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20.07.2015

12:01 Uhr

Telefónica Deutschland

Telekom übernimmt tausende Funkmasten

Rund 7700 Funkmasten der Telefónica Deutschland sind nach der Fusion mit E-Plus überflüssig geworden. Weil der Abbau von Sendestationen teuer und aufwändig ist, überlässt der Konzern sie nun der Deutschen Telekom.

Telefónica Deutschland hat E-Plus im Herbst übernommen. dpa

Telefónica Deutschland

Telefónica Deutschland hat E-Plus im Herbst übernommen.

München/BonnnTausende Mobilfunkmasten auf Deutschlands Dächern wechseln den Besitzer. Im Zuge der Neuordnung auf dem Mobilfunkmarkt verkauft Telefónica Deutschland mit seiner Marke O2 insgesamt 7700 Funkstandorte an den Konkurrenten Deutsche Telekom, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. Das hilft Telefónica bei der geplanten Netzzusammenlegung nach dem milliardenschweren Kauf von E-Plus. Die Telekom wiederum will dadurch ihr Netz schneller ausbauen. Die Kartellwächter müssen dem Deal noch ihren Segen geben.

Seit dem vergangenen Jahr ist E-Plus eine 100-prozentige Tochter von Telefónica Deutschland mit der Marke O2, die wiederum zum spanischen Telefonkonzern Telefónica gehört. Durch den Zusammenschluss mit E-Plus war Telefónica Deutschland gemessen an den Kundenzahlen zum größten Mobilfunkkonzern Deutschlands aufgerückt und hatte T-Mobile und Vodafone hinter sich gelassen. Nach der Übernahme erwartet der Konzern Einsparungen von mehr als fünf Milliarden Euro. Dazu soll auch der Abbau von 1600 Stellen, vor allem in München und Düsseldorf, beitragen.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Die Zahl der Funkmasten will das Unternehmen von knapp 40.000 auf etwa 25.000 zu reduzieren, da an vielen Funkmasten derzeit noch zwei Sendestationen hängen. Rund die Hälfte des geplanten Abbaus wäre mit dem Verkauf an die Telekom geschafft. Zum Kaufpreis äußerten sich die Unternehmen nicht. Die Mobilfunkstandorte, die nun in den Besitz der Telekom wechseln sollen, seien vorwiegend Funkmasten auf Dächern, hieß es.

Telefónica sieht Vorteile für beide Unternehmen. „Wir reduzieren unseren Aufwand für den Abbau doppelt vorhandener Mobilfunkstandorte signifikant“, sagte Technik-Chef Cayetano Carbajo Martin. Der Rückbau doppelt vorhandener Sendestationen sei teuer und binde Personal. Unter anderem müssen bestehende Mietverträge aufgelöst werden, Techniker an jedem einzelnen Standort Geräte abbauen.

Die Telekom will mit den neuen Standorten den eigenen geplanten Netzausbau schneller in die Tat umsetzen. Die Zusammenarbeit mit Telefónica im Betrieb von Funktürmen werde zudem vertieft, sagte Telekom-Technikchef Bruno Jacobfeuerborn. Zunächst werden die Standorte weiter von Telefónica genutzt, bis sie im Zuge der Zusammenlegung der beiden Mobilfunknetze nicht mehr benötigt werden.

Von

dpa

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