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16.05.2013

12:56 Uhr

Telekom-Hauptversammlung

„Unser Aktienkurs löst keine Jubelstürme aus“

Wenn René Obermann am Jahresende als Vorstandsvorsitzender der Telekom abtritt, hinterlässt er ein auf Wachstum ausgerichtetes Unternehmen. Nur eines will einfach nicht wachsen: der Aktienkurs.

René Obermann steht auf der Hauptversammlung in Köln zum letzten Mal den Aktionären Rede und Antwort. dpa

René Obermann steht auf der Hauptversammlung in Köln zum letzten Mal den Aktionären Rede und Antwort.

KölnTelekom-Chef René Obermann hat auf seiner letzten Hauptversammlung den seit Jahren vor sich hindümpelnden Kurs der T-Aktie gerechtfertigt. Wegen der strengen Regulierung sei es der Telekom trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, den drastischen Preisverfall komplett zu kompensieren, sagte der Telekom-Chef am Donnerstag. „Unser Aktienkurs spiegelt die Branchenproblematik wider – er löst keine Jubelstürme aus.“ Die Titel hätten sich unter seiner Führung aber immer noch besser entwickelt als die der europäischen Konkurrenten, führte er aus. Der 50-Jährige gibt Ende des Jahres die Führung des Dax-Konzerns nach sieben Jahren ab. Die Telekom leidet wie ihre Wettbewerber unter den Vorgaben der Regulierer, die seit Jahren niedrige Tarife vorgeben.

Obermann hatte zu seinem Amtsantritt im November 2006 gesagt, dass seine „Mission gescheitert“ wäre, wenn die T-Aktie „in ein bis zwei Jahren keinen Anschluss an die Kursentwicklung vergleichbarer Konkurrenten“ gefunden habe. Seitdem sackte der Kurs des einst als „Volksaktie“ beworbenen Papiers von Werten um 13,50 Euro auf derzeit 9,85 Euro ab – in diesem Zeitraum ist der Dax um etwa 30 Prozent gestiegen. Auf dem Höhepunkt des Internet-Hypes im März 2000 kostete sie sogar 104,90 Euro.

Q&A zur Tempodrosselung der Telekom

Für wen gelten die Obergrenzen?

Zunächst einmal geht es nur um Neukunden, die einen Vertrag nach dem 2. Mai 2013 abgeschlossen haben. „Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen“, versprach die Telekom im Mai. Allerdings wird spekuliert, dass auch viele Bestandskunden von der Neuregelung betroffen sein könnten: Weil die Telekom ihr Festnetz auf die IP-Technologie umstellt, müssen Nutzer, die weiter einen schnellen Internetanschluss wollen, womöglich den Tarif wechseln – dann wären sie ebenfalls von der Drosselung betroffen. Die Telekom erklärt, dass man heute angesichts der rasanten Entwicklung der Branche nicht seriös sagen könne, welche Tarifmodelle in einigen Jahren gelten werden. Nach dem Urteil des Landgericht Köln ist aber ohnehin fraglich, ob die Geschäftsbedingungen Bestand haben.

Wer überschreitet die Datengrenze?

Das lässt sich heute mit Blick auf das Jahr 2016 schwer sagen. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf Datenvolumen von 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Datenobergrenze von 75 Gigabyte, die für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabit pro Sekunde (Mbit / s) gilt. Allerdings nimmt der Konsum von Online-Videos rasant zu. Neue TV-Geräte sind internettauglich, Sender bauen ihre Mediatheken aus, immer mehr Dienste bieten Streaming von Filmen und Serien an. Bis 2016 kann der Datenhunger der deutschen Haushalte also noch stark wachsen.

Wie weit kommt man mit 75 Gigabyte?

Laut Telekom reicht das neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails zum Beispiel für zehn Filme in herkömmlicher Auflösung sowie drei HD-Filme, 60 Stunden Internetradio, 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. Wenn solche Onlinedienste insbesondere in einem Haushalt mit mehreren Personen fest zum Alltag gehören, häuft sich locker eine höhere Nutzung an. Allerdings: Der hauseigene Telekom-Videodienst Entertain zehrt nicht an dem geplanten Datenkontingent.

Was ist mit anderen Anbietern?

Nach aktuellem Stand würden die Nutzung von Entertain-Konkurrenten wie Apples iTunes-Plattform, Amazons Streaming-Dienst Lovefilm oder des ähnlichen Angebots Watchever sowie von YouTube das Inklusivvolumen verbrauchen. Bis 2016 könnten die Anbieter aber noch Partnerschaften mit der Telekom abschließen, die ihnen für gesonderte Bezahlung einen „Managed Service“ garantiert. Dienste solcher Partner tasten das Datenkontingent ebenfalls nicht an. Oder die Anbieter könnten sich zum Kampf gegen die Regelung entschließen.

Was passiert nach Ausschöpfung des Volumens?

Entweder man begnügt sich mit zwei Megabit pro Sekunde, oder man bucht mehr Datenvolumen hinzu. Die Tarife dafür wurden von der Telekom noch nicht genannt.

Gibt es noch eine echte Flatrate?

Die Telekom betont, weiterhin eine echte Flatrate anzubieten, also einen Tarif ohne jede Begrenzung. Dafür will das Unternehmen 10 bis 20 Euro Aufschlag im Vergleich zu heute verlangen – den genauen Preis legt es erst später fest.

Drosseln andere Anbieter auch?

Telekom-Konkurrent Vodafone will nicht mitziehen: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.“ Auch Unitymedia Kabel Baden-Württemberg erteilte einer Drosselung eine Absage: Bereits heute könnten Datenübertragungsraten von 150 Megabit pro Sekunde angeboten werden, die mit wenigen technischen Anpassungen auf 400 MBit/s erhöht werden könnten.

Bei Kabel Deutschland dagegen gibt es bereits Datengrenzen, sie funktionieren aber anders als bei der Telekom. So ist ein Tages-Volumen von 10 Gigabyte vorgesehen, nach dem das Tempo gedrosselt werden kann. Derzeit passiert es aber erst ab 60 GB am Tag. Und zum Beispiel bei 1&1 gehört das Prinzip fest zum günstigsten Tarif dazu: Bis 100 GB im Monat surft man mit bis zu 16 MBit pro Sekunde, danach nur noch mit der langsamsten DSL-Geschwindigkeit von 1 MBit/Sekunde.

Aktionärsvertreter gehen mit dem scheidenden Telekom-Chef hart ins Gericht. „Sie wollten eigentlich Wert für die Aktionäre schaffen, doch daraus ist nichts geworden: Während der Dax seit Ihrem Amtsantritt um 30 Prozent gestiegen ist, ist die Telekom-Aktie um 30 Prozent gefallen“, sagte Ingo Speich, Portfoliomanager bei Union Investment, in der Debatte auf der Hauptversammlung. „Ohne Zweifel haben Sie vieles richtig gemacht, zwei Dinge aber kreiden wir Ihnen an: Ihre Dividendenpolitik war verfehlt, Ihr Einstieg bei der griechischen OTE war ein Desaster.“

Deutlich verlässlicher als der Aktienkurs war in den vergangenen Jahren die Dividendenausschüttung der Telekom. Laut Obermann soll sie auch für 2012 bei konstanten 70 Cent je Anteilsschein liegen. Doch künftig könnte auch diese Bastion der Anleger wackeln: Die Telekom prüft, die Dividende auf 50 Cent pro Aktie zu kürzen.

Kommentare (5)

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btw

16.05.2013, 11:06 Uhr

Der Obermann, der Obermann
der machts so grad wie 's ihm reichen kann:

viel war das nicht, noch weniger wird bleiben.

Obermann wurde eingekauft weil er ein mentaler Dinosaurier ist und Obermann tritt als Dino ab.

Blicken wir nach vorn ohne Obermanns Dino-"Lösungen".

Geschäft braucht Weile und keine Wippsterts, die es nicht abwarten können.

Man muß das Geschäft schon kennen.
Und wir verabschieden Obermann als jemanden, der sich jedenfalls Mühe gegeben hatte irgendetwas von dem Geschäft verstehen zu wollen.

Kommentator

16.05.2013, 11:34 Uhr

Vernichtung von Marktkapital und eine substanzfinanzierte Dividendenpolitik sind das unbestreitbare Ergebnis von Alt- und Neu-CEO der letzten 10 Jahre, verbunden mit einer Ankündigungspolitik ohne das jemals Zukunftsweisendes geschaffen wurde.
Der Alt-CEO kokketierte mit dem "Bulldozer"-Image und der Neu-CEO mit dem Attribut "Hart, härter". Das sagt viel aus über das Menschenbild das Alt- und Neu-CEO verkörpern und noch viel mehr über deren strategische Fähigkeiten.
Die DEUTSCHE TELEKOM schafft es ja noch nicht einmal in einer Zeit günstigen Geldes ihre Schuldenlast signifikant zu senken, da fragt man sich, wer denn für das Finanzressort der letzten Jahre verantwortlich war.
Man muß für die Zukunft äußerst skeptisch bleiben.
Die DEUTSCHE TELEKOM hat mit Alt-CEO und Neu-CEO alle Schlachten der letzten 10 Jahre verloren.
Eigentlich traurig.

btw

16.05.2013, 11:49 Uhr

So lange Boards nicht begreifen, so lange wird Zukunft als Erinnerung gebunkert werden.

Was war Obermanns Job mehr als Altenpflege?

Nicht mal die konnte er.

Blicken wir nach vorn weiterhin: ohne uns weiterhin Sand in die Augen träufeln zu lassen.

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