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18.11.2011

21:40 Uhr

Suchmaschine

Yahoo reißt sein Kultschild ab

VonAxel Postinett

Es ist das Ende einer Ära - und ein Akt mit Symbolkraft. Der Internetkonzern Yahoo reißt seine einstige Kult-Werbetafel in San Francisco ab. Das Ende eines Wahrzeichens. Eine Erinnerung.

Ein Schild mit Kultcharakter: Yahoo in San Francisco. Reuters

Ein Schild mit Kultcharakter: Yahoo in San Francisco.

San Francisco Sie hat vier Vorstandschefs überlebt und einen Dotcom-Crash, den Aufstieg von Google miterlebt und den Abstieg von AOL. Sie ist der Liebling von Tausenden von Autofahrern, die sie täglich mit freundlichen Sprüchen auf dem Weg zur Arbeit aufmuntert. Doch jetzt sind ihre Tage gezählt: Nach über zehn Jahre wird im Dezember die große Yahoo-Werbetafel am Interstate 80 in San Francisco abgerissen. San Francisco verliert ein liebgewonnenes Wahrzeichen und im Silicon Valley geht eine Ära zu Ende. Ab Dezember ist der Werbeplatz wieder zu mieten, bestätigte ein Sprecher des Werbevermarkters Clear Channel dem „San Francisco Egotist“. Was mit dem Schild passiert ist unklar.

Es ist das erste Werbeplakat, das ich vermissen werde. Ich weiß noch wie heute, als ich in 2000 an einem strahlenden Sonnentag zum ersten Mal mit klopfendem Herzen an der Tafel vorbei Richtung San Francisco gefahren bin. Wenig später ein erster Besuch in Sunnyvale bei Yahoo, Treffen mit Investoren und Gründern wie Shawn Fenning, ein junger Mann der mit Napster eine ganze Industrie revolutionierte, bevor er selbst unterging. Konferenzen, auf der ein junger Larry Page seine Suchmaschine Google vorgestellt hat. Es war eine wilde und aufregende Zeit des Aufbruchs, es wurde Geschichte gemacht. Und ich durfte ein Stück weit dabei sein.

Es sollte damals einfach mal ganz was anderes her. Damals, vor dem großen Crash 2001, der die halbe New Economy ausradiert und viele Investoren ruiniert hat. Zahllose einfallslose Pappplakate von Start-Up-Unternehmen säumten die Highways zwischen dem Silicon Valley und San Francisco, die pulsierenden Schlagadern der neuen Zeit. Yahoo, damals in voller Blüte und vor Kraft strotzend, wollte sich davon abheben.

Die Agentur Black Rocket entwickelte die Idee für die ganz im Retrostil der Motelschilder der fünfziger Jahre gehaltene Leuchtreklame. Im Mittelpunkt ein riesiger Yahoo-Schriftzug, alles altmodisch mit Neon und Glühbirnen bestückt und einem zweizeiligen Leuchtkasten für wechselnde Botschaften, die mit Plastikschiebebuchstaben per Hand eingetragen wurden. Mal gab es Werbung für Yahoo-Produkte, mal grüßten die Autofahrer einfach nur Sätze wie „Du siehst gut aus heute Morgen“ oder „Hupe, wenn du Zombies liebst. Happy Halloween!“ Ein kleiner Neon-Schriftzug am oberen Rand, wie typisch an allen US-Motels, signalisiert „No vacancies“, keine Zimmer frei, wobei das „No“ allerdings nie erleuchtet ist. Yahoo ist weiter offen für alle.

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