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23.06.2015

12:18 Uhr

Südkorea

Samsung-Erbe entschuldigt sich für Mers-Ausbreitung

Samsung-Erbe Lee Jae-yong hat sich für die Ausbreitung der Atemwegserkrankung Mers entschuldigt. Von den bislang 175 Kranken in Südkorea waren 85 Patienten, Angestellte oder Besucher des Samsung Medical Center in Seoul.

Mit einer Verbeugung entschuldigt sich der Samsung-Erbe bei den Opfern der Atemwegserkrankung Mers. ap

Lee Jae-yong

Mit einer Verbeugung entschuldigt sich der Samsung-Erbe bei den Opfern der Atemwegserkrankung Mers.

SeoulDer Erbe des südkoreanischen Elektronikkonzerns Samsung hat sich für die Ausbreitung der Krankheit Mers in dem von seiner Stiftung betriebenen Krankenhaus entschuldigt. Der 47-jährige Lee Jae-yong verbeugte sich am Dienstag bei einer Rede und sprach den Opfern der Atemwegserkrankung sein Beileid aus.

Von den bisher 175 Mers-Kranken in Südkorea waren 85 Patienten, Angestellte oder Besucher des Samsung Medical Center in Seoul.

Deshalb war Kritik aufgekommen, die Klinik habe nicht genügend zur Eindämmung des Virus getan oder gar fahrlässig gehandelt. „Unser Samsung Medical Center konnte die Infektion und die Ausbreitung von Mers nicht stoppen, die der Öffentlichkeit so viel Schmerz und Sorgen bereitet hat“, sagte Lee in seiner ersten Rede als Vorsitzender des Samsung-Stiftung. „Ich beuge mein Haupt zur Entschuldigung.“

Die wichtigsten Infos zum Mers-Virus

Woher kommt das Virus?

Das Mers-Virus zählt zu den Coronaviren, zu denen auch viele Schnupfen- und Erkältungsviren gehören. Mers ist vor allem im Nahen Osten verbreitet, da die Krankheit meist von Kamelen auf Menschen überspringt. Daher auch der Name Mers, der für „Middle East Repiratory Syndrome“ steht. Erstmals wurde der Erreger 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen. Bis Mitte Juni hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 1289 bestätigte Mers-Fälle erfasst, darunter mindestens 455 Todesopfer.

Welche Symptome verursacht der Erreger?

Mers löst zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber und Atemprobleme aus. In schweren Fällen kann es zu Lungenentzündung und Nierenversagen kommen.

Wie begann der aktuelle Mers-Ausbruch in Südkorea?

Ein 68-jähriger Mann hat sich bei einer Reise in den Nahen Osten infiziert und das Mers-Virus nach Südkorea gebracht. Bei ihm wurde der Erreger am 20. Mai nachgewiesen. Da hatte der Patient schon Angehörige, Pflegepersonal in der Klinik sowie Mitpatienten und deren Besucher angesteckt. Anscheinend erkannten Ärzte die Erkrankung zunächst nicht.

Wie gefährlich ist Mers?

Der Ausbruch in Südkorea lässt vermuten, dass das Virus ansteckender ist als angenommen. Experten glauben, dass es sogenannte Superspreader gibt, also Erkrankte, die besonders viele Menschen anstecken. Gleichzeitig scheint das Virus in Südkorea aber auch weniger gefährlich zu sein. Die Todesrate liegt in Südkorea bei 7 bis 9 Prozent, deutlich unter der der weltweit registrierten Fälle (circa 35 Prozent).

Ist so ein Ausbruch auch in Deutschland möglich?

Davon gehen Experten aus. Mers wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts bislang bei drei Patienten in Deutschland nachgewiesen. Alle brachten den Erreger von der Arabischen Halbinsel mit. Weitere importierte Fälle seien jederzeit möglich, meint das Robert Koch-Institut. Jährlich fliegen etwa eine Million Menschen von der Arabischen Halbinsel nach Deutschland.

Gibt es einen Impfstoff?

Forscher arbeiten derzeit an einer Schutzimpfung gegen Mers. Ein Impfstoff wurde an der Universität München bereits an Mäusen getestet. Bald könnte eine erste Studie an Menschen zur Verträglichkeit folgen.

Lee soll seinem kranken Vater Lee Kun Hee, 73, auch an der Spitze von Samsung nachfolgen, muss dafür nach Ansicht von Marktbeobachtern aber noch an Profil gewinnen. Die Rede zu Mers fiel auf seinen 47. Geburtstag und wurde landesweit im Fernsehen ausgestrahlt. Die Leitung der wohltätigen Stiftung von Samsung übernahm er erst im Juni. In der Konzernspitze fungiert er als Vizevorsitzender, sitzt aber nicht im Vorstand.

Der ältere Lee wird seit einem Herzinfarkt im Mai 2014 selbst im Samsung Medical Center behandelt.

Von

ap

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