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07.10.2013

11:56 Uhr

Telefonhersteller

Großaktionär will Übernahme von Gigaset verhindern

Der Aktionär des Telefonherstellers Gigaset, Mantra, stellt sich gegen die Pläne des Unternehmers Pan Sutong. Der Hongkonger will mit Gigaset in das Geschäft mit Tablet-Computern einsteigen. Doch das schadet der Marke.

Der Unternehmer Pan Sutong will Gigaset übernehmen und seine Geschäfte ausbauen. Mantra meint, dass sei zu gefährlich. dapd

Der Unternehmer Pan Sutong will Gigaset übernehmen und seine Geschäfte ausbauen. Mantra meint, dass sei zu gefährlich.

FrankfurtDer Hongkonger Unternehmer Pan Sutong stößt mit seinen Plänen für eine Übernahme des Telefonherstellers Gigaset auf Widerstand. Der größte Aktionär von Gigaset, der französische Finanzinvestor Mantra Investissement, stellte sich am Montag gegen die Pläne des von Sutong beherrschten Goldin Fund. Die Strategie, mit zusätzlichem Geld von Goldin in das Geschäft mit Tablet-Computern und Smartphones einzusteigen, drohe angesichts der Marktmacht von Apple und anderen etablierten Anbietern zu scheitern. "In diesen Markt einzutreten, wäre viel zu gefährlich. Das klingt auf den ersten Blick toll, aber da sind andere besser als Gigaset", sagte Mantra-Chef Antoine Drean der Nachrichtenagentur Reuters. Gigaset laufe damit Gefahr, die Marke zu beschädigen.

Mantra hält nach Dreans Angaben rund neun Prozent an Gigaset und ist mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsrat vertreten. Drean warf Sutong vor, nur eine finanzielle Zwangslage von Gigaset ausnutzen zu wollen, um das Unternehmen billig zu schlucken. "Dagegen kämpfen wir an", sagte Drean. Das Unternehmen braucht nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Euro, um sich bis Herbst 2014 über die Runden zu retten. Bis dahin sollen Produkte für die vernetzte Haustechnik so reif sein, um den Umsatzschwund bei Schnurlos-Telefonen aufzufangen.

Goldin hat angeboten, alle nicht von den übrigen Aktionären bezogenen Aktien aus einer laufenden Kapitalerhöhung um bis zu 19,6 Millionen Euro zu zeichnen - aber nur unter der Bedingung, dass der Fonds danach auf mehr als 30 Prozent der Anteile kommt. Die neuen Aktien werden zu je einem Euro verkauft. Danach will der neue Großaktionär ein Übernahmeangebot für Gigaset starten. Zudem verspricht er, zunächst 30 Millionen Euro in eine Tochter zu stecken, mit der das neue Geschäftsfeld aufgebaut werden soll. Sutong ist bereits an anderen Konsumelektronik-Herstellern beteiligt, etwa an dem Auftragsfertiger Matsunichi, der Markenartikler mit Tablets und andere mobilen Geräten beliefert.

Ein Gigaset-Sprecher sagte, der Vorstoß der Franzosen sei Teil des nun laufenden Meinungsbildungsprozesses unter den Aktionären. Die einstige Siemens -Tochter begrüße nach wie vor den Vorstoß der Asiaten, der für Europas Marktführer für Schnurlostelefone einen Kapitalzufluss von mindestens 15 Millionen Euro und eine bessere Eigenkapitalausstattung sichern könne.

Mantra appellierte an die übrigen Gigaset-Anteilseigner, die Bezugsrechte selbst auszuüben oder an den französischen Investor zu verkaufen. "Die bestehenden Aktionäre müssen Gigaset retten", teilte der Investor mit. Die Bezugsfrist läuft noch bis zum 14. Oktober. Drean wollte sich aber nicht festlegen, wie weit Mantra auf diese Weise aufstocken würde. "Wir sprechen auch mit anderen Gigaset-Investoren, die wir kennen", sagte er nur. Der noch mit 3,6 Prozent beteiligte Peter Löw gehöre nicht dazu. Im Streit um die Schweizer Private Equity Holding hatte sich Mantra, die zwei Gigaset-Aufsichtsräte stellt, mit dem aktivistischen US-Investor Guy Wyser-Pratte zusammengetan.

Mit seinem Engagement bei der ehemaligen Siemens Home and Office Communication Devices hat Mantra bisher Geld verloren. "Wir sind unter Wasser", räumte Drean ein. "Aber die Firma ist auf dem richtigen Weg." Bei einer Übernahme durch Goldin wären auch die 1400 Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr.

Von

rtr

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