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10.12.2014

16:41 Uhr

Taxi-Konkurrent

Warum Uber überall Ärger hat

VonChristof Kerkmann

Klagen, Proteste, Verbote: Uber steht derzeit mächtig unter Druck. Behörden in immer mehr Ländern verbieten dem Taxi-Konkurrenten den Dienst. Warum das Unternehmen überall aneckt.

Erlaubt oder nicht? Uber hat in vielen Städten Probleme mit den Regulierungsbehörden. AFP

Erlaubt oder nicht? Uber hat in vielen Städten Probleme mit den Regulierungsbehörden.

DüsseldorfWer Jurist ist, gerne international arbeitet und einen herausfordernden Job sucht, sollte sich vielleicht bei Uber bewerben. Der Fahrdienst-Vermittler aus dem Silicon Valley trägt derzeit in aller Welt Rechtsstreitigkeiten aus. Allein in dieser Woche haben Behörden in Indien, Thailand, Spanien, den Niederlanden und den USA einen Dienst des Unternehmens verboten oder zumindest damit gedroht – teils in einzelnen Städten, teils im ganzen Land. Die schnelle Expansion droht ins Stocken zu geraten.

Uber bietet mehrere Dienste an. Uber Black vermittelt beispielsweise Limousinen, Uber Taxi Fahrer mit Lizenz. Der Streit entzündet sich an Uber Pop: Diese App ermöglicht Privatleuten in weltweit mehr als 250 Städten, Fahrgäste zu finden und in ihren eigenen Autos mitzunehmen. Behörden in zahlreichen Ländern monieren jedoch, dass die Fahrer keine Erlaubnis zur Personenbeförderung haben (eine Übersicht der Fälle hat das Technologieblog Venturebeat zusammengetragen).

Selbst in Kalifornien, der Heimat des Unternehmens, gibt es Probleme. Staatsanwälte werfen dem Unternehmen vor, Kunden mit Angaben über Sicherheitschecks der Fahrer hinters Licht geführt zu haben. Auch sei die Smartphone-App nicht von den Behörden zertifiziert worden. Und nicht zuletzt habe Uber den Aufschlag für Flughafenfahrten kassiert, aber nicht an die Airports weitergereicht. Die Zulassung in einigen US-Staaten fällt da nicht besonders ins Gewicht.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

Warum hat Uber überall Ärger, von Neu Delhi bis San Francisco?

Das Taxi-Geschäft ist vielen Regeln unterworfen, die teils die Verbraucher schützen, teils die angestammten Anbieter. So müssen Fahrer Prüfungen und Sehtests ablegen, die Autos technisch einwandfrei und speziell versichert sein. Vielerorts gilt eine Beförderungspflicht. Zudem schränken nicht wenige Städte die Größe des Marktes über Konzessionen ein – in New York kann eine Lizenz durchaus mehr als eine Million Dollar kosten.

In diesen regulierten Markt platzt nun Uber mit seinem Dienst. Rechtsbrüche gehören zum Kalkül – das Ziel ist es, möglichst schnell möglichst groß zu werden, fast um jeden Preis. Denn im Geschäft der Vermittlungsdienste ist Größe entscheidend: Wer viele Fahrer gewinnt, kann einen reibungslosen Dienst bieten, was viele Passagiere anlockt. Die Aussicht auf viel Betrieb lockt wiederum neue Fahrer an. Dass in vielen Städten die Taxifahrer protestieren, verbucht das Unternehmen allenfalls als kostenlose Werbung.

Dabei geht es nicht nur um Taxifahrten: Mit seiner Plattform kann Uber Transportmöglichkeiten aller Art vermitteln, etwa für Pakete oder Essensbestellungen. In der US-Hauptstadt Washington versucht sich die Firma bereits mit einem Lieferdienst. Die Hoffnung, in die Logistikbranche einzudringen, dürfte bei der äußerst optimistischen Firmenbewertung von knapp 40 Milliarden Dollar eine wichtige Rolle gespielt haben – die Investoren, die Uber jüngst 1,2 Milliarden Dollar gaben, halten das Start-up damit für wertvoller als etwa den Mietwagenverleiher Hertz.

Der Ärger über Uber hat aber auch andere Gründe. Das Unternehmen kämpft mit harten Bandagen. Das beginnt mit der aggressiven Rhetorik: Uber-Chef Travis Kalanick bezeichnete die Vertreter der Taxi-Branche schon mal als Arschlöcher. Mit dem Erzrivalen Lyft liefert es sich eine Schlammschlacht um Fahrer und Kunden. Und ein Top-Manager hatte mit Gedankenspielen über Schmutzkampagnen gegen kritische Journalisten für Empörung gesorgt.

Wie sich all das auf die wirtschaftlichen Perspektiven auswirkt, lässt sich schwer sagen. Die Verbraucher verzeihen Unternehmen meist ein gewisses Maß Chuzpe, wenn Produkt und Preis stimmen – Facebook etwa hat seine Nutzer schon öfter mit Änderungen an den Privatsphäre-Einstellungen verärgert, ohne sie dauerhaft zu vertreiben. Auch Billigfluglinien sind mit ihrem mäßigen Service erfolgreich.

Die Probleme mit den Regulierungsbehörden könnten dagegen schwerwiegender sein: Wenn Uber einem dauerhaften Verbot von Uber Pop entgehen will, müssen sich die Fahrer womöglich den strikten Vorgaben unterwerfen – und das hätte Folgen. Wenn die niedrigeren Preise daraus resultierten, dass Uber die Fahrer nur unzureichend überprüfe und keine teuren Taxi-Versicherungen abschließe, sei der Vorteil gegenüber der Konkurrenz nicht nachhaltig, sagte der Ökonomie-Professor Erik Gordon von der Universität Michigan der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Folge: Die hohe Bewertung könnte in sich zusammenbrechen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

10.12.2014, 17:23 Uhr

Uber gehört die Zukunft.
Dagegen stellen sich alle rückständigen Interessenvertreter von Taxiunternehmen bis linke populistische Politiker.

In freien Wirtschafträumen wäre dies nicht möglich, denn die Uber-Konkurrenz wäre allzeit willkommen, weil preissenkend - kurz-, mittel- und langfristig.

Peinlicher könnten die Einwände nicht sein.
Lizenz, Zulassung und Überwachung, Ersatz und Schadenersatz sind allesamt autoritativ-administrative Vorwände bequemer Wettbewerbsvermeider.

Herr Clemens Grün

10.12.2014, 18:22 Uhr

Herr Andersen irrt, und zwar fundamental.

Zum einen steigen bei Uber die Preise, teils massiv, sobald die Firma einen ordentlichen Marktanteil hat. Beispiele aus San Franzisko oder New York sind im Netz zuhauf zu finden, z.B. die Fahrt von Frau Seinfield in New York im Dezember 2013, welche unfassbare € 415,- kostete, weil wegen eines Schneesturms die Nachfrage hoch war.

Bei elementaren Grundbedürfnissen wie Bildung, Gesundheit, Energie und Mobilität gibt es in nahezu allen entwickelten Staaten staatliche Regulierungen. Hier werden "freie Wirtschaftsräume" staatlich reguliert, damit die Bürger nicht unter die Räder eines entfesselten Marktes kommen. Und das ist auch gut so.

Das, was Herr Andersen möchte, also die marktradikale, ungezügelte Form von Wirtschaft selbst bei menschlichen Grundbedürfnissen, liegt landauf landab bei 2% Wählerzuspruch. Eine Sekte eben, nicht wirklich ernstzunehmen. Nur lautstark. Oder gar bezahlt/verquickt wie FDP-Politiker von/bei der Versichertenbranche. Hätten wir in diesem Bereich keine staatliche Regulierung und also nur private Krankenkassen, dann hätten für die Bürger bezüglich der Kosten US-Zustände. Dort ist die medizinische Versorgung weltweit am teuersten. Dass "der Markt" automatisch für günstige Preise sorgt, ist ein Ammenmärchen, auf das aber immer weniger reinfallen. Derzeit noch 2%.

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