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15.08.2014

16:02 Uhr

Taxi-App-Dienste Uber und Lyft

Kampf auf der Straße

VonAxel Postinett

Die Turbo-Kapitalisten aus dem Silicon Valley lassen die Fetzen fliegen: Die Taxi-Konkurrenten Uber und Lyft wollen sich gegenseitig zugrunde richten. Der Sieger nimmt sich dann die Taxis vor.

Mit Uber unterwegs: Das Start-up aus dem Silicon Valley expandiert aggressiv. dpa

Mit Uber unterwegs: Das Start-up aus dem Silicon Valley expandiert aggressiv.

San FranciscoUber-Chef Travis Kalanick ist um markige Worte nie verlegen. Die Vertreter der Taxibranche nennt er rund heraus schon mal „Arschlöcher“. Und er wird auch nicht müde anzuprangern, wie diese angeblich mafiaähnlich strukturierte Branche mit ihren ach so engen Verbindungen zur Politik mit übelsten und unfairen Methoden seinem armen, kleinen Start-Up das Leben zur Hölle macht. Aber, da ist er sich sicher, denen wird er es schon zeigen. So wie den jungen Konkurrenten aus dem Silicon Valley. Denen wird ebenfalls nichts geschenkt.

Vor allem die Hass-Liebe zum lokalen Konkurrenten Lyft aus San Francisco ist notorisch. Der Bestandteil „Liebe“ ist dabei mittlerweile gestrichen. Über Monate beharken sich die beiden Neulinge im Personenbeförderungsbereich bereits mehr oder wenig hart. Sie werben sich gegenseitig Fahrer ab, versprechen ihnen hohe Einstiegsprämien und garantierte Stundenlöhne von 35 Dollar und mehr. Sie kämpfen um die Kunden des anderen wie um die Kunden von Taxis.

Durch San Francisco fahren Lastwagen mit Plakaten wie „Rasier den Schnurrbart ab“, eine Anspielung auf Lyfts Markenzeichen, den pinken Schnurrbart aus Plüsch. Am großen Parkplatz an der Valencia Street, wo Uber technische Abnahmen vornimmt, steht ein Imbisswagen, der die Wartezeit mit kostenlosem Essen verkürzt – für Uber-Fahrer, finanziert von Lyft. Aber neben solcherlei Nickeligkeiten gab es irgendwie immer noch eine letzte Beißhemmung, die die übelsten Ausfälle verhindern half. Doch das ist jetzt vorbei.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

Die Schlacht eröffnete Lyft. Die Firma beschuldigte den Konkurrenten, für 5560 bestellte und wieder abgesagte Fahrten seit Oktober verantwortlich zu sein. Zwar fließt Lyft dann immer eine kleine Gebühr zu, aber die Fahrer verdienen praktisch nichts. Und wenn echte Kunden eine Fahrt buchen, warten sie lange auf ein freies Fahrzeug. Kunden und Fahrer wechseln dann eben zu Uber, die kommen halt schneller und die Fahrer verdienen mehr.

Den Vorwurf lässt Uber nicht auf sich sitzen. Die Anwürfe seinen völlig haltlos, heißt es in einer Stellungnahme. Im Gegenteil: Mitarbeiter von Lyft – einschließlich eines Gründers – seien für 12.900 abgesagte Uber-Fahrten verantwortlich. Den angeblichen Grund für die Neidkampagne liefert das Start-up gleich mit: Einige Lyft-Investoren wollten Uber übernehmen. Falls man sich widersetze, habe ein großer Investor mit „Nuklearkrieg“ gedroht (wortwörtlich sprach Uber von „go nuclear“).

Die Replik von Lyft: „Wieder einmal will Uber die Öffentlichkeit täuschen, diesmal mit falschen Anschuldigungen in der Absicht, von den eigenen illegalen Praktiken abzulenken.“ Und ja, man starte tatsächlich einen „Nuklearkrieg“: Und zwar in der Form, dass man Uber mit einem Wachstum von 30 Prozent monatlich laufend Marktanteile abnehme.

Schon im Januar war Uber negativ aufgefallen. Da versuchte das Unternehmen, die lokale Konkurrenz Gett in New York zu schädigen. Nach Berichten des Klatsch- und Tratsch-Blogs Valleywag wurden zahlreiche Uber-Mitarbeiter bis hin zum für New York verantwortlichen Manager dabei erwischt, wie sie in großem Stil Fahrten buchten und wieder absagten. Besonders perfide: Eine Community-Managerin soll alleine sieben Fahren an einem Tag abgesagt haben. Die Fahrer wurden jeweils danach per SMS kontaktiert, ob sie nicht lieber für Uber fahren wollten.

Kommentare (1)

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Herr Tom Beck

15.08.2014, 16:21 Uhr

Der Artikel ist total am Thema vorbei. Wäre durchaus interessant, welche pro und contra Positionen für deren Geschäftsmodel auf dem Deutschen Markt zu sehen sind. Ich stehe generell dem miesen Service von Taxifahrern in Deutschland kritisch gegenüber, kann aber verstehen, dass die es nicht in ordnung finden, dass Uber Faher keinen Ortskundenachweis erbringen müssen und offensichtlich keine so umfassende Versicherung etc. Ich würde mich freuen, wenn hierzu ein fundierter Artikel erarbeitet würde, damit sich dem Thema tiefgründiger näheren kann.

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