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24.10.2014

13:32 Uhr

Streit um Verlag

Grünes Licht für Suhrkamps Sanierungsplan

Seit acht Jahren liefern sich die Suhrkamp-Gesellschafter einen erbitterten Machtkampf. Nun gibt es endgültig grünes Licht für das Sanierungskonzept des Traditionshauses. Die Umsetzung soll endlich für Ruhe sorgen.

Bücher der „edition suhrkamp“ aus dem Suhrkamp Verlag. Das Traditionshaus kann endlich sein Sanierungskonzept umsetzen. dpa

Bücher der „edition suhrkamp“ aus dem Suhrkamp Verlag. Das Traditionshaus kann endlich sein Sanierungskonzept umsetzen.

Berlin Nach einem beispiellosen gerichtlichen Hickhack kann der angeschlagene Suhrkamp Verlag sein Sanierungskonzept umsetzen. Das Landgericht Berlin gab dem Traditionshaus endgültig grünes Licht für die geplante Umwandlung von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft.

Das geht aus einem Beschluss vom 20. Oktober hervor, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Der Mitgesellschafter Hans Barlach, der 39 Prozent am Verlag hält, verliert damit weitreichende Mitspracherechte.

Der Hamburger Medienunternehmer, Enkel des Bildhauers Ernst Barlach, ist seit Jahren mit der Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz zutiefst zerstritten. Die Witwe des einstigen Firmenpatriarchen Siegfried Unseld hält 61 Prozent der Anteile.

Der Verlag geht nach Angaben einer Sprecherin davon aus, dass die wesentlichen Maßnahmen des Sanierungsplans nun im ersten Quartal des kommenden Jahres umgesetzt werden können. Man treffe derzeit entsprechende Vorbereitungen, hieß es.

Für Barlachs Schweizer Medienholding sagte Verwaltungsratspräsident Carl Ulrich Mayer auf Anfrage, man werde die Entscheidung prüfen. „Wir halten jede Lösung für sinnvoll, die das Fortkommen des Verlages sichert.“

Das Landgericht hatte mit seinem Beschluss eine Beschwerde Barlachs gegen den Sanierungsplan von Unseld-Berkéwicz zurückgewiesen. Die Nachteile einer Planverzögerung überwögen die Nachteile für Barlach, befand die Kammer. Eine weitere Beschwerde wurde nicht zugelassen.

Der jahrelange Machtkampf beim Suhrkamp-Verlag

Sieben Jahre Streit

Seit sieben Jahren tobt im Suhrkamp Verlag ein Machtkampf der Gesellschafter. Jetzt wird über den Insolvenzplan für das Traditionshaus entschieden. Ein Rückblick.

2003 – Die Witwe übernimmt

Ein Jahr nach dem Tod von Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld übernimmt seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz die Geschäftsführung. Es gibt auf vielen Ebenen Streit um Kompetenzen.

2006/2007 – Barlach kauft sich ein

Der Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach kauft - zunächst mit einem Partner, später allein - den Anteil des bisherigen stillen Teilhabers Andreas Reinhart in der Schweiz. Unseld-Berkéwicz spricht von einer „feindlichen Übernahme“ und legt Klage ein. In den Folgejahren folgt eine Flut von Klagen und Gegenklagen.

2009/2010 – Der Verlegersohn steigt aus

Verlegersohn Joachim Unseld steigt aus dem Verlag aus. Er verkauft seinen 20-Prozent-Anteil zu gleichen Teilen an die Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz, die damit 61 Prozent hält, und an Barlachs Medienholding, die jetzt 39 Prozent hat. Ein Jahr später verlegt der Verlag seinen Sitz vom Traditionshaus in Frankfurt/Main nach Berlin.

Dezember 2012 – Gerichtsbeschluss gegen Unseld-Berkéwicz

5. Dezember: Barlach und Unseld-Berkéwicz fordern vor dem Landgericht Frankfurt, die jeweils andere Seite als Gesellschafter auszuschließen. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Verlag aufgelöst werden, so Barlach. Das Gericht will am 13. November 2013 entscheiden. Am 10. Dezember wird Unseld-Berkéwicz per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Verlags abberufen. Das Landgericht Berlin setzt damit auf Antrag Barlachs einen Gesellschafter-Beschluss vom November 2011 rückwirkend in Kraft. Wegen der Anmietung von Räumen für den Verlag in ihrem Privathaus soll sie zudem Schadenersatz zahlen. Sie legt Berufung ein.

20. März 2013 – Gewinnanteil an Barlach

Das Landgericht Frankfurt verurteilt den Verlag zur Zahlung von knapp 2,2 Millionen Euro an Barlach. Es geht um den Gewinnanteil aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs.

27. Mai 2013 – Schutzschirmverfahren

Der Verlag beantragt eine Unternehmenssanierung nach dem neuen Insolvenzrecht. Das sogenannte Schutzschirmverfahren soll verhindern, dass Gewinne an die Anteilseigner ausgezahlt werden.

6. August 2013 – Insolvenzverfahren wird eröffnet

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet das Insolvenzverfahren. Auf Vorschlag von Unseld-Berkéwicz soll der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Barlach verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte.

September 2013 – Autoren drohen Barlach

10. September: Das Landgericht Frankfurt verbietet der Verlegerin in einer einstweiligen Verfügung, bei der Gläubigerversammlung ihrem eigenen Insolvenzplan zuzustimmen. Am 26. September drohen fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren Barlach mit einem Ausstieg aus dem Verlag, sollte er „maßgeblichen Einfluss“ auf das Haus behalten - u.a. Sibylle Lewitscharoff, Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein und Uwe Tellkamp.

Oktober 2013 – Sanierungsplan wird angenommen

1. Oktober: Eine erste Gläubigerversammlung votiert weitgehend einvernehmlich für die Fortsetzung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Nur zwei Tage später hebt das Oberlandesgericht Frankfurt die Entscheidung vorläufig auf, nach der Unseld-Berkéwicz nicht über den Insolvenzplan abstimmen darf. Am 12. Oktober kündigt Barlach an, auf Schadenersatz zu klagen, sollte der Verlag wirklich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Am 22. Oktober 2013 nimmt eine zweite Gläubigerversammlung den Sanierungsplan mit klaren Mehrheiten in allen drei Gläubigergruppen an. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Nach Angaben des vom Verlag bestellten Sachwalters Frank Kebekus kann damit die Änderung der Rechtsform des Verlags vollzogen werden. Zudem muss das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg das im August 2013 eröffnete Insolvenzverfahren noch aufheben. Dies sei jedoch ein rein formaler Akt, weil das Gericht dem Plan ja schon im Januar zugestimmt habe, so Kebekus.

Von

dpa

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