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27.07.2016

15:30 Uhr

T-Mobile US

Telekom-Tochter setzt Siegeszug in Amerika fort

Trotz einer neuen Offensive des Wettbewerbers Sprint kann T-Mobile US Millionen neue Kunden in den USA gewinnen. Hinter dem Erfolg steht Manager John Legere – und Milliardenhilfen des deutschen Mutterkonzerns.

Die Deutsche Telekom hält noch zwei Drittel der Anteile der US-Tochter und will sich langfristig aus dem hart umkämpften US-Markt zurückziehen. dpa

T-Mobile in New York

Die Deutsche Telekom hält noch zwei Drittel der Anteile der US-Tochter und will sich langfristig aus dem hart umkämpften US-Markt zurückziehen.

FrankfurtDie Telekom-Tochter T-Mobile US hält dank Millionen neuer Kunden ihren Erfolgskurs. Das Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) sei im zweiten Quartal um gut ein Drittel auf 2,5 Milliarden Dollar gestiegen, teilte der drittgrößte Mobilfunknetzbetreiber der USA am Dienstag mit.

Die Zahl der Handynutzer wuchs um 1,9 Millionen auf 69 Millionen. Der Mann hinter dem rasanten Wachstum ist John Legere. Der für seine langen Haare und seine Lederjacke bekannte Manager sanierte T-Mobile US mit milliardenschwerer Hilfe vom Bonner Mutterkonzern und frechen Marketing-Auftritten.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Allerdings droht T-Mobile US erstmals seit Jahren Ungemach: Der abgeschlagene Rivale Sprint kommt langsam wieder auf die Beine. Im jüngsten Quartal, dessen Zahlen Anfang der Woche vorgestellt worden waren, unterschrieben bei dem Markt-Vierten 173.000 Kunden einen Handyvertrag – es war das größte Kundenplus in dem Zeitraum seit neun Jahren. Die Sprint-Aktien schnellten danach um 30 Prozent nach oben.

Legere schreckt die neue Offensive des Wettbewerbers offenbar nicht. T-Mobile luchse nicht nur Sprint, sondern auch den beiden Marktführern AT&T sowie Verizon weiterhin Kunden in Rekordzahl ab, teilte er auf Twitter mit. Gleichzeitig polierte er die Kundenprognose für dieses Jahr auf und erwartet nun bis zu 3,8 Millionen neue Handynutzer nach bislang maximal 3,6 Millionen.

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Verizon kauft Yahoo – das ist kein gutes Zeichen für T-Mobile USA. Die originellen Aktionen des Chefs waren im Endeffekt nur Preissenkungen. Und nicht nachhaltig. Es ist Zeit für eine Trennung. Eine Analyse.

Die Geschäftsprognose stutzt er hingegen leicht zurecht: Für dieses Jahr erwartet T-Mobile US ein Betriebsergebnis von 9,8 bis 10,1 Milliarden Dollar statt wie bislang 9,7 bis 10,2 Milliarden Dollar.

Die Deutsche Telekom hält noch zwei Drittel der Anteile und will sich langfristig aus dem hart umkämpften US-Markt zurückziehen. Die bisherigen Kaufinteressenten sprangen jedoch wegen des Widerstands des US-Kartellamts ab. Derzeit nimmt T-Mobile US an einer Versteigerung von neuen Funkfrequenzen teil. In der Zeit erlauben die US-Behörden keinen neuen Verkaufsversuch.

Von

rtr

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