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20.01.2011

10:07 Uhr

T-Systems-Chef Clemens

„Deutschland hinkt bei Stromprojekten hinterher“

VonSandra Louven, Jürgen Flauger

Der Chef der Telekom-Sparte T-Systems baut das Geschäft mit intelligenten Stromnetzen aus und fordert Unterstützung von der Politik. Reinhard Clemens über die deutsche Energiewirtschaft und seine Pläne in der Branche.

action press

Handelsblatt: Herr Clemens, die Energiewelt soll mit der Telekommunikation zusammenwachsen. In jedem Haus sollen Stromzähler hängen, die an das Internet angeschlossen sind. Was hat der Verbraucher von dieser sogenannten Smart-Grid-Technologie?

Reinhard Clemens: Er kann seinen Stromverbrauch besser kontrollieren und steuern. Die Stadtwerke werden mit den Daten ihr Netz effizienter managen und Endkunden dafür mit günstigeren Tarifen belohnen. Man kann Haushaltsgeräte an den Zähler anschließen. Damit können Kunden ihre Heizung von unterwegs anstellen oder die Alarmanlage aktivieren.

Handelsblatt: Will man das überhaupt?

Clemens: Der finanzielle Nutzen ist sicher nicht allzu groß. Es geht aber nicht nur darum, ob sich die neue Technik für Endkunden rechnet. Wir brauchen die elektronischen Zähler als Basis für intelligente Stromnetze. Sobald mehrere Millionen Photovoltaik-Anlagen unregelmäßig Strom einspeisen, bringt dies die Netze in Schwierigkeiten. Im schlimmsten Fall schalten sie ab. Ohne Smart Grid riskieren wir Stromausfälle. Das kann sich kein Industriestandort leisten.

Handelsblatt: Aber was hat der Verbraucher davon?

Clemens: Die Kunden wollen weniger Energie verbrauchen. Die Hersteller von Haushaltsgeräten haben sich darauf eingestellt: Miele etwa hat Waschmaschinen und Trockner im Programm, die sich erst einschalten, wenn der Strompreis unter eine bestimmte Marke gesunken ist. Solche Systeme funktionieren aber nur mit intelligenten Zählern.

Handelsblatt: Schont es die Umwelt wirklich, wenn die Waschmaschine nachts läuft?

Clemens: Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel: Bisher hat die Energiewirtschaft so viel Strom erzeugt, wie verbraucht wird. Sonne und Wind lassen sich aber nicht steuern. Wir werden künftig möglichst dann Energie konsumieren, wenn sie zur Verfügung steht. Die Frage ist hier nicht Tag- oder Nachtstrom, sondern ein Tarif, der sich an der aktuell verfügbaren Strommenge orientiert. Die Umwelt hat viel davon. Sobald erneuerbare Energien in die Grundlast integriert sind und einige Braunkohle-Kraftwerke abgeschaltet werden können, sinkt der CO2-Ausstoß.

Handelsblatt: Wann wird dies Realität?

Clemens: Die EU hat einen Rahmen vorgegeben. 2012 muss Deutschland darlegen, wie die Technik aufgebaut werden kann. 2020 sollen schon 80 Prozent der Haushalte einen elektronischen Zähler haben.



Handelsblatt: Bislang gibt es nur Pilotprojekte. Warum geht es nicht los?



Clemens: Deutschland hinkt da im Vergleich mit anderen Ländern in der Tat hinterher. Noch spüren die Versorger keinen Druck, die intelligenten Netze aufzubauen. Sie können ihre Kosten ja auf die Strompreise umlegen. Dabei bieten Smart Grids gerade für Stadtwerke eine Chance.

Kommentare (2)

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Reiner Vogels

20.01.2011, 11:39 Uhr

ich kann jedermann nur den Rat geben, keinen einzigen Cent in die "smart grids" bzw. in die Unternehmen, die darauf setzen, zu investieren. Diese Technik wird sich innerhalb der nächsten Jahre ebenso wie die CO2-Klimakatastrophen-These als extrem kostpieliger irrweg herausstellen.

Die Förderung der sog. "erneuerbaren" Energien - nach dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik ein Lügenwort - ist heute schon wegen der milliardenschweren Kostenbelastung für Wirtschaft und Verbraucher ein schweres Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Wenn erst nach der Alumniniumindustrie auch die Stahlindustrie, die Reifenindustrie, die Grundstoffchemie und ähnliche energieintensive industrien aus Deutschland vertrieben zu werden drohen, wird auch in die Führrungsetagen der Parteien und der großen Zeitungen wieder Vernunft einziehen. Dann wird man den kostpieligen Wahnsinn der "erneuerbaren" Energien so schnell wie möglich beenden.

Und dass es keinen Einfluss von CO2 auf die Klimaentwicklung der Erde gibt, lehrt inzwischen die tatsächliche Wetterentwicklung schaut, unübersehbar.

KMurr

20.01.2011, 14:33 Uhr

Achtung!
wenn sich ein ehemaliger Monopolist (Telekom)mit aktiven Monopolisten zusammentut wird das für die Verbraucher teuer und gefährlich. Mit den SmartMeter Daten kann man sehr gut Verbrauchsprofile erstellen. (http://www.secorvo.de/publikationen/verhaltensprofile-smart-meter-mueller-2010.pdf)
Google ist dann eine Anfängerveranstaltung. Mit street view hat man die Hausfassade, mit Smart Meter sitzen die Energiekonzerne im Wohnzimmmer.
Meine Prognose: Smart Meter wird ein stranded investment, weil der Rollout vom Verfassungsgericht gestoppt wird. (vgl. Rollout in den Niederlanden!)

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