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01.10.2013

12:30 Uhr

Suchmaschinen-Dominanz

Google gibt im Kartellstreit mit EU nach

Google hat noch einmal nachgebessert: Im Kartellstreit mit der EU-Kommission bietet der Internet-Riese etliche Zugeständnisse an. Jetzt signalisiert die Behörde, dass sie sich damit zufrieden geben will.

Die EU-Kommission wirft Google vor, in seiner Suchmaschine eigene Dienste zu bevorzugen. Nun hat der Konzern Zugeständnisse angeboten. dpa

Die EU-Kommission wirft Google vor, in seiner Suchmaschine eigene Dienste zu bevorzugen. Nun hat der Konzern Zugeständnisse angeboten.

BrüsselDer jahrelange Wettbewerbsstreit zwischen dem Internetkonzern Google und der EU-Kommission nähert sich einer Lösung. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte am Dienstag im Europaparlament, Google habe die Zugeständnisse zu seinem Suchmaschinen-Geschäft „wesentlich nachgebessert“, um die Angebote von Konkurrenten prominenter anzuzeigen. Der EU-Kommissar zeigte sich optimistisch, den Streit zu den Akten legen zu können: „Ich werde weiter an der Beilegung des Falls arbeiten und voraussichtlich im kommenden Frühjahr eine Entscheidung treffen.“

Brüssel hatte 2010 ein Kartellverfahren gegen Google eröffnet und droht mit einer milliardenschweren Geldbuße. Nach Ansicht der EU-Behörde bevorzugt Google bei der Anzeige von Suchergebnissen eigene Dienste vor Konkurrenzangeboten und benachteiligt Wettbewerber wie etwa Microsoft. Bei solchen EU-Verfahren droht eine hohe Geldbuße von maximal zehn Prozent des Jahresumsatzes.

Dabei geht es um spezialisierte Bereiche wie den Kartendienst Maps, Preisvergleiche oder die Hotelsuche. Google ist in Europa unangefochten die Nummer Eins mit zum Teil über 90 Prozent Marktanteil bei der Internet-Suche.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Nach Worten Almunias ist Google nun bereit, Links zu Angeboten von Konkurrenten „deutlich sichtbarer“ anzuzeigen, etwa durch mehr Platz auf der Google-Seite und Logos.

Google selbst zeigte sich zufrieden und sprach von einer „sehr langen und sehr tiefgehenden Prüfung“ der EU-Kommission, in der immer neue Zugeständnisse verlangt worden seien. Kent Walker, Leiter der Google-Rechtsabteilung, schrieb in einer Erklärung: „Wir haben die schwierige Entscheidung getroffen, diese Forderungen zu erfüllen – in dem Interesse, eine gütliche Einigung zu erzielen.“

Erste Zugeständnisse von Google hatten Brüssel zunächst nicht ausgereicht. In den USA waren ähnliche Ermittlungen der amerikanischen Wettbewerbshüter für Google glimpflich ausgegangen.

Von

dpa

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