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18.01.2011

09:01 Uhr

Südmersen geht

Bertelsmann leidet unter Schwäche im Servicegeschäft

VonHans-Peter Siebenhaar

Einer der Wachstumsmotoren bei Bertelsmann, das Logistik- und Servicegeschäft, stottert. Deshalb muss Eckhard Südmersen, Vorstand des Druck- und Mediendienstleisters Arvato, gehen.

Bertelsmann greift bei Arvato durch. Quelle: ap

Bertelsmann greift bei Arvato durch.

FRANKFURT. Der Logistikmanager Eckhard Südmersen, der im Juli 2007 wieder zu Bertelsmann kam, verliert sein Amt mit sofortiger Wirkung. Das bestätigten Unternehmenskreise dem Handelsblatt. Südmersen habe die in ihm gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Arvato hat die Meldung inzwischen bestätigt.

Der Abschied von Südmersen ist intern keine Überraschungen. Bereits seit Wochen kursierten in Gütersloh Gerüchte, dass der Arvato-Vorstand das Handtuch werfe. An ihm wurde die fehlende Offensivstrategie im Service-Bereich kritisiert.

Der 51-Jährige übernahm vor dreieinhalb Jahren die Verantwortung von Arvato Services. Dort war er für Kundenbindung, Logistik, Finanz- und Datenmanagement in Deutschland, Benelux und Osteuropa verantwortlich. Südmersen war für einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro verantwortlich sein, den annähernd 15 000 Mitarbeiter erwirtschaften.

Der frühere Vorstand des Handelskonzerns Kaufland, eine Tochter der Schwab-Unternehmensgruppe (Lidl), konnte aber nicht die hohen Erwartungen von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski und Arvato-Chef Rolf Buch erfüllen. Südmersen war mit großen Erwartungen zu Bertelsmann zurück gekehrt. Er sollte Arvato Services zu einen der Perlen im weit verzweigten Reich von Bertelsmann machen.

Bertelsmann-Konzernchef Hartmut Ostrowski und Südmersen kennen sich seit vielen Jahren gut. Denn Südmersen begann seine Karriere 1991 als Hauptabteilungsleiter Betriebswirtschaft in der Bertelsmann Distribution, heute eine Tochter von Arvato. Der Sohn eines mittelständischen Möbelunternehmers aus Bad Oeynhausen übernahm vier Jahre später die Leitung der hochprofitablen Vereinigten Verlagsauslieferung (VVA) in Gütersloh. Die Bertelsmann-Tochter ist der führende Logistikpartner der Buchbranche in Deutschland. Ostrowski freute sich bei seiner Rückkehr 2007 über Südmersens "Rückkehr in die westfälische Heimat", wie damals Insider berichteten.

Der Ostwestfale Südmersen hatte selbst bei Bertelsmann hohe Wachstumschancen geweckt, die er aber nicht erfüllen konnte. Das ist ihm offenbar zum Verhängnis geworden. Im Fachblatt "Absatzwirtschaft" kündigte der Arvato-Manager nach eineinhalb Jahren im Amt noch eine rosige Zukunft an: "Marketinglogistik ist eine Kernleistung innerhalb von Arvato Services. Wir sind Marktführer. Der Schwerpunkt für Marketinglogistik liegt in der Automobilindustrie sowie dem Banken- und Versicherungsbereich, aber wir werden unsere Kompetenzen auch auf neue Branchen übertragen.

Das Marktvolumen in Deutschland beträgt nach unseren Schätzungen knapp 500 Millionen Euro. Wir haben aktuell einen Marktanteil von etwa 20 Prozent - es gibt aber noch genug Wachstumspotenzial." Wir die Situation von Arvato Services derzeit exakt aussieht, war nicht zu erfahren. Das Familienunternehmen Bertelsmann veröffentlicht keine detaillierte Bilanz, die darüber Auskunft gibt.

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