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27.11.2014

17:54 Uhr

Swatch-Chef Nick Hayek

Keine Angst vor Apples Computeruhr

ExklusivDer Schweizer Uhrenkonzern Swatch reagiert gelassen auf die neue Apple Watch. Swatch-Chef Nick Hayek spricht der Apple-Uhr sogar die Massentauglichkeit ab und sagt: „Unter Steve Jobs hätte es das nicht gegeben.“

Swatch-Chef Nick Hayek: „All diese Smart Watches werden unsere Branche nicht revolutionieren.“ ap

Swatch-Chef Nick Hayek: „All diese Smart Watches werden unsere Branche nicht revolutionieren.“

DüsseldorfNick Hayek, Chef des Schweizer Uhrenkonzerns Swatch, sieht nicht die Uhren-Industrie, sondern den Hersteller Apple selbst unter Druck wegen der geplanten Computer-Uhr Apple Watch. „Unter Steve Jobs hätte es das nicht gegeben, dass Apple ein Produkt präsentiert, das noch gar nicht massentauglich ist“, sagte Hayek in einem Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe).

„Daran sehen Sie, unter welchem Druck selbst ein Gigant wie Apple steht.“ Von den vorgestellten Funktionen der Apple Watch zeigt sich Hayek enttäuscht. „All diese Smart Watches werden unsere Branche nicht revolutionieren“, erwartet Hayek. Für den kommenden Sommer kündigte er eine eigene Fitness-Swatch an.

Smartwatches

Wenn die Uhr schlau wird

Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches technisch möglich und erschwinglich.

Trend zum „Wearable Computing“

Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit auch immer tragbarer. Neben intelligenten Uhren gibt es beispielsweise auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom „Wearable Computing“ – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

Ergänzung zum Smartphone...

Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwer zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern sind eine Erweiterung fürs Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

... und Ersatz fürs Handy

Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

Assistent und Freisprecher

Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eigehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

Der Akku als Schwachpunkt

Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

Start-ups und Konzerne

Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Zahlreiche Elektronikhersteller haben ebenfalls Computer-Uhren entwickelt, von Sony als einem der Pioniere bis zu Apple mit der Apple Watch.

Gerüchte um Apple

Offiziell ist noch nichts, doch Gerüchten zufolge arbeitet Apple an einer Smartwatch. Den Namen „iWatch“ hat das Unternehmen offenbar bereits in mehreren Ländern schützen lassen. 100 Entwickler sollen an dem Geheimprojekt beteiligt sein. Auch Microsoft wird großes Interesse an diesem Markt nachgesagt. Google bestätigte, ein Start-up mit Smartwatch-Technologie übernommen zu haben. Der Wettbewerb dürfte also hart werden.

Schwierige Prognose

Wie sich junge Märkte entwickeln, ist schwierig zu prognostizieren – die Vorhersagen für Smartwatches gehen weit auseinander. Während die Marktforschungsfirma IDC ein rapides Wachstum voraussagt, erwarten Forrester und NPD Displaysearch eine baldige Abkühlung des Marktes.

Statt Umsatz-Einbußen erwartet Hayek, dass die Apple Watch auch die Geschäfte der Swatch-Group beflügeln wird. „Meine Erwartung ist, dass viele dieser Kunden irgendwann eine richtige Uhr kaufen.“ Dieses Phänomen sei bereits beim Siegeszug der Smartphones zu beobachten gewesen.

Apple will seine neue Computer-Uhr ab dem kommenden Frühjahr verkaufen. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten, dass der Konzern allein im ersten Jahr rund 30 Millionen Exemplare der neuen Uhr verkaufen wird. Beobachter fürchten, dass der Erfolg der Apple Watch eine Gefahr für den Absatz von Schweizer Uhren darstellen könnte.

Kommentare (1)

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Sergio Puntila

27.11.2014, 19:53 Uhr

„Unter Steve Jobs hätte es das nicht gegeben.“
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Und Hayek hat (leider) recht: Ein Markt, den man ggf über Lizenzen bedienen kann und nicht über PseudoInnovationen.

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