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21.08.2013

16:14 Uhr

Streit um Kneipenfußball

Wirte verteidigen Sky-Preiserhöhung

VonJonas Jansen

Sky Deutschland setzt im Streit mit Kneipenwirten über Preiserhöhungen für Fußball-Übertragungen auf Dialog. In einer Video-Diskussion kommen auch Barbesitzer zu Wort, die kein Problem mit hohen Gebühren haben.

Sky-Kameramann: Die Gebühren für Fernsehkneipen schnellen in die Höhe. dpa

Sky-Kameramann: Die Gebühren für Fernsehkneipen schnellen in die Höhe.

DüsseldorfErnst Mörs, Inhaber der Kölner Kneipe „Lapidarium“ nimmt mittlerweile bei bestimmten Spielen Eintritt, wenn er in seiner Gaststätte Fußball-Liveübertragungen zeigt. Denn nach einer Preiserhöhung durch den Bezahlsender Sky Deutschland kostet ihn das TV-Abo nach eigenen Angaben knapp 5.000 Euro pro Jahr und ohne Eintritt sei das nicht zu finanzieren. Andere Gaststätten schwenken sogar auf Radio-Übertragungen um, weil Sky ab 1. September auf ein neues Preismodell setzt. Für viele Wirte wird es teurer, eine Protestwelle schwappt seit Wochen durch Deutschland. Am Mittwoch reagierte das Unternehmen mit einer Talk-Runde im Internet auf die Kritik.

Das Problem: In Facebook-Gruppen wie „Rettet den Kneipenfußball“ haben sich wütende Wirte zusammengeschlossen, erzählen von ihren Kündigungen und besprechen Boykott-Ideen. „Das ist unangemessen und nicht bezahlbar“, schimpft auch Stephan Büttner, Geschäftsführer im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Sky erhöht die Preise für die meisten Kunden. Im neuen Bezahlmodell rechnet der Sender nicht mehr nach Größe der Fußballkneipe ab, sondern auch nach den Faktoren Bevölkerungsdichte, Kaufkraft der Region und Sportaffinität. In manchen Ballungszentren steigt der monatliche Preis so um bis zu 100 Prozent.

Die Diskussionsrunde via Internet-Schaltkonferenz („Google-Hangout“) am Mittwoch sollte ein Beitrag des Unternehmens zur Beruhigung der Lage sein. Auf der einen Seite diskutierte Uwe Müller, zuständig für die Business Solutions bei Sky – und damit die Kneipenlizenzen. Auf der anderen Seite: vier Wirte von Sky-Sportsbars. Die waren zwar von Sky ausgesucht worden, darunter auch ein Kritiker. Aber andere Teilnehmer lobten den Service des Senders gleich mehrfach und erklärten, wie abhängig sie – etwa in Dortmund – von Fußballübertragungen sind.

Journalist Richard Gutjahr moderierte auf Einladung von Sky die Runde und begrüßte etwa Malte Wienbreyer aus Essen. Der Wirt zahlt in seinen Kneipen in Düsseldorf und Essen nach eigenen Angaben 50 Prozent mehr als vorher. Der Tenor der Wirte: Mit den Erhöhungen müssen wir leben, und wir sollten uns nicht zu abhängig vom Fußball machen. Denn bezahlen muss man schließlich auch, wenn kein Fußball läuft.

Sky Deutschland

Lange Geschichte

Sky Deutschland hat einen vergleichsweise jungen Namen, dafür aber bereits eine lange Geschichte. Seit dem Start des einstigen Senders Premiere 1991 hat der von Medienmogul Leo Kirch aus der Taufe gehobene Kanal fast nur rote Zahlen geschrieben. Diese Verluste waren ein Grund für den Zusammenbruch der Kirch Gruppe 2002, den Premiere nur knapp überlebte.

Murdoch wieder dabei

Nach einem früheren Engagement stieg 2008 erneut der Medienmilliardär Rupert Murdoch ein. Der Name wurde in Sky Deutschland geändert, die Mannschaft neu aufgestellt. Seit 2010 führt Brian Sullivan das Unternehmen.

Rote Zahlen

Sky und dem Vorgänger Premiere gelang fast nie, schwarze Zahlen zu schreiben. 2013 soll der Konzern zumindest vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen Geld verdienen. Was für den Erfolg spricht: Die Firma kann die Abonnentenzahlen steigern.

Schwieriger Markt

Pay-TV hat sich in Deutschland deutlich schlechter entwickelt als anderswo – nicht zuletzt wegen des umfangreichen Gratisangebotes im Fernsehen. Immerhin verzeichnet die Branche seit 2010 deutliche Zuwächse. 2012 machte sie nach Angaben des Privatfernsehen-Verbandes VPRT 1,8 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland, die Zahl der Abonnenten stieg auf 6,1 Millionen.

Immer mehr Sender

Das Wachstum der Branche hat auch mit dem großen Angebot zu tun. 89 Bezahlprogramme gibt es nach Zahlen des VPRT inzwischen, 57 Kanäle strahlen Bilder in HD-Auflösung aus.

Kronschatz Fußball

Die Übertragungsrechte der Fußballbundesliga sind so etwas wie der Kronschatz von Sky Deutschland. Für den Bezahlsender ist Fußball ein wichtiges Verkaufsargument – und dafür ist der seit Jahren in den roten Zahlen steckende Konzern auch bereit, tief in die Tasche zu greifen. 2012 sicherte sich Sender-Chef Brian Sullivan bis 2017 die Rechte für knapp 2 Milliarden Euro.

Handball-WM

Sky zeigt die wichtigsten der 88-WM-Spiele verschlüsselt für seine knapp vier Millionen Kunden, darunter die deutschen Partien. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland Handball-Spiele solcher Bedeutung ausschließlich im Bezahlfernsehen übertragen werden.

Handball-Zuschauer

Den Einzug der deutschen Handballer in Viertelfinale schauten 370.000 Zuschauer. Das sei „ein sehr, sehr guter Wert für einen Nachmittag“, sagte Sky-Sprecher Dirk Grosse.

Wienbreyer sagt: „Ein Abend, der normal verläuft, ist für uns durchschnittlich besser als wenn sich die Gäste bei uns zum Spiel treffen, ein Getränk trinken und dann fluchtartig verschwinden.“ Das sei nämlich häufig der Fall. Kündigen will keiner der vier Wirte, obwohl bei allen von ihnen die Preise steigen. Fußball sei schließlich auch eine Einnahmequelle.

Kommentare (1)

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Clanf

22.08.2013, 08:19 Uhr

Sky hat mit der Buli und CL ein grundsätzliches Problem:
die Firma gibt neben den Senderechten ein Vermögen für die so genannten "Experten" aus. Als Beispiel: Muß Sky vor dem Topspiel insgesamt 4 Leute 1 Stunde lang, u.a. Schwafel - Matthäus und Schiri Merk, ihre Meinung äußern lassen?

Müssen nach den Champions League - Spielen ebenfalls 4 hochbezahlte Experten ihren Senf dazu geben? Oder geht es vielleicht doch eine Nummer kleiner und somit kostengünstiger?

Muß es unbedingt ein Topverdiener wie Kaiser Firlefranz oder ein "Topmoderator" Marcel Reif sein, denn kein Mensch mehr ertragen kann? Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen: Effenberg, Lehmann, Hitzfeld, etc. Die haben alle Kohle genug und leider nichts Neues mehr zu erzählen.

Liebe Firma Sky: bitte Kosten senken, dann müssen die Abos auch nicht so teuer sein. Niedrigere Preis = mehr Kunden = gleicher oder eventuell sogar höherer Umsatz.

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