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25.04.2013

14:43 Uhr

Streit um Suchmaschine

Google kommt Einigung mit Brüssel näher

Die EU-Kommission prüft seit Jahren Googles Suchmaschine. Mit den jüngsten Zugeständnissen könnte der Marktführer einer Geldbuße entgehen. Nun werden seine Zusagen getestet. Doch die Konkurrenz verlangt noch mehr.

Mit den jüngsten Zugeständnissen könnte Google einer Geldstrafe der EU-Kartellwächter entgehen. Reuters

Mit den jüngsten Zugeständnissen könnte Google einer Geldstrafe der EU-Kartellwächter entgehen.

BrüsselGoogle kommt einer Lösung im Streit mit der EU-Kommission um den Vorwurf unlauterer Geschäftspraktiken in seinem Suchmaschinen-Geschäft näher. Der Internet-Riese könnte mit einer Änderung der Anzeige von Suchergebnissen einer angedrohten Geldbuße entgehen.

Brüssel lässt in dem Kartellverfahren nun Googles Zugeständnisse testen, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Konkurrenten, Verbände und Nutzer können einen Monat lang die Vorschläge bewerten. Reichen die Zusagen aus, dann würden sie rechtlich verbindlich. Google hat in europäischen Ländern zum Teil über 90 Prozent Marktanteil bei der Internet-Suche.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Die Wettbewerbshüter zeigten sich zuversichtlich. „Im besten Fall könnten wir eine Entscheidung nach der Sommerpause treffen“, sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Ob es zu dieser gütlichen Lösung kommt, sei aber noch offen. Möglicherweise muss Google nachlegen: Den Rivalen reichen die Zusagen nicht aus. Das hatten die Unternehmensinitiative ICOMP und die Organisation Fairsearch bereits vor einer Woche mitgeteilt.

Die Wettbewerbshüter werfen Google vor, bei der Anzeige von Suchergebnissen eigene Dienste vor Konkurrenzangeboten zu bevorzugen. Dabei geht es etwa um spezialisierte Bereiche wie den Kartendienst Maps, Preisvergleiche oder die Hotelsuche.

WLAN-Mitschnitte: Datenschützer verdonnert Google zu Bußgeld

WLAN-Mitschnitte

Google muss Strafe zahlen

Eine Ordnungswidrigkeit war das illegale Sammeln von Daten. Google muss Strafe zahlen.

Google habe nun angeboten, fünf Jahre lang eigene Dienste deutlicher zu markieren und mehr Links zu Seiten der Wettbewerber anzuzeigen, schrieb die EU-Kommission. Webseiten-Betreiber sollen bessere Möglichkeit bekommen, die Verwendung ihrer Inhalte in den Suchdiensten von Google ausschließen zu können.

Die Vorwürfe umfassen insgesamt vier Punkte. Dabei geht es auch um die Werbung. So zwinge Google die Betreiber von Webseiten über Vereinbarungen dazu, ihre gesamte Suchmaschinenwerbung oder zumindest den Großteil davon über Google zu decken. Nun habe der US-Konzern angeboten, dies nicht mehr zu tun. Werbetreibende sollen außerdem nicht mehr davon abgehalten werden, Werbekampagnen plattformübergreifend zu managen.

Google Glass

Prestigeprojekt des Gründers

Die Datenbrille ist für den Internet-Konzern ein Prestigeprojekt – Mitgründer Sergey Brin kümmert sich darum persönlich. Seine Vision: Mithilfe des kleinen Bildschirms soll das Internet noch nahtloser in den Alltag integriert werden, etwa indem dort Informationen wie Wegbeschreibungen, E-Mails oder das Wetter eingeblendet werden.

Erste Geräte für Tester

Google Glass war anfangs noch nicht reif für den Massenmarkt, Google versorgte einige Tausend Testnutzer mit Brillen. Sie mussten 1500 Dollar plus Steuern zahlen. Im April will der Konzern das Gerät in den freien Verkauf geben, allerdings nur in den USA und in begrenzter Stückzahl.

Olympus arbeitet an Datenbrille

Auch andere Unternehmen arbeiten an einer Datenbrille, etwa Olympus und Epson. Allerdings richten sich die Konkurrenzmodelle nicht unbedingt an Privatnutzer, sondern eher an Unternehmen, die eines Tages etwa Lagerarbeiter damit ausstatten könnten.

Andere tragbare Computer

Andere Anbieter arbeiten ebenfalls an tragbaren Geräten, die sich mit dem Computer verbinden können. So haben diverse Unternehmen, darunter Samsung, Sony und das Start-up Pebble, Smartwatch-Modelle im Angebot, die Nachrichten auf einem kleinen Monitor am Handgelenk anzeigen und ermöglichen, auf Anrufe zu reagieren.

Die EU-Kommission hatte im November 2010 ein Kartellverfahren gegen Google eröffnet und droht in letzter Konsequenz mit einer hohen Geldbuße von maximal zehn Prozent des Umsatzes. Brüssel will verhindern, dass der US-Konzern seine Position missbraucht. Konkurrenten wie Microsoft hatten sich beschwert. In den USA waren ähnliche Ermittlungen der amerikanischen Wettbewerbshüter für Google glimpflicher ausgegangen - der Konzern musste deutlich geringere Zugeständnisse machen. In Europa gehen die Rivalen inzwischen auch gegen das Google-Betriebssystem Android für Smartphones und Tablets vor.

Von

dpa

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