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30.07.2015

15:12 Uhr

T-Mobile-US-Chef Legere

Der wichtigste Mann der Telekom

John Legere macht die US-Tochter der Deutschen Telekom hübsch für einen milliardenschweren Verkauf. Telekom-Chef Höttges lässt dem Exzentriker freie Bahn. Die neuesten Zahlen von T-Mobile US geben ihm Recht.

„Bist du sauer, Mann?“ ap

T-Mobile-US-Chef John Legere

„Bist du sauer, Mann?“

New York/FrankfurtMarkenzeichen Magenta-Shirt, Anzug Fehlanzeige: Für einen Topmanager gibt John Legere ein ziemlich ungewöhnliches Bild ab – zur biederen Telekom passt der berufsjugendliche Exzentriker eigentlich ganz und gar nicht. Doch der Chef der US-Tochter T-Mobile genießt das Vertrauen der Konzernführung und darf das Geld mit vollen Händen ausgeben. Für die T-Aktionäre ist der Mann enorm wichtig – denn T-Mobile soll möglichst teuer verkauft werden. Auf wen setzen die Bonner ihre Hoffnungen in den USA?

Legere ist eine Marke: 1,5 Millionen folgen ihm bei Twitter, wenn er im Central Park Joggen geht, wird es live über die Streaming-App Periscope übertragen. Im Werbespot wird der 57-Jährige als Comic-Held stilisiert, der als rebellischer Underdog gegen ein Kartell der US-Mobilfunkriesen wie AT&T oder Verizon kämpft. An einem zu kleinen Ego leidet Legere definitiv nicht. Regelmäßig keilt er gegen die Konkurrenz aus – und das mitunter ziemlich derbe.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Zuletzt knöpfte sich Legere bei Twitter Marcelo Claure vor, den Chef des drittgrößten US-Mobilfunkers Sprint: „You mad, bro?“, „Bist du sauer, Mann?“ - verhöhnte er den Rivalen, der es gewagt hatte, die Werbung von T-Mobile als Schwindel („fake show“) zu bezeichnen. „Marcelo ist wütend [...] weil wir ihnen in den Hintern treten.“ Claure ist nur Legeres jüngstes Opfer – auch Donald Trump, Milliardär und US-Präsidentschaftskandidat, wurde unlängst zur Zielscheibe.

Sich mit ihm anzulegen, das sei, als ob ein Nichtschwimmer sich ins tiefe Wasser wagen würde, tönte Legere kürzlich in einem TV-Interview. Was genau die Angeberei soll, ist nicht ganz klar. Doch er spuckt auch deshalb große Töne, weil die Zahlen für ihn sprechen.

Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um knapp 14 Prozent auf 8,18 Milliarden US-Dollar (7,46 Milliarden Euro), der um Sonderposten bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um ein Viertel auf 1,82 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn unter dem Strich lag hingegen knapp acht Prozent niedriger bei 361 Millionen Dollar. Außerdem rechnet Legere mit mehr neuen Kunden als bisher. Nun sollen es zwischen 3,4 und 3,9 Millionen neue Abonnenten nach Abzug von Kündigungen sein.

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