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29.10.2015

03:58 Uhr

SXSW-Boykott

Buzzfeed stemmt sich gegen Internet-Hass

VonAxel Postinett

Die Gute-Laune-Messe SXSW sagt kritische Veranstaltungen aus Furcht vor Gewalt ab. Mit einem Boykott der gesamten Messe wollen zwei Medienriesen nun die Diskussionsrunden erzwingen. Das Thema: Hass und Gewalt.

Die South by Southwest in Austin, Texas (Archivfoto): Im Vorfeld der Mischung aus Konferenz und Festival mit Musik, Film und Technologie gibt es Ärger um zwei Diskussionsrunden über Hass und Gewalt im Internet. dpa

South by Southwest

Die South by Southwest in Austin, Texas (Archivfoto): Im Vorfeld der Mischung aus Konferenz und Festival mit Musik, Film und Technologie gibt es Ärger um zwei Diskussionsrunden über Hass und Gewalt im Internet.

San FranciscoWer noch immer nicht glaubt, dass Hass, Demütigung, Mobbing und Gewalt im Internet ein reales Problem ist, wurde zum Wochenanfang in den USA mal wieder eines Besseren belehrt. Eigentlich ist das Film-, Musik- und Tech-Festival South By Southwest (SXSW) in Austin eine Woche lang eine Mischung aus endlosen Partys, Film und Musik. Zehntausende pilgern jedes Frühjahr nach Texas.

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Doch jetzt hat die Realität die Wohlfühlveranstaltung eingeholt. Am Montag flogen zwei Diskussionsrunden aus dem Programm. Es sollte um Mobbing in Online-Spiele-Foren gehen. Abgesagt wurden sie, weil laut Veranstalter anonym "zahlreiche Androhungen von Gewalt" eingegangen waren, wenn sie stattfinden sollten. Die Sicherheit der Besucher gehe vor, so die Veranstalter.

Dagegen ging zuerst die in den USA sehr einflussreiche Online-Mediengruppe Buzzfeed auf die Barrikaden. Sie forderte am Dienstag in einem offenen Brief die Wiedereinsetzung der Diskussionsrunden. Anderenfalls werde sie die gesamte Veranstaltung boykottieren und ihre Moderatoren und Diskutanten von allen Panels abziehen.

Die Topmanager zeigten in dem im scharfem Ton gehaltenen kein Verständnis dafür, dass Diskussionen über digitales Mobbing wegen digitalem Mobbing abgesagt werden. Mobbing und Androhung von Gewalt bis zum Mord seien ein "ernstes Problem für Technologiefirmen" und auch für Journalisten. Das setzte eine Kettenreaktion in Gang.

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Kurz nach der Nachricht von Buzzfeed verkündete Jim Bankoff, CEO von Vox Media, sein Unternehmen werde ebenfalls fernbleiben. Die US-Kongressabgeordnete Katherine Clark forderte die SXSW-Veranstalter ebenfalls auf, die Podiumsdiskussionen unverzüglich wieder ins Programm zu nehmen. Sonst helfe die SXSW denen, "die Frauen unter Gewaltandrohung mundtot machen wollen." Bei den Veranstaltungen sollte es schließlich unter anderem um das sogenannte "Gamergate" gehen, bei dem Spieleentwicklerinnen und Aktivistinnen in Chatgruppen systematisch psychologisch fertiggemacht und mit Gewalt bedroht wurden und werden.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Mobbing und Schikane werden im Silicon Valley nur zu gerne verharmlost und kleingeredet. Facebook steht etwa in internationaler Kritik, weil es nur widerwillig gegen Hasskommentare gegen Flüchtlinge vorgeht.

Der damalige Twitter-CEO Dick Costolo verschickte Anfang Februar eine drastische interne Notiz: "Wir versagen seit Jahren komplett in dem Bemühen, unsere Kunden vor Mobbing und Schikanen zu schützen." Der Aufsichtsratschef der anarchistischen Diskussionsplattform Reddit zeigte sich "völlig entsetzt" über den Ton, in dem die damalige Vorstandschefin Ellen Pao schikaniert und gedemütigt wurde.

Aufsehen erregte der Fall einer Frau, die auf Myspace eine 13-jährige Nachbarin so lange drangsalierte und demütigte, bis sie schließlich Selbstmord beging. Weil keine Gesetze für einen solchen Fall existieren kam die Frau straffrei davon.

SXSW-Chef Hugh Forrest hat bislang sehr schwammig auf die aufkochende Diskussion reagiert und glaubt, dass die Aufrechterhaltung einer "zivilen und respektvollen Diskussion" wichtiger sei, als "irgendeine spezielle Veranstaltung". Viele Online-Kommentatoren sehen das als die faktische Kapitulation der Messeveranstalter an. Hinter den Kulissen, so das Online-Portal recode, werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Wie sie aussehen könnte, ist aber völlig offen.

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