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17.04.2012

10:43 Uhr

Streit ums Erbe

Springer-Enkel rechnet mit der Familie ab

VonHans-Peter Siebenhaar

Verlagsgründer Springer würde Anfang Mai 100 werden, die Feierlichkeiten sind schon geplant - da bahnen sich Streitigkeiten an: Enkel Axel Sven Springer fühlt sich von Friede Springer beim Erbe hintergangen.

Axel Sven Springer ist machtlos: Er hält fünf Prozent an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik - die wiederum besitzt 51,5 Prozent der Axel Springer AG. dpa

Axel Sven Springer ist machtlos: Er hält fünf Prozent an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik - die wiederum besitzt 51,5 Prozent der Axel Springer AG.

DüsseldorfAm 2. Mai, dem 100. Geburtstag des Verlegers und „Bild“-Erfinders Axel Cäsar Springer, wird es in der Berliner Ullsteinhalle um 18 Uhr das große Wiedersehen der Kontrahenten geben. Dann trifft Axel Sven Springer – von Freunden „Aggi“ genannt – auf seine Stiefmutter Friede Springer und Testamentsvollstrecker Bernhard Servatius.

Die Konzernführung gibt sich alle Mühe, das Jubiläum zu einem glanzvollen Fest werden zu lassen. Für die gute Laune sollen beschwingte Melodien von Max Raabe und seinem Palastorchester sorgen. Doch Heiterkeit und Ausgelassenheit werden es sehr schwer haben. Denn Enkel „Aggi“ sorgt mit seiner Buchveröffentlichung für Ärger.

Die Geschichte der Bild-Zeitung

Der Vater der Bild-Zeitung

Axel Springer hatte ein großes Ziel: Er wollte "das größte Zeitungshaus Europas" schaffen - und es gelang ihm. Streitbar war der Verleger der Bild-Zeitung immer, aber besonders Ende der 60er-Jahre. Der Historiker Tim von Armin hat Springers Leben in seiner Biografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag) festgehalten. Es folgt der spannende Teil über die Einführung der Bild-Zeitung.

Die Vorbilder

Inspiriert wurde Axel Springer von der Hamburger Morgenpost und dem britischen Daily Mirror. Beide zielten auf die Psyche des Ins-Büro-Fahrenden, wie Springer es ausdrückte. Damals war es ungewöhnlich, dass Tageszeitungen auf dem Weg zur ARbeit erworben wurden.

Die Idee

Axel Springer persönlich war die treibende Kraft der Bild-Zeitung. Viele Details der Gründungsphase sind nur spärlich überliefert. Die Idee war von Beginn an eine am Morgen erscheinende, niedrigpreisige Boulevardzeitung. Vorbilder gab es nicht nur im Ausland ...

Die Preis-Strategie

Die Bild-Zeitung sollte der Preisführer unter den deutschen Zeitungen und schon für zehn Pfennig zuhaben sein. Das entspricht dem Bestreben, die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu erfüllen. Hier sah Springer ein enormes Absatzpotenzial.

Wie es zu nackten Frauen kam

Natürlich gab es das Seite-1-Mädchen (übrigens jüngst in den Innenteil verbannt) damals noch nicht. Aber klar war von Beginn an, dass der Name "Bild"-Zeitung kein Zufall war. Springer war fasziniert von der fortschrittlichen anglo-amerikanischen Presse und der konsequenten Betonung visueller Effekte.

Das Logo

Die vier dicken Buchstaben gibt es noch heute. Entworfen hat das Logo der Werbegrafiker Günther T. Schultz, ein langjähriger Freund Springers. Über den vier Lettern stand "10 Pfg" und darunter Zeitung".

Die Seite Eins

Die erste Seite 1 der Bild-Zeitung sah völlig anders aus als heute. Sie bestand ausschließlich aus Fotos und Unterzeilen. Plus natürlich die dicke Überschrift. Die Fotos waren schwarz-weiß und entsprechend groß. So sollte die Wirkung der Bilder voll zur Geltung kommen.

Kritik daran gab es im Verlagshaus durchaus. Doch Springer setzte sich durch gegenüber der Meinung, dass eine Seite 1 nicht nur aus Bildern bestehen könne.

Die Einführung der Bild-Zeitung

Die Druckkosten-Kalkulation gab es im Oktober 1951. Es folgten viele Gespräche mit führenden Verlagsvertretern. Die erste Ausgabe hielten Leser am 24. Juni 1952. Die erste Auflage lag bei 500.000 Exemplaren. Sie wurden kostenlos in Hamburg verteilt.

Springer nutzt die kurz darauf beginnenden Olympischen Spiele in Helsinki, da gerade zu dieser Zeit das Informationsbedürfnis der Leser besonders hoch war.

Erhebliche Startschwierigkeiten

Ein Erfolgsmodell von Beginn an war die Bild nun wahrlich nicht. Trotz der vielen Bilder auf der Seite 1 und den boulevardesken Inhalten inklusive der Sinnsprüche und der berühmten Kolumne "Hans im Glück" war das Interesse am ersten Verkaufstag (25. Juni 1952) gering. Bis Ende 1952 lag die durchschnittliche verkaufte Auflage bei 165.000 Exemplaren und es war keine Besserung in Sicht.

Die Wende

Axel Springer hielt aber an seinem Vorhaben fest - ließ aber mit sich reden. Umfang und Bedeutung der Textelemente wurden erhöht. Im Januar 1953 sagte Springer: "Wir müssen mehr Text machen." Es folgte ein experimenteller Prozess. (Wenig) Sex und (viel) Crime machten den wesentlichen Teil aus. Bis 1958 wuchs die Zahl der Redakteure von einer Handvoll auf über 100.

Der Durchbruch

Der Erfolg setzte nach rund einem Jahr ein. Neben der redaktionellen Umgestaltung halfen auch Verbesserungen beim Vertrieb. Im September 1953 wurden erstmals über eine Million Exemplare verkauft. Ein Jahr später war die Bild Europas größte Tageszeitung.

Springers Rückzug

Nach dem Durchbruch der Bild zog sich Axel Springer aus dem redaktionellen Tagesgeschäft zurück. Prägende Chefredakteure werden in den kommenden Jahren Rudolf Michael, Peter Boenisch und Günter Prinz.

Unter dem provokativen Titel „Das neue Testament“ rechnet der einzige Enkel des legendären Verlegers mit Servatius und Friede Springer ab. Er fühlt sich um sein Erbe betrogen. Detailliert schildert der gelernte Journalist, wie das letzte gültige Testament seines Großvaters auf Initiative des Testamentsvollstreckers Servatius so verändert wurde, dass er 80 Prozent seiner Erbschaft verlor. „Dass dieses Buch nicht jeden glücklich macht, ist nicht Axel Sven Springers Schuld“, sagte sein Verleger Till Tolkemitt dem Handelsblatt – in Anspielung auf den fast zehnjährigen Rechtsstreit.

Am 22. Januar 2008 sprach das Oberlandesgericht Hamburg das Urteil in dem Erbschaftsstreit. Seine Stiefmutter mit ihrem Vertrauten Servatius hatte endgültig auf ganzer Länge gesiegt. „Das Urteil, das ich drei Tage später in den Händen hielt, las sich wie eine 59 Seiten lange Ohrfeige“, erinnert er sich in seinem 288 Seiten dicken Buch, das in dieser Woche zu einem Preis von knapp 20 Euro in den Handel kommen wird.

Kommentare (4)

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sterbende_demokratie

17.04.2012, 12:00 Uhr

Nun ja!
Wie heißt es doch so schön Pack schlägt sich und Pack verträgt sich!

Und wenn es um Geld gibt scheint es bei Pack sogar noch verschieden starke Level bei der Nestbeschmutzung zu geben!

Account gelöscht!

17.04.2012, 13:06 Uhr

Von der Ferne betrachtet schaut es ganz so aus, als habe sich die damalige Haupterbin mit Hilfe der Testamentsvollstreckung der evtl. lästigen Nebenerben durch Winkelzüge entledigt. Sicherlich, man hat ein paar Prozente behalten - aber zu sagen hat man nix und "Friede" ist die Gewinnerin bei der ganzen Sachlage. Das man vor Gericht hier keine Chance hat dürfte klar sein. Einen damals 19jährigen zu beeinflussen viel den beteiligten damals sicherlich relativ leicht. Dies mag nun alles juristisch korrekt sein, aber menschlich ?

norbert

17.04.2012, 15:32 Uhr

Auf soviel Geldgeilheit auf Geld, an welchem Blut klebt, gehört nur eine Antwort: Verlust !

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