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21.10.2015

18:03 Uhr

SumUp

Berliner Bezahldienst greift in den USA an

Nach einer Häufung von Betrugsfällen ist die Bankkarte mit Magnetstreifen in den USA ein Auslaufmodell. Nun wird auf das Verfahren mit Chip und PIN-Eingabe umgestellt. Der Bezahldienst SumUp will davon profitieren.

Der Tablet-Computer als Kasse: Bezahldienstleister wie SumUp wollen eine Alternative zum Bargeld bieten. SumUp

Der Tablet-Computer als Kasse: Bezahldienstleister wie SumUp wollen eine Alternative zum Bargeld bieten.

BerlinDer Berliner Mobil-Bezahldienst SumUp nutzt den Wandel im amerikanischen Bankkarten-Geschäft für einen Angriff auf den dortigen Marktführer Square. SumUp bringt in den USA ein Kartenlesegerät auf den Markt, das auch Zahlungen per Chip sowie kontaktlos über NFC-Funk unterstützt. Damit können Händler zum Beispiel auch Zahlungen über die Smartphone-Bezahldienste von Apple und Samsung sowie Googles Android Pay für Telefone mit dem Betriebssystem des Internet-Konzerns annehmen.

In den USA waren bisher Karten mit Magnetstreifen breit im Einsatz, nach einer Häufung von Betrugsfällen wird auf das in Europa gängige Verfahren mit Chip und PIN-Eingabe umgestellt. Jetzt sei der perfekte Zeitpunkt für einen Markteintritt, erklärte SumUp-Chef Daniel Klein zur Ankündigung am Mittwoch.

SumUp gehört zu einer Reihe von Anbietern, die Lesegeräte für Smartphones und Tablets zum Bezahlen mit Bankkarten vermarkten. Damit sollen vor allem kleinere und mittlere Händler, Dienstleister oder Gaststätten Kartenzahlungen annehmen können. Die Bezahldienste nehmen eine Gebühr.

Mobile Bezahlsysteme fürs Smartphone

Square

Der Vorreiter ist Square: Das US-Unternehmen, hinter dem Twitter-Gründer Jack Dorsey steckt, bietet sein Adapter für Smartphones und Tablet-Computer seit Mai 2010 in den USA an. Zu den Geldgebern gehören neben namhaften Risikokapitalgebern auch der Kreditkarten-Gigant Visa und die Kaffeekette Starbucks, die das System in ihren Geschäften einsetzt. In Europa bietet Square seine Dienste aber noch nicht an.

iZettle

Das schwedische Unternehmen iZettle ging im Mai 2011 an den Start. Es ist bislang vor allem in Europa tätig, macht Square aber seit Juni 2013 aber auch in dessen Hinterhof Mexiko Konkurrenz. Zu den Geldgebern zählen die Kreditkarten-Riesen American Express und Mastercard, außerdem die spanische Großbank Banco Santander und der skandinavische Finanzkonzern SEB. Die Deutsche Telekom und die Volksbanken vertreiben das Lesegerät in Deutschland. iZettle hat nach eigenen Angaben „weit mehr als 100.000 Nutzer“ in Europa.

Payleven

Payleven stammt aus dem Umfeld der Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet, mit der die Gebrüder Samwer zahlreiche Unternehmen gründen oder unterstützen. Über die Investment-Firma halten sie etwas mehr als 50 Prozent der Anteile. Zu den weiteren Investoren zählen Holtzbrinck Ventures und New Enterprise Associates. Der Bezahldienstleister hat mit Apple einen prestigeträchtigen Vertriebspartner gewinnen können, die Lesegeräte werden europaweit in den Apple Stores und online verkauft. Im Handel ist das System unter anderem bei Metro Cash & Carry, Selgros und Schaper erhältlich.

Das Bezahlsystem ist seit August 2012 auf dem Markt, in Deutschland wie auch in etlichen anderen Ländern in Europa. Zu Nutzerzahlen und Umsatz äußert sich das Unternehmen nicht.

Das Chip-Lesegerät kostet einmalig 99 Euro plus Mehrwertsteuer, Die Gebühren betragen 0,95 Prozent der Summe mit EC- und Debitkarten sowie 2,75 Prozent der Summe bei Zahlung mit Kreditkarte.

SumUp

Der Berliner Mobil-Bezahldienst SumUp ist in Deutschland seit August 2012 am Start. Das Unternehmen ist außerdem in Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Italien aktiv, ebenso in Russland.

Zu den Investoren gehören der Kreditkarten-Riese American Express und das Gutschein-Portal Groupon – sie investierten einen zweistelligen Millionenbetrag. Auch die spanische Großbank BBVA hat sich beteiligt. Zu den deutschen Kapitalgebern zählen die Beteiligungsgesellschaften b-to-v Partners, Shortcut Ventures und Tengelmann Ventures sowie der Investor Klaus Hommels.

Das Kartenlesegerät gibt SumUp in Deutschland derzeit kostenlos ab, pro Transaktion werden 2,75 Prozent Gebühr fällig. Darüber hinaus gibt es eine „EC-Flatrate“, bei der für rund 30 Euro im Monat ein Umsatz von bis zu 5000 Euro mit EC-Karten inklusive ist.

Wie viele Geräte im Einsatz sind, legt das Unternehmen nicht offen, ebenso wenig den Umsatz.

Streetpay

Hinter der Firma Streetpay steckt die Firma Masterpayment AG aus Starnberg. Sie brachte im Juni 2012 ihr Bezahlsystem auf den Markt. Insgesamt 3000 Geräte sind nach Unternehmensangaben in regelmäßiger Verwendung. Beim Vertrieb arbeitet sie unter anderem mit dem Mobilfunker E-Plus zusammen. Ein Schwerpunkt des Geschäfts liegt im Nahen Osten, wo lokale Firmen die Lesegeräte vertreiben. Kein Wunder: Die königliche Familie von Abu Dhabi hält 33 Prozent der Anteile. Der Rest gehört den Gründern und dem Management.

Streetpay bietet unterschiedliche Geräte an, im günstigsten Fall kostenlos. Pro Transaktion werden bis zu 2,7 Prozent fällig. Das Unternehmen peilt nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von drei Millionen Euro an, das Volumen an abgewickelten Zahlungen wächst demnach von Quartal zu Quartal um 100 bis 150 Prozent.

Wirecard AG

Das deutsche Unternehmen Wirecard AG ist mit Systemen für Zahlungsverkehr und Risikomanagement groß geworden. Jetzt bietet es als White-Label-Lösung auch ein Kartenlesegerät an, das andere Unternehmen unter eigener Marke vermarkten. So stattet der Dienst MyTaxi seit März 2013 Fahrer in Deutschland, Spanien und den mit dem Terminal aus.

Paypal

Die Ebay-Tochter Paypal gehört zu den großen Zahlungsdienstleistern im Internet, will aber auch außerhalb der virtuellen Welt expandieren. Das Aufstecksystem Paypal Here wird bislang allerdings noch nicht in Deutschland vertrieben.

Orderbird

Auf Restaurants, Bars und Diskotheken ist der Kassensystemhersteller Orderbird spezialisiert – auch eine Aufstecklösung für mobile Geräte hat er im Angebot. Bei EC-Kartenzahlungen wird eine Gebühr von 1,7 Prozent fällig, bei Kreditkartenzahlungen 2,7 Prozent. Dabei gebe es weder eine Mindestvertragslaufzeit noch eine Grundgebühr, teilt das Unternehmen mit. Für die Profilösung my.orderbird werden 39 Euro im Monat fällig.

Die Firma Square aus San Francisco ist ein Pionier der Geschäftsidee. Sie geht demnächst an die Börse. Gründer und Chef ist Jack Dorsey. Der Twitter-Mitgründer übernahm vor kurzem auch die Führung bei dem Kurznachrichtendienst.

Von

dpa

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