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20.07.2012

08:45 Uhr

Suchmaschine

Google scheffelt Milliarden im Werbemarkt

Für Google läuft es im Online-Geschäft weiterhin rund: Die Werbemilliarden strömen nur so in die Kasse. Die Übernahme von Motorola erweist sich aber als teures Vergnügen. Und dem Chef fehlt weiter die Stimme.

Fahrradfahrer am Google-Sitz im kalifornischen Mountain View. dapd

Fahrradfahrer am Google-Sitz im kalifornischen Mountain View.

Mountain View/San FranciscoDas Geschäft beim Internetkonzern Google brummt. Im zweiten Quartal verdiente die Nummer eins der Suchmaschinen-Betreiber unterm Strich 2,8 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Dollar) und damit 11 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Geld kommt hauptsächlich durch die sprudelnden Einnahmen bei den bezahlten Suchtreffern herein. Ein zweites großes Standbein sind mittlerweile grafische Werbeanzeigen.

Es sei ein „starkes Quartal“ gewesen, erklärte Konzernchef Larry Page am Donnerstag (Ortszeit) laut Mitteilung. In der Telefonkonferenz fehlte er allerdings, nachdem Google schon andere öffentliche Auftritte von ihm abgesagt hatte. „Es gibt nichts neues, Larry hat seine Stimme verloren“, sagte Manager Nikesh Arora. Er führe aber weiterhin das Unternehmen. Was ihm genau fehlt erklärt Google weiterhin nicht.

Was sich bei Google verändert hat

Google+ wird Pflicht

Hinter den Kulissen hat Google unbemerkt den Wachstums-Turbo für sein soziales Netzwerk Google+ eingeschaltet: Durch die Zusammenlegung mehrerer Dienste gibt es nur noch einen Google-Account. Wer sich bei einem Google-Service anmeldet – sei es die Videoplattform Youtube, Google Mail oder Google Text & Tabellen – wird mit den anderen Google-Services ebenfalls zwangsbeglückt. „Ihr Google-Konto umfasst mehr als nur Google Mail“, heißt es beispielsweise bei der Anmeldung zu dem Google-Dienst. Derselbe Text wird auch bei Youtube und anderen Google-Diensten angezeigt.

Einheitlicher Datenschutz

Google ändert seinen Umgang mit Nutzerdaten und will künftig alle Informationen, die man bei verschiedenen Diensten des Konzerns hinterlässt, gesammelt auswerten. Dies werde den Nutzern Vorteile in Form von relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen bringen, erklärte der Internet-Konzern.

Für die Änderungen sollen ab Anfang März die Datenschutzbestimmungen vereinfacht und zusammengeführt werden - statt heute 70 einzelner Dokumenten für verschiedene Dienste soll es nur noch eins geben. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen verkauft, betont Google. Die Stiftung Warentest kritisiert die Bestimmungen als zu vage.

Panda-Update für das Ranking

„Panda“ heißt das jüngste und bisher radikalste Update in Googles Ranking-Mechanismus, mit dem der Suchmaschinengigant Suchmaschinen-Manipulatoren den Kampf ansagt. Im Februar 2011 traf es bereits viele englischsprachige Seiten in den USA, kurz darauf folge Großbritannien. Es gilt vor allem sogenannten „Content-Farmen“ - Websites, in der eine Vielzahl freier Mitarbeiter Texte wie am Fließband produzieren, die vor allem darauf abzielen, mittels bestimmter Schlüsselworte bei Google gefunden zu werden. Die Firmen wollen somit einen hohen Anteil an Google-Besuchen erzwingen und mit Online-Werbung Geld verdienen.

Google wird persönlicher

Unter dem Namen „Search, plus Your World“ (Suche - plus Deine Welt) kündigte Google im Januar 2012 an, die Suchergebnisse künftig stärker zu personalisieren.  „Wir verwandeln Google in eine Suchmaschine, die nicht nur Inhalte versteht, sondern auch Menschen und Beziehungen“, so Google. Noch ist es nur in der englischen Suche umgesetzt. Bei der Option der „persönlichen Ergebnisse“ durchstöbert Google beispielsweise Bilder, die beim Online-Netzwerk Google+ oder dem Online-Fotoalbum Picasa hochgeladen wurde. Ein Google-Manager erläuterte die Funktionsweise am Beispiel seines Schnautzer-Hundes Chikoo. Eine normale Suche bei google.com nach dem Begriff „Chikoo“ liefere derzeit vor allem Hinweise auf den Breiapfelbaum, der in Indien und Pakistan Chikoo genannt wird. Künftig könne er aber mit Hilfe der Suchmaschine auch schnell die Bilder aufstöbern, auf denen sein Hund zu sehen sei.

Veränderungen im Kleinen

Google schraubt ständig im Kleinen an den Google-Funktionalitäten herum. So wurde die Video-Suche in der Status-Bar durch eine Suche ersetzt, die nur noch Videos auf Googles eigener Plattform Google findet. Die eigentliche Videosuche lässt sich aber noch über http://www.google.com/videohp aufrufen. Ebenfalls geändert hat sich das Verhalten beim Wechsel von der Websuche auf Google News. Die Eingaben der Websuche gehen dabei verloren. Ebenfalls relativ neu ist die Umwidmung des Suchoperators +. Dieser dient nun dazu Profile aus Googles sozialem Netzwerk Google+ aufzurufen, statt eine wortgetreue Suche zu erzwingen. Diese lässt sich aber noch durchführen, indem das Wort in Anführungszeichen gesetzt wird.

Von der „New York Times“ befragte Mediziner sagten, nur wenige gesundheitliche Probleme machten ein so langes Schweigen notwendig. Eine Möglichkeit könnten demnach Polypen auf den Stimmbändern sein. Die Online-Branche ist seit der zunächst geheim gehaltenen Krebserkrankung von Apple-Chef Steve Jobs empfindlich geworden, wenn Unternehmen Erkrankungen ihrer Top-Manager nicht schlüssig erläutern können.

„Dieses Quartal ist auch etwas besonderes, weil nun Motorola ein Teil der Google-Familie ist“, erklärte Page schriftlich. Der Konzern hatte Mitte Mai die 12,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Handy-Herstellers abgeschlossen. Seitdem fließen die Motorola-Zahlen in die Bilanz ein.

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