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19.10.2015

13:59 Uhr

Tele Columbus

Kabelbetreiber füllt seine Kassen

Tele Columbus, der drittgrößte Kabelnetzbetreiber Deutschlands, braucht frisches Geld für seine milliardenschwere Einkaufstour. Eine Kapitalerhöhung soll mehr als 380 Millionen Euro in die Kasse spülen.

Für den Kauf der kleineren Kabel-Rivalen Primacom und Pepcom legt das Berliner Unternehmen Tele Columbus gut 1,3 Milliarden Euro auf den Tisch. ap

Kabelnetz

Für den Kauf der kleineren Kabel-Rivalen Primacom und Pepcom legt das Berliner Unternehmen Tele Columbus gut 1,3 Milliarden Euro auf den Tisch.

FrankfurtDeutschlands drittgrößter Kabelnetzbetreiber Tele Columbus will sich bei den Aktionären frisches Geld für seine Einkaufstour besorgen. Im Zuge einer Kapitalerhöhung sollen brutto 383 Millionen Euro in die Unternehmenskasse fließen, wie Tele Columbus am Montag mitteilte.

Mit der Transaktion fasst Tele Columbus zwei Kapitalerhöhungen zusammen, die im Mai und September angekündigt worden waren. Für den Kauf der kleineren Kabel-Rivalen Primacom und Pepcom legt das Berliner Unternehmen gut 1,3 Milliarden Euro auf den Tisch. Die im Kleinwerte-Index SDax gelisteten Tele-Columbus-Titel fielen nach der Ankündigung rund acht Prozent auf 10,48 Euro.

Tele Columbus bietet 70,9 Millionen neue Aktien an. Damit steigt die Zahl der ausgegebenen Titel um mehr als das Doppelte - derzeit hat die Firma einen Aktien-Grundstock von 56,7 Millionen Scheinen. Der Preis pro neuer Aktie beträgt 5,40 Euro. Die neuen Titel werden den Aktionären im Bezugsverhältnis von vier zu fünf angeboten - für vier alte Stückaktien können fünf neue bezogen werden.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Die Bezugsfrist soll vom 21. Oktober bis zum 3. November laufen. Anteilsscheine, die auf diesem Wege nicht verkauft werden können, sollen in einer Privatplatzierung institutionellen Anlegern angeboten werden. An der Börse gehandelt werden können die neuen Aktien voraussichtlich ab dem 6. November.

Organisiert wird die Kapitalerhöhung von den Banken Goldman Sachs, J.P. Morgan und BNP Paribas.

Von

rtr

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