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16.01.2007

17:01 Uhr

Tabloid soll schwarze Zahlen bringen

Frankfurter Rundschau geht auf neues Format

VonJens Koenen

Es soll ein bisschen kleiner werden, ganz anderes aber dann doch nicht. Die bekannte linksliberale Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ will ab Sommer mit dem handlichen Tabloid-Format wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren – und natürlich endlich profitabel werden. Noch im laufenden Jahr sollen nach dem Willen der Geschäftsführung schwarze Zahlen in den Büchern stehen.

FRANKFURT. Die liberale Grundhaltung bleibe aber unangetastet, heißt es. Die „FR“ wäre die erste deutsche Tageszeitung, die komplett auf das Kleinformat umstellt. Zwar gibt es einige Neugründungen im Tabloid. Die etablierten Tageszeitungen erscheinen hier zu Lande aber nach wie vor im gewohnten Format.

„Dieser Schritt wird die Leser enger an das Blatt binden und uns neue Lesergruppen erschließen“, zeigen sich die Herausgeber, die Kölner Verlagsgruppe DuMont Schauberg sowie die SPD-eigene Medienholding DDVG, zuversichtlich. Medienexperten wie der Leiter des Dortmunder Formatt-Instituts, Horst Röper, sind da nicht ganz so optimistisch. „Ich persönlich halte das für einen risikoreichen Weg. Die Erfahrung lehrt, dass große Änderungen bei den konservativen Zeitungslesern in Deutschland zunächst zu Missmut und Kündigungen führen“, warnt er.

In anderen Ländern hatten ähnliche Konzepte zum Teil Erfolg. So schlugen sich Umstellungen wie die des „Independent“ in Großbritannien positiv in den Zahlen nieder, vor allem beim Einzelverkauf. „In Deutschland haben wir aber noch keine Erfahrungen mit Zeitungen, die komplett auf das Tabloid-Format gehen“, sagte Röper.

Dabei kann die „FR“ einen Erfolg mehr denn je gebrauchen. Die Zeitung ist durch hausgemachte Probleme aber auch die allgemeine Zeitungskrise in schwere Turbulenzen geraten. Erst die Übernahme durch die DDVG rettete den Verlag. In den vergangenen Jahren reduzierte das Management die Zahl der Mitarbeiter von 1 650 auf rund 720. Ein weiterer Abbau von etwa 200 Stellen wird mit dem Betriebsrat diskutiert.

Mit dem neuen Format verbinden Chefredakteur Uwe Vorkötter und das Management gleich mehrere Vorteile. Das Blatt kann kostengünstiger produziert werden und hat keine klassische Buch-Struktur mehr. Zudem ist es unterwegs etwa im Nahverkehr leichter lesbar und kommt moderner und aktueller daher.

„In der Marktsituation, in der sich die Rundschau befindet, ist es klar, dass man mit marginalen Veränderungen nicht mehr weiterkommt. Vielleicht ist das Tabloid der richtige Weg, die Marktposition im Stammgebiet Frankfurt zu verteidigen. Aber das Ende ist offen “, sagt Röper.

Allerdings will die „FR“ zeitgleich mit dem neuen Format ausgerechnet die Regionalberichterstattung zurückfahren. Sie war in den letzten Jahren Kernstück der Strategie gewesen, konnte den Auflagenschwund aber nicht bremsen.

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