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15.01.2017

18:54 Uhr

Telekom-Branche

Schnelles Internet, aber wie?

Während die Deutsche Telekom beim schnellen Internet auf eine Übergangstechnik setzt, um Kunden schnell anzubinden, fordern Wettbewerber mehr Glasfaser – und klare politische Vorgaben.

Deutschlands Funklöcher

Welcher Anbieter hat das beste Netz?

Deutschlands Funklöcher: Welcher Anbieter hat das beste Netz?

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KölnGrenzenlos surfen und Videos sehen, TV in höchster Auflösung und Musik in höchster Qualität bekommen – nur mit dem schnellen Internet lassen sich solche Wünsche erfüllen. Doch der Netzausbau kostet Geld. Und die Frage, welche Technik am schnellsten zum Ziel führt, ist umstritten. Während die Telekom auf das sogenannte Vectoring als Übergangstechnologie setzt, um allen Kunden bis 2018 einen 50-Megabit-Anschluss zu verschaffen, halten die Wettbewerber diesen Weg für falsch und pochen auf Glasfasern.

Warum streiten die Wettbewerber und die Telekom sich überhaupt?

Es geht im Prinzip um zwei Glaubensrichtungen: Die einen favorisierten die Modernisierung bestehender Netze, die anderen wollen ein klares Bekenntnis zur Glasfaser als der alles entscheidenden Zukunftstechnologie. Die Bundesregierung hat beim Breitbandausbau eine klare Vorgabe gegeben. Bis Ende 2018 sollten alle deutschen Haushalte einen Anschluss mit Übertragungsgeschwindigkeiten im Download-Bereich von mindestens 50 Megabit haben.

Da bundesweit das schnelle Internet noch immer ein Teppich mit weißen Flecken ist, geht es nun darum, die Regionen mit schwächerer Breitband-Ausstattung nach vorn zu bringen. Das sei nur durch Vectoring möglich und machbar, heißt es bei der Telekom. Dabei zeigt ein Blick auf die europäische Landkarte, dass Deutschland nach dem „EU Digital Progress Report“ bei der Breitband-Abdeckung mit 81 Prozent schon über dem EU-Durchschnitt liegt.

Fragen zum Vectoring

Welche Möglichkeiten hat der Endkunde beim Zugriff auf das schnelle Internet?

Es gibt mehrere Wege: Zum Beispiel mobil über Smartphone und das LTE-Netz, über einen drahtlosen Anschluss an einem Hotspot oder auch über Festnetz-Leitung. Eine weitere Möglichkeit ist der Zugang ins Internet über das Kabelnetz, das in Deutschland durch Vodafone und Unitymedia dominiert wird. Welches Surftempo erreichbar ist, hängt ab vom Grad des Netzausbaus und der von den Betreibern eingesetzten Technik. Seit kurzem bietet die Bundesnetzagentur einen Test, mit dem Geschwindigkeiten im Netz gemessen werden können.

Nach den Breitbandzielen der Bundesregierung soll jeder Verbraucher bis Ende 2018 mit einem Tempo von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (MBit/s) im Internet surfen können. Über den Zugang zu einem solchen Anschluss, und zwar über alle Technologien hinweg, verfügten nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur Ende 2015 rund 70 Prozent aller Privathaushalte. In ländlichen Regionen aber auch in einigen Stadtgebieten gibt es jedoch weiterhin Schwachstellen und zum Teil auch weiße Flecken.

Was ist Vectoring und warum wird diese Technik eingesetzt?

Beim Vectoring werden die herkömmlichen Kupferkabelnetze kostenschonend für höhere Geschwindigkeiten nachgerüstet. So sollen die Bandbreiten auf 100 MBit pro Sekunde steigen. Mit der Weiterentwicklung Super-Vectoring würden sogar theoretisch 250 MBit/s möglich. Die Telekom muss sich aber sputen, denn die Kabelnetzbetreiber um Vodafone und Co. sind ihr ein Stück voraus und bieten bereits 400 MBit/s.

Es gibt nicht wenige Experten, die beim Vectoring von einer veralteten Technologie sprechen, andere nennen sie eine Brückentechnologie auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft. Um die Ziele der Bundesregierung beim Breitbandausbau schnell zu erreichen, gilt Vectoring als unverzichtbar. Die Telekom setzt voll auf diese Technik und kombiniert sie mit einem Glasfaserausbau. Ihr Plan: Glasfaser bis zum Kabelverzweiger (graue Schaltkästen am Straßenrand) und dann auf kurzer Strecke über Kupferkabel in die Häuser.

Warum ist Vectoring so umstritten?

Die Telekom hat ihr Netz im Nahbereich an viele Wettbewerber vermietet, die dort ebenfalls schnelle Internetanschlüsse betreiben. An den entscheidenden Hebeln im Netz wie den Kabelverzweigern und Hauptverteilern kann aus technischen Gründen aktuell aber nur ein Unternehmen mit Vectoring andocken und Tempo ins Kupferkabel bringen. Im gegenwärtigen Streit geht es um die Hauptverteiler, deren Nahbereiche mit 5,9 Millionen Endkunden die Telekom beschleunigen will.

Die Bundesnetzagentur hatte geplant, dem Marktführer den Einbau der umstrittenen Technik zu gestatten. Konkurrenten müsse ein Vorleistungsprodukt angeboten werden. Das hatte zu einem Aufschrei der Wettbewerber geführt; das böse Wort von der Re-Monopolisierung machte die Runde. Am Ende wurden die Pläne wieder kassiert. Die Wettbewerber sehen zudem mit dem Vectoring der Telekom ihre Investitionen in den Glasfaserausbau gefährdet.

Ist das Verlegen von Glasfasernetzen eine Alternative?

Eindeutig ja. Auf lange Sicht können nur Glasfasernetze, die ins Gebäude und Wohnungen der Endkunden reichen, das gewaltige Wachstum der Datenströme bewältigen. Die Breitbandziele der Bundesregierung reichten nicht aus, sagen die Wettbewerber, schon heute sollten die Rahmendaten für Gigabit-Netze geschaffen werden. Diese Supernetze werden benötigt, wenn Landwirte in der Cloud mähen und über ein modernes Farmmanagement ihre Höfe steuern, wenn Autos autonom fahren und Fernsehen nur noch in Ultra HD-8k gesehen wird.

Und was sagen die Wettbewerber?

Sie halten die Vorgaben der Bundesregierung für Investitionsbremsen. Die anstehenden Herausforderungen beim Aufbau der Zukunftsnetze würden nicht berücksichtigt. Als Stichworte werden Anwendungen genannt wie Ultra-HD-Fernsehen, Online-Spiele, E-Health oder die digitale Landwirtschaft. „Wir brauchen für Deutschland eine Gigabit-Strategie“, sagt beispielsweise der Geschäftsführer des Bundesverbandes Glasfaser (Buglas), Wolfgang Heer. Nur so könne die stärkste Volkswirtschaft Europas langfristig mit einer leistungsfähigen Infrastruktur ausgestattet werden.

Reden die Telekom-Konkurrenten denn nur, oder handeln sie auch?

Tatsächlich investieren mehrere kleine regionale und städtische Anbieter massiv in den Glasfaser-Ausbau. Ein Beispiel ist die Münchener M-Net, die so bis 2021 rund 70 Prozent aller Haushalte der bayerischen Metropole und über 80.000 Unternehmen einen direkten Glasfaser-Anschluss bieten will. Auch Netcologne im Köln-Aachener Raum und die Ewe-Tel in Oldenburg bauen Glasfasernetze.

Nach Angaben von Buglas werden 2016 rund 220.000 Haushalte und Geschäftskunden einen Glasfaser-Anschluss erhalten, der direkt in Häuser sowie Wohn- und Geschäftsräume läuft. Die Gesamtzahl dieser Anschlüsse wird am Jahresende voraussichtlich bei knapp 2,7 Millionen liegen, 70 Prozent davon realisiert durch Wettbewerber der Telekom.

Und die Telekom verzichtet auf den Glasfaser-Ausbau?

Keinesfalls. Der Branchenprimus ist mit Abstand dasjenige Unternehmen, das am meisten in den Netzausbau investiert. Bislang wurden Leitungen in einer Länge von 400 000 Kilometern verlegt, jährlich kommen nach Konzernabgaben 30 000 Kilometer hinzu. Doch das Unternehmen setzt nicht auf den direkten Heimanschluss mit Glasfaser, sondern auf mehr Tempo im Kupferkabel auf der letzten Meile via Vectoring. Ziel sei es, sagt Firmensprecher Philipp Blank, möglichst schnell in eine große Fläche zu kommen. Glasfaser in alle Haushalte zu bringen ist nicht nur extrem teuer, sondern würde mindestens bis 2030 dauern. Konzernchef Tim Höttges legt Wert darauf, die Netze im Unternehmen „bedarfsgerecht“ und „zukunftsgerichtet“ auszubauen.

Mehrere Netze, mehr Wettbewerb – wo liegt dann das Problem?

Tatsächlich ist es so, dass derzeit drei Infrastrukturen um die Gunst der Kunden buhlen: das Netz aus Kupferdraht, der direkte Glasfaser-Anschluss und das Kabelnetz, über das früher nur TV verbreitet wurde und das nun Vodafone und Unitymedia maßgeblich zu einem Hochgeschwindigkeitsnetz entwickelt haben. Zählt man den Mobilfunk hinzu, sind es sogar vier.

Von

dpa

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