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15.05.2015

14:26 Uhr

Suchmaschinen-Konzern auf dem Weg nach Indien

Ein neuer Sari für Google

VonAxel Postinett

Google zieht gen Indien: Nach der Absage eines Bauprojekts an seinem Heimatstandort Mountain View sucht Google sein Heil in der Ferne. In Indien wird ein zweites Hauptquartier aufgebaut – was das bedeutet.

zieht Google mit einem Großaufgebaut. Doch wieso wählt der IT-Riese Indien statt Deutschland? Getty Images

In die indische Welt...

zieht Google mit einem Großaufgebaut. Doch wieso wählt der IT-Riese Indien statt Deutschland?

San FranciscoGenug ist genug: Mountain View will nicht noch mehr Google. Der Stadtrat des kalifornischen Städtchens machte dem geplanten Bau eines zweiten Hauptquartiers im Silicon Valley einen Strich durch die Rechnung. Jetzt weicht der gekränkte Internetriese nach Indien aus und macht aus der Not eine Tugend: In Hyderabad entsteht nicht nur die erste asiatische Firmenzentrale des Webriesen. Es wird auch der größte Standort außerhalb der USA überhaupt.

Mit Baukosten von umgerechnet 138 Millionen Dollar und geplanten 185.000 qm Fläche ist der Komplex praktisch so groß wie der ursprüngliche „Googleplex“ genannte Komplex im Valley. 6500 Googler arbeiten bereits in der indischen Großstadt, sie werden aus gemieteten Gebäuden umziehen. In fünf Jahren ist eine Verdopplung der Mannschaft auf 13.000 geplant.

Der erste Spatenstich ist für 2016 vorgesehen, teilte Kalvakuntla Taraka Rama Rao, IT-Minister des Bundesstaates Telangana, per Twitter mit. Er war extra nach Kalifornien gereist, um am Mittwoch die Absichtserklärung zu unterschreiben. Die Ankündigung fällt zusammen mit einer Niederlage im eigenen Hinterhof. Im Februar erst hatte Vorstandschef Larry Page Pläne für eine gigantische Erweiterung des angestammten Firmensitzes vorgestellt. In vier futuristischen Glaspalästen sollten 204.000 Quadratmeter Bürofläche entstehen, eingebettet in Grünanlagen und mit integrierten Fahrradwegen.

Der kühne Entwurf der Stararchitekten Bjarke Ingels und Thomas Heatherwick hätte selbst Apples neues „Raumschiff“ in Cupertino langweilig aussehen lassen. Doch der Stadtrat machte dem einen Strich durch die Rechnung. Page bekommt nur 47.000 Quadratmeter genehmigt. Für den Rest, zwei Drittel, ging der Zuschlag an die Job-Plattform LinkedIn.

Eigentlich wollten beide Unternehmen zusammen mehr als doppelt so viel Fläche haben, doch die Stadt steht mit dem Rücken zur Wand. Die Miet- und Immobilienpreise steigen seit Jahren ungebremst, tausende zusätzliche Googler würden den Druck nur noch weiter erhöhen. Viele der angestammten Einwohner werden von den hohen Preisen aus der Stadt gedrängt. Die Angst vor Demonstrationen geht um – gegen Google hat es solche bereits in San Francisco und Oakland gegeben. Die Verkehrssituation ist ohnehin schon chaotisch.

Der Stadtrat tritt auf die Expansionsbremse und Abhängigkeiten vermindern: „Google hat nichts falsch gemacht“, zitiert die San Jose Mercury News Bürgermeister John McAllister. „Ich will einfach nur wirtschaftliche Diversifikation.“ Google hat sich längst wie ein Krake über die ganze Stadt ausgebreitet und zahlreiche Immobilien gekauft oder gemietet.

Die lokale Silicon Valley Business News war während der Veranstaltung des Stadtrats zugegen und berichtet von einem „sichtlich verärgerten“ David Radcliffe, oberster Immobilien-Manager des Konzerns. „Ich weiß nicht, wie ich das mit nur einem Gebäude wirtschaftlich sinnvoll darstellen soll“, zitiert ihn das Blatt.

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