stecken und die Kosten der Übernahme von Kabel Deutschland schultern.

Kommentare (1)

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Herr Chic Petitchen

19.05.2015, 11:30 Uhr

Tja, Offensichtlich ist da was im Gange. Gestern Rainer Neske von der Deutschen Bank, heute Schulte-Bockum. Und auf einer anderen Webseite habe ich eine Liste von CEO's gefunden, die jetzt alle hinschmeißen. Das ellenlange Register der Seit Ende 2014 plötzlich Amtsmüden liest sich wie das "Who-is-Who" der Geschäftswelt der großen Konzerne.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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